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Ein Tag im Athletik Zentrum

Die Geschichte des Athletik Zentrums St. Gallen ist auch Fritz Bischoffs Geschichte. Er ist seit der Eröffnung 2006 dessen Leiter. Das Zentrum ist nicht nur Stätte von Sportanlässen und Sportunterricht, sondern bietet auch Katakomben-Stories.
Fredi Kurth
Fritz Bischoff im Rund des Athletik Zentrums, seinem «Wohnzimmer». (Bild: Urs Jaudas)

Fritz Bischoff im Rund des Athletik Zentrums, seinem «Wohnzimmer». (Bild: Urs Jaudas)

Fast hätte Fritz Bischoff das Inserat, das sein Leben verändern sollte, missachtet: «Gesucht Leiter für das Athletik Zentrum St. Gallen». Nur beiläufig hatte er es im Frühling 2006 wahrgenommen, ehe er doch zu lesen begann. In Sekunden realisierte er: Der Mann, der hier gesucht wird, das bin ich! Sein gesundes Selbstvertrauen sollte ihn nicht täuschen: Unter 130 Bewerbern setzte er sich durch. Jetzt, fünf Jahre später, steht er oben am Rand der grossräumigen Halle zwischen Blumentöpfen. Sie stammen aus dem Fundus des städtischen Gartenbauamts. Ein wenig, so scheint es, ist die Halle auch Bischoffs «Wohnzimmer». Dem Vergleich gegenüber ist er nicht abgeneigt. Doch sogleich fügt er hinzu: «Was hier geschieht, ist Teamarbeit.»

Auch ein wenig Hotel

Zehn Mitarbeiter, Ganzzeit- und Teilzeitbeschäftigte, stehen Bischoff zur Verfügung. Das Tagwerk beginnt an der Parkstrasse um 6.30 Uhr. Eine halbe Stunde später kommen die ersten Schülerinnen und Schüler zum Sportunterricht. Fritz Bischoff ist an diesem ersten Schultag nach den Sommerferien auch schon da, und er wird auch am Abend, wenn die Vereine erscheinen, zugegen sein. «Die Leute müssen spüren, dass die Leitung präsent ist und sich identifiziert mit dem Betrieb», sagt Bischoff.

Sein Pensum, das sich häufig über sieben Wochentage erstreckt, hat sich ein wenig vermindert. Anfang Jahr ist das Personal von sechs auf zehn Leute aufgestockt worden. «Man hat den Arbeitsaufwand zuerst unterschätzt», sagt Bischoff. Immerhin gibt es auch 16 Garderoben, eine Kletterhalle, einen Kraft-und Ausdauerbereich, diverse Toiletten und Gänge sowie 12 Gästezimmer mit 24 Betten zu unterhalten.

Um 14 Uhr erscheint eine Mädchenklasse. Einige bemerken die Videoanlage. Die nachträglich eingebaute Überwachung, die mehrere Dutzend Kameras umfasst, soll auch sichtbar sein. Der Diebstähle sind seit der Inbetriebnahme nicht mehr so viele. Aber auch heute noch wird gestohlen. Handys, Schminke, Gürtel, Schuhe. «Am meisten bestehlen sich die Schüler gegenseitig.» Zum Thema Sicherheit gehört auch die Verwaltung der Schlüssel. Es sind Tausende, die bei Lehrern, Trainern und Funktionären zirkulieren: Schlüssel für Garderoben und die vielen Kästen. Ein paar Hundert hat Bischoff in seinem Büro am Zentrumseingang aufbewahrt, viele Duplikate. Der Passepartout mit der Nr. 1 ist zwei Institutionen vorbehalten: dem Zentrumsleiter und der Feuerwehr.

Täglich bis 2000 Besucher

Um 15 Uhr ist die erste Arbeitsschicht mit jeweils zwei Personen (ohne Fritz Bischoff) beendet. Eine weitere Turnklasse erscheint. 36 werden es an diesem Montag sein. Eine normale Belegung. Bis zum Abend haben täglich 1500 bis 2000 Menschen aus Schulen und Vereinen im Athletik Zentrum etwas für ihre Gesundheit getan. 120 000 Sportler haben vergangenes Jahr an den Wochenenden an einem Anlass teilgenommen.

Schüler und Sportler erweisen sich auf ihre Weise dankbar: In Kästen lagern all die Utensilien, die sie vergessen haben. Unter vier Gestellen werden im obersten die laufenden «Rückstände» aufbewahrt. Ein Gestell pro Monat füllt sich. Die Kleider gehen in die Kleidersammlung, Wertgegenstände sofort an das Fundbüro. Lange nicht alles wird abgeholt. Manche freuen sich, wenn sie ihr Shampoo wieder finden. Andere haben Frauenstiefel oder ihren Schmuck für immer deponiert.

Topanlass Unihockey-WM

Im Dezember findet mit der Damen-Unihockey-Weltmeisterschaft der bisher bedeutendste Anlass im Athletik Zentrum statt. Mit Spielerinnen aus 16 Nationen, unter ihnen Russland, USA, Australien, Japan. Einen festen Platz im Zweijahresturnus haben die nationalen Hallenleichtathletik-Meisterschaften. In wenigen Wochen sind erstmals Thaiboxer zu Gast. Und nächstes Jahr das Military-Tattoo-Musikfest mit Bands aus Schottland und Irland. Allerdings will man sich auf sportliche Anlässe beschränken. Das Tattoo geht gerade noch durch, weil es sich um Marschmusik handelt, also in der Halle marschiert wird. Die Grenzen wurden aufgezeigt, als einmal ein Tennis-Daviscup-Spiel hätte stattfinden sollen. «Aber leider genügte die VIP-Ausstattung nicht», sagt Bischoff.

An lange Anlässe indessen wäre man sich so oder so gewöhnt. Denn Lichterlöschen ist unter der Woche erst um 23.30 Uhr – wenn das Athletik Zentrum wieder blank geputzt ist.

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