Ein Stück Rorschacher Gesangsgeschichte endet

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Der Rorschacher Paul Müller und seine Gesangsgruppe Lauthals verabschieden sich am Freitagabend von der Bühne. (Bild: Res Lerch)

Der Rorschacher Paul Müller und seine Gesangsgruppe Lauthals verabschieden sich am Freitagabend von der Bühne. (Bild: Res Lerch)

Früher war an der Rorschacher Cliquenfasnacht vieles ein bisschen anders. Und im Verlauf des Abends sind irgendwann die «Haferatze» aufgetreten, die ihre Schnitzelbänke meist singenderweise vorgetragen haben. Wer da nach einem Konzept gesucht hat, wurde nicht fündig. Die haben einfach gesungen und erzählt und sich über alles lustig gemacht, teilweise auch über sich selber. «Nach 20 Jahren üben, auswendig lernen, entscheiden, aber auch lachen, streiten, auftreten, Erfolge feiern, Enttäuschungen verarbeiten, sind wir uns sehr nahe gekommen und haben viel über uns selbst und die anderen gelernt», sagt Paul Müller, der von Anfang an dabei war.

Aus den «Haferatze» sind «Lauthals» entstanden. Die Gesangsgruppe beschreibt sich selber so: «Die drei Frauen und drei Männer im besten mittleren Alter haben weniger den Anspruch, perfekt zu sein, als den, sich selbst und andere zu unterhalten. Wenn wir beim Proben Tränen lachen, ist das eine Ziel schon erreicht. Das andere hängt etwas davon ab, wie gut das Publikum mit einer losen Mischung aus geraden und schrägen, ultrakurzen und balladenlangen Liedern – die meist einen tieferen Sinn missen lassen – fertig wird». Das ist auch Paul Müller wichtig: «Am besten haben uns die Engagements gefallen, die in kleinen Räumen vor kleinem Publikum stattgefunden haben – beispielsweise in Restaurants.»

«Lauthals» sind Susy Alge Locher, Peter Hirzel, Daniela Müller, Paul Müller, Lotti Müller und Guido Ritz. Sie verabschieden sich am Freitagabend im Stadthof von der Bühne. «Als es immer schwieriger wurde, uns auf neue Lieder zu einigen oder gar Probedaten zu finden, haben wir gemerkt, dass wir alle zunehmend andere private Prioritäten setzen und realisierten, dass wir aufhören sollten», meint Paul Müller. «Natürlich wird mir hie und da ein wenig wehmütig werden ohne ‹Lauthals›, aber die positiven Erinnerungen werden sicher überwiegen.» Am Freitagabend ist Schluss mit «Lauthals» – aber vielleicht auch noch nicht so ganz richtig. Da das vorletzte Konzert am vergangenen Samstag im Mariaberg wegen Heiserkeit von zwei Sängerinnen nicht durchgeführt werden konnte. «Als Ersatz für dieses Konzert kann es vielleicht noch so ein ‹Wiederauferstehungskonzert› geben», scherzt Paul Müller. Wer möchte, kann sich einen Platz am Freitagabend im Stadthof sichern. Start ist um 18 Uhr.

Apropos «letztes Konzert»: Gesungen wird immer und in letzter Zeit gegründete Chöre drängen nach vorn und wollen die durch den Abgesang von «Lauthals» entstandene Lücke füllen. Zuversicht löst dafür auch die Tatsache aus, dass in einem dieser Chöre der Name «Müller» wieder vorkommt. Aber das hat nichts mit den «Lauthals-Müllers» zu tun. Die nächste Generation steht schon parat.

Res Lerch

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