Ein Spatenstich ohne Spaten

Die Seeblick-Garage in Berg SG erhält in wenigen Tagen die erste Elektro-Ladestation in der Region. Dort können Private ihr Elektroauto aufladen. Sinn und Zweck ist, dass sich der eine oder andere überlegt, sich ein solches Fahrzeug zuzulegen.

Christof Lampart
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BERG SG. Wer sein Elektroauto aufladen möchte, der wird das im st. gallischen Berg bald tun können. Die Seeblick-Garage erhält in den nächsten Tagen eine erste E-Ladestation. Klar muss man ein solch «historisches» Ereignis feiern. So trafen sich kürzlich je ein Vertreter der St. Galler Stadtwerke, der Energiegenossenschaft Roggwil (En-Ge-Ro), der künftige Betreiber der Anlage und der mit der Installation beauftragte Elektroinstallateur Pius Hodel in Daniel Brandes' Garage an der St. Gallerstrasse zwischen Wittenbach und Arbon. Um nicht mit Spaten und Erde, sondern mit Elektrokabel und -auto den Moment für die Chronik festzuhalten.

Ein Elektrokabel für die Chronik

Treibende Kraft hinter dem Projekt und die Koordinatorin zwischen den Gemeinden Steinach und Roggwil ist die En-Ge-Ro, welche das Vorhaben selbst mit 1500 Franken à fonds perdu unterstützt hat. Und so überraschte es nicht, dass sich deren Vertreter, Walter Bucher, an diesem Tag «ganz enorm» über das Zustandekommen freute, denn «alles, was den Ausbau und den Verbrauch von Alternativenergien fördert, ist gut, auch wenn es sich vielleicht finanziell anfänglich nicht rechnet. Dafür sind wir Pioniere auf diesem Gebiet», sagt Bucher.

Der Kundenkreis ist klein

Tatsächlich soll die in rund einer Woche hinter der Seeblick-Garage zu stehen kommende Zapfsäule, an der maximal zwei Autos angeschlossen und mit «AC 22 Kw» betankt werden können, primär helfen, das Kundennetz auszubauen. Zugleich aber soll sie den Anreiz dafür bilden, dass sich der eine oder die andere überlegt, sich ein solches Elektroauto zuzulegen. Luft nach oben hat es zumindest in dieser Hinsicht im Einzugsgebiet der Berger E-Ladestation noch reichlich. «Soweit ich weiss, gibt es in Freidorf zwei und in Berg ein E-Auto», sagt Bucher.

Kein Gewinn zu erwarten

Ein reeller finanzieller Gewinn dürfte in der Tat noch nicht so schnell zu erwarten sein. Denn die Investition soll vor allem in relativ ferner Zukunft Früchte tragen, steht doch den Aufwendungen von 6500 Franken ein ziemlich bescheidener Tankpreis gegenüber.

Wer sein Elektroauto künftig bei der Seeblick-Garage andocken wird, zahlt zum Basispreis von einem Franken je fünf Rappen für eine Minute. «Der Preis ist noch nicht fix, er dürfte sich aber in diesem Bereich bewegen», sagt Romano Ingold, der bei den St. Galler Stadtwerken den Bereich Energieverkauf und Mobilität leitet. «Wir haben den Tarif bewusst günstig gehalten, wollen den Strom aber nicht einfach verschenken – auch wenn diese Zapfsäule ganz klar in erster Linie darauf abzielt, das Netz von E-Ladestationen in der Region St. Gallen nach und nach auszubauen.»

Tatsächlich gibt es aber noch einen weiteren Grund, warum das Tanken bei der Seeblick-Garage in Berg etwas kostet: die Bequemlichkeit der Besucher. «Wir wollen in jedem Fall verhindern, dass die Leute am Morgen hierher kommen, einfach ihren Wagen anschliessen und ihn am Abend wieder abholen – und in der Zwischenzeit die Zapfsäule blockieren», sagt Ingold.

Bis Ende Jahr zwanzig Stationen

Kostentragend könne das vielleicht in zehn Jahren sein. Doch vorderhand freue er sich darüber, dass das Netz an E-Ladestationen kontinuierlich wachse, sagt der Vertreter der St. Galler Stadtwerke. «Bis Ende Jahr dürften wir in St. Gallen, Berg, Roggwil und Steinach rund zwanzig E-Ladestationen betreiben. Und mit Wittenbach laufen zurzeit entsprechende Verhandlungen.»