Ein Spital mit Liechtenstein?

Ein gemeinsames Spital als Ersatz für Grabs und Vaduz: Dies wäre für Liechtensteins Gesundheitschef ein «Akt der Vernunft». Für St. Gallen steht diese Lösung nicht im Vordergrund.

Hanspeter Thurnherr/ regula Weik
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Die Spitäler in Vaduz (links) und Grabs durch einen gemeinsamen Neubau ersetzen: Der Liechtensteiner Gesundheitschef ist nicht abgeneigt. (Bilder: Günther Meier/Hanspeter Schiess)

Die Spitäler in Vaduz (links) und Grabs durch einen gemeinsamen Neubau ersetzen: Der Liechtensteiner Gesundheitschef ist nicht abgeneigt. (Bilder: Günther Meier/Hanspeter Schiess)

GRABS. Die Studie der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell zur Spitalplanung im Kanton St. Gallen lässt auch die Liechtensteiner Regierung aufhorchen – insbesondere der Vorschlag, im Rheintal einen Spitalneubau zu realisieren. Anders sieht es die St. Galler Regierung: Sie hält an den Spitalstandorten Altstätten und Grabs fest.

Kooperation mit Zentrumsspital

Die Neubau-Idee der Industrie- und Handelskammer stösst im Fürstentum auf Sympathie: Sollte ein gemeinsames liechtensteinisch-werdenbergisches Regionalspital mit gemeinsamer Trägerschaft realisiert werden, so würde Liechtenstein wohl die heutige Spitalpolitik überdenken.

Diese zielt derzeit in eine andere Richtung: Das Fürstentum sucht die Kooperation mit einem Zentrumsspital; zur Diskussion stehen dabei das Kantonsspital St. Gallen, das Kantonsspital Chur und das Landesspital Feldkirch. Der Entscheid wird noch dieses Jahr erwartet.

Standort ennet des Rheins?

Der Liechtensteiner Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini findet Gefallen am Vorschlag der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell. Die Studie gelange zum selben Schluss wie er: Eine gemeinsame Trägerschaft mache Sinn – dies sei «ein Akt der Vernunft», zitiert ihn das «Liechtensteiner Vaterland». Umgekehrt mache es nämlich keinen Sinn, «auf diesem kleinen Gebiet zwei Spitäler zu unterhalten».

Bei beiden Spitälern in Vaduz und in Grabs seien Investitionen nötig – «dies wäre die Gelegenheit, die Struktur zu verändern und die Planung neu in die Hand zu nehmen», sagt Pedrazzini. Und er ergänzt: «Der Standort des neuen Spitals könnte auch in Liechtenstein sein.»

Erstrangig, so Pedrazzini, sei aber die Leistung und diese sei nicht an einen Standort gebunden. Der liechtensteinische Gesundheitschef ist überzeugt: «Wir müssen das Thema auf rationaler Ebene diskutieren. Wir können es uns angesichts der steigenden Gesundheitskosten nicht ewig leisten, alle möglichen Wünsche zu erfüllen. Wir müssen darauf fokussieren, was uns den grössten Nutzen bringt.»

«Konzession ans Fürstenhaus»

Dem Rheintaler CVP-Kantonsrat Werner Ritter dürften diese Avancen von ennet des Rheins suspekt sein. Er wirft der Studie – bezogen auf den Standort des Rheintaler Spitalneubaus – «Konzessionen ans liechtensteinische Fürstenhaus» vor. Der Grund und die Urheberschaft würden allerdings nicht offengelegt. Ein gemeinsamer Neubau stehe nicht im Vordergrund; die St. Galler Spitalstrategie sehe weiterhin ein Spital Grabs vor, hält Roman Wüst, Generalsekretär im Gesundheitsdepartement, fest. «Wenn wir die Verteilung der Bevölkerung anschauen, ist das Einzugsgebiet auf Schweizer Seite grösser.»

Befristetes Pilotprojekt

St. Gallische Patientinnen und Patienten können seit 2008 Leistungen am Landesspital in Vaduz beanspruchen – ein Pilotprojekt grenzüberschreitender Zusammenarbeit, analog jenem von Basel und Lörrach. Das Projekt ist bis 2015 befristet. Dannzumal kann der Bund die Pilotphase verlängern, die nötigen Gesetzesgrundlagen schaffen oder das Projekt wird abgebrochen. Wüst geht davon aus, dass der Bund das Gesetz anpassen wird.

Bildtext: Grabs SG - Kantonales Spital Grabs.

Bildtext: Grabs SG - Kantonales Spital Grabs.