Ein Streit zwischen Vater und Tochter

Was bisher geschah: Sabrina Schmitt wird vergiftet, ihr Geliebter Gerhard Moser erschossen. Beide Morde geschahen auf Mosers Yacht. Irina Smirnova, Mosers Lebensgefährtin, gibt endlich ihr Alibi preis: Sie war zur Tatzeit beim Gynäkologen. Damit scheidet sie als Verdächtige aus.

Merken
Drucken
Teilen
Krimi_am_See

Krimi_am_See

Was bisher geschah: Sabrina Schmitt wird vergiftet, ihr Geliebter Gerhard Moser erschossen. Beide Morde geschahen auf Mosers Yacht. Irina Smirnova, Mosers Lebensgefährtin, gibt endlich ihr Alibi preis: Sie war zur Tatzeit beim Gynäkologen. Damit scheidet sie als Verdächtige aus.

Irgendwie kamen sie nicht weiter, dachte Elena und nippte an ihrem Espresso. Ihnen gingen die Verdächtigen aus. Jetzt blieb nur Thomas. Aber welchen Grund hatte er, Sabrina oder Moser oder beide umzubringen? Elena trank ihren Espresso aus. Es war bereits der zweite. Sie war früh aufgewacht, obwohl sie spät ins Bett gekommen war. Die Band hatte ihr gefallen, wer hätte gedacht, dass Martin auf diese Art Musik stand? Elena lächelte. Vielleicht sollte sie öfters nach Bregenz fahren. Sie seufzte. Sie musste los, in einer Stunde würden Sabrinas Eltern kommen.

*

Auf der Fahrt nach St. Gallen sprachen Elena und Karl Sommer kaum miteinander. Im Institut der Rechtsmedizin gingen sie in Flemings Büro. Der Rechtsmediziner sass am Schreibtisch und las einen Bericht. Als Elena und Sommer eintraten, begrüsste er sie mit einem traurigen Lächeln. «Die Eltern sollten nie ihre eigenen Kinder im Leichenschauhaus abholen müssen.» Sommer nickte. «Seid ihr weiter?», erkundigte sich Fleming. Sommer zuckte mit den Achseln. «Wir tragen immer noch Puzzleteile zusammen. Mosers Russin können wir ausschliessen. Sie war zur Tatzeit beim Frauenarzt.» «Schwanger?», fragte Fleming. Elena nickte: «Von der Tatwaffe keine Spur. Nur dass der Sonderegger eine Pist75 hat, die er nicht findet. Wenn nur die IT-Spezialisten mit Sabrinas Computer weiter wären.» Fleming wollte etwas fragen, als sein Assistent Sven Mäder die Schmitts ankündigte. Fleming nickte. «Führst Du Elena und Karl bitte zu ihnen?»

*

Hannelore Schmitt war eine schöne Frau. Ihr hellbraunes Haar reichte ihr bis knapp unters Kinn. Sie trug ein elegantes, dunkelblaues Kostüm, dazu flache Ballerinas. Als sie Elena und Sommer näherkommen sah, stand sie auf und nahm ihre Sonnenbrille ab. Sie wirkte gefasst, wenn auch ihr Make up um die Augen leicht verwischt war. «Ermitteln Sie im Fall meiner Tochter?», fragte Felix Schmitt neben ihr mit strenger Stimme. Er liess die Hand mit dem Mobiltelefon sinken. Er war gross, attraktiv, sein dunkelbraunes Haar war mit feinen grauen Strähnen durchzogen. Der dunkle Anzug und die taubengraue Krawatte sassen perfekt. «Karl Sommer, Elena Simonelli, Polizei Rorschach», sagte Sommer knapp. «Wieso haben Sie den Mörder noch nicht verhaftet?» Schmitts braune Augen verengten sich, ein harter Zug legte sich um seinen Mund. Der Mann ist es gewohnt, dass alle nach seiner Pfeife tanzen. Einer, der seinen Willen durchsetzte, ohne Rücksicht, dachte Sommer. «Was können Sie uns über Ihre Tochter erzählen? Hatte sie Streit mit jemandem?» «Sabrina kam mit allen gut aus, sie hätte die Reederei übernommen», sagte Schmitt kurz. «Rosenberg, hierher. Wieso haben Sie so lange gebraucht?», rief er einem hageren Mann entgegen, der auf sie zu eilte. «Der Bestatter, Sie erlauben...» Schmitt hatte sich bereits abgewendet. Sommer blickte Hannelore Schmitt an. «Haben Sie eine Ahnung, wer Sabrina schaden wollte?» Sie schluckte. «Sabrina war ein liebes Kind. Verwöhnt, aber das ist unsere Schuld», sagte sie mit einem schüchternen Lächeln. «Wer hat ihr das angetan...», sie verstummte. Dann straffte sie ihre Schultern. «Sabrina machte uns nie Kummer, nicht einmal als Teenager. Sie war auch immer eine gute Schülerin. Ihr Vater hätte sie gerne in der Reederei gehabt. Aber wenn sich Sabrina etwas in den Kopf gesetzt hatte...» «Was meinen Sie damit», fragte Elena. «Sabrina wollte unbedingt an die Modern Dance School. Natürlich hat sie sich durchgesetzt.» «Wieso studierte sie dann hier?», fragte Sommer. «Sabrina und mein Mann haben sich heftig gestritten. Die beiden haben tagelang nicht miteinander gesprochen. Dann hat Sabrina ihre Tasche gepackt und ist gegangen.» «Wissen Sie, worum es ging?» Sie schüttelte den Kopf. «Sie wollten es mir nicht sagen.»

*

Felix Schmitt trat wieder zu ihnen. «Wir sind so weit, komm Liebes.» «Einen Moment», hielt ihn Sommer zurück. «Geh doch schon zum Auto, Hanni», sagte Schmitt. «Ich bringe Sie hinaus», bot Elena ihr an. Schmitt und Sommer sahen ihnen nach. «Worum ging es bei Ihrem Streit mit Sabrina?» «Hat Ihnen meine Frau davon erzählt? Er hat nichts zu bedeuten. Sie wissen doch, wie es mit den jungen Leuten ist, sie müssen sich gegen die Alten auflehnen.» Er machte Anstalten zu gehen, dann drehte er sich noch einmal um. «Bringen Sie mir den Mörder meiner Tochter, Geld spielt keine Rolle. Aber finden Sie den Scheisskerl. Bitte.» Andrea Sterchi