Ein Trampolin für die Karriere

Die Universität St. Gallen bietet das Studium auch auf Englisch an. 20 Prozent aller Studierenden machen davon Gebrauch. Sie erhoffen sich auch Vorteile auf dem Arbeitsmarkt.

Laura Rufer/Marios Vettas
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Haben sich für ein Studium auf Englisch entschieden: Seraina Kull aus Gams und Henry Tse aus Hongkong. Bild: Cristina Arioli

Haben sich für ein Studium auf Englisch entschieden: Seraina Kull aus Gams und Henry Tse aus Hongkong. Bild: Cristina Arioli

Gut ein Fünftel der Studenten an der Universität St. Gallen absolvieren das erste Jahr auf Englisch. Erstaunlicherweise sind die meisten davon nicht Ausländer, sondern Studierende mit einer Matur in der Schweiz. In den letzten beiden Jahren machte diese Gruppe über 90 Prozent aus.

Seit 2013 gibt es die Möglichkeit, das Studium in der Weltsprache zu absolvieren. Seitdem ist auch der Anteil von fast 20 Prozent stabil geblieben. Auch der Prozentsatz an Bildungsinländern unterliegt nur minimalen Schwankungen. Denn die meisten Schweizer im englischsprachigen Lehrgang sind Romands. Sie trauen es sich oft nicht zu, das erste Jahr auf Deutsch zu bewältigen. Trotz Frühdeutsch in der Westschweiz fühlen sich offenbar viele von ihnen in der englischen Sprache sicherer.

Nach dem ersten rein englischsprachigen Jahr müssen die Studenten einen Teil ihres Studiums jedoch auch auf Deutsch absolvieren. Die Universität will damit die Integration fremdsprachiger Studenten fördern. Für diese ist es aber oft schwierig, neben dem anspruchsvollen Studium noch Deutsch zu lernen.

Mit Studium die Kenntnisse in Englisch festigen

«Am Gymnasium habe ich die zweisprachige Matur gemacht. Da ich Volkswirtschaftslehre auf Englisch hatte und dies das Fach mit dem grössten und komplexesten Fachvokabular ist, wollte ich die Unterrichtssprache beibehalten», erklärt Seraina Kull. Die St. Gallerin möchte zudem ihr Englisch pflegen und erhofft sich durch das Studium in der Fremdsprache bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Damit ist sie nicht allein. Annkathrin Heidenreich von der Uni-Kommunikation erklärt den Grund für die Einführung des englischsprachigen Lehrgangs wie folgt: «Vor allem Studierende mit einer zweisprachigen Matura erhalten damit die Gelegenheit, ihre Englischkenntnisse zu festigen und sich für den internationalen Arbeitsmarkt zu qualifizieren.»

Auch Henry Tse aus Hong- kong, der mehrere Jahre in Grossbritannien lebte, will mit Hilfe des englischen Studiums seine Karriere pushen. Sein Ziel ist das Investmentbanking. Ein weiterer Grund für das Studieren in der Weltsprache ist der Austausch mit Studierenden aus verschiedenen Kulturen und Nationalitäten.

Einige Dozenten haben einen starken Akzent

Viele Studenten denken auch rein praktisch: Denn das Studium der Internationalen Beziehungen beinhaltet grösstenteils englischsprachige Vorlesungen. Gewöhnt man sich schon vor dem offiziellen Beginn im zweiten Studienjahr an die Fremdsprache, so fällt es einem später leichter.

Natürlich bietet das Studium in einer Fremdsprache nicht nur Vorteile. Nicht alles wird gleich auf Anhieb verstanden, besonders wenn es sich um fachspezifische Ausdrücke handelt. Der gewöhnungsbedürftige Akzent gewisser Dozenten sehen Studenten mit Erfahrung im englischen Lehrgang als weiteren Minuspunkt. Insider erzählen zudem, dass die Übersetzungen des Schulmaterials zuweilen mangelhaft seien, und sie kritisieren, dass es im Assessmentjahr keine Übung für Rechtswissenschaft gibt, wenn man den englischsprachigen Lehrgang absolviert. Hinzu kommt, dass die Durchfallquote im englischen Lehrgang höher sein soll. Trotz dieser Hindernisse ist es für viele Studenten offenbar eine gute Erfahrung, das Studienjahr auf Englisch zu bewältigen.