Ein Skeptiker an der Spitze

GOSSAU. Noch während seiner Kandidatur war Frank Albrecht skeptisch gegenüber dem Gossauer Stadtparlament. Nun soll er es bald ein Jahr lang präsidieren. Diese Gelegenheit will er nutzen, um es in ein besseres Licht zu rücken.

Stefan Feuerstein
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Frank Albrecht (SVP) erwartet, dass mit dem Amt als Gossauer Parlamentspräsident ein spannendes Jahr auf ihn zukommt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Frank Albrecht (SVP) erwartet, dass mit dem Amt als Gossauer Parlamentspräsident ein spannendes Jahr auf ihn zukommt. (Bild: Hanspeter Schiess)

«Schon zu alt», antwortet Frank Albrecht auf die Frage, wie alt das Haus an der Friedbergstrasse, in dem er mit seiner Frau Viola wohnt, denn sei. Sie hätten schon mehrmals versucht, eine Bewilligung für einen Neubau zu erhalten. So etwas sei in Gossau jedoch nicht so einfach.

Aktive Mitgestaltung

Dass der SVP-Parlamentarier seine Umwelt sehr kritisch betrachtet, wird im Gespräch schnell deutlich. Dies war wohl auch einer der Gründe, die ihn 2008 zur Kandidatur für das Gossauer Stadtparlament bewegten: «Ich wollte die Gemeinde aktiv mitgestalten.» Der negative Ruf, der dem Parlament seit jeher anhafte, habe ihn nicht abgeschreckt. Ganz im Gegenteil: Seiner Natur entsprechend wollte der ausgebildete Staats- und Betriebswissenschafter hinter die Kulissen des Parlaments schauen. «Seitdem ich Mitglied des Stadtparlaments bin, sehe ich dieses mit ganz anderen Augen.» So habe er erkannt, dass die Parlamentarier ihren Aufgaben sehr seriös nachgingen und diese mit Engagement und Herzblut erfüllten. «Alle Parlamentarier, von links bis rechts, vertreten die Anliegen ihrer Wähler sehr gut», so der 48-Jährige.

Schlecht bezahlter Job

«Nebenbei etwas zu verdienen, war während meiner Kandidatur schon auch verlockend», gesteht der begeisterte Hobbysportler mit einem Lachen, das seiner Aussage den Ernst nimmt. «Entgegen der Meinung in der Bevölkerung habe ich aber schnell erkannt, dass man sich als Parlamentarier keine goldene Nase verdient.» Würde man die Stunden für die seriöse Vorbereitung von Sitzungen sowie Vor- und Nachbesprechungen in der Fraktion zusammenzählen, ergäbe dies gemäss Albrecht einen Stundenlohn von unter zehn Franken. So sei es das Herzblut vieler Parlamentarier, welches sie motiviert, die Bevölkerung im Stadtparlament zu vertreten, keinesfalls finanzielle Interessen.

Vorurteile gegenüber dem Stadtparlament abzubauen, ist sodann eines der Ziele, die sich Albrecht für das Jahr vorgenommen hat, in dem er das Amt des höchsten Gossauers innehaben soll. Dazu wird der Geschäftsführer des ansässigen Familienbetriebs Albrecht Maschinenbau einige Gelegenheiten erhalten: Bereits sind mehrere Auftritte geplant, bei denen er seine Parlamentskollegen und sich in ein gutes Licht rücken will.

Für dörflichen Charme

Auch wenn seine ruhige, fast bedächtige Art auf den ersten Blick wenig mit einigen SVP-Politikern gemein hat, unterstützt er die zentralen Kernaussagen der Partei. So zeigt er sich beispielsweise kritisch gegenüber der Bevölkerungsentwicklung und den Auswirkungen von immer mehr Menschen in der Schweiz. Ausländerfeindlich sei er zwar keinesfalls, jedoch wolle er die Schweiz mit ihrem grossen Anteil unbebauter Grünflächen bewahren, wie sie sei. Ein Freund verdichteter Überbauungen – gerade auch in Gossau – ist er aber trotzdem nicht. «Wie die Region Zürich mehrmals bewies, ging mit neuen verdichteten Überbauungen viel dörflicher Charme verloren», erklärt Albrecht seine Position. «Dass Gossau als St. Galler Agglomerationsgemeinde nicht das gleiche Schicksal erleidet, liegt mir sehr am Herzen.» Zwar solle Gossau – wie auch der Rest der Schweiz – wachsen, wichtig sei jedoch eine gesunde und nachhaltige Entwicklung, durch welche die Attraktivität nicht verloren gehe. Aus diesem Grund beobachtet er auch die Verkehrsplanung in Gossau sehr skeptisch und setzt sich beispielsweise für sichere Schulwege ein.

Sach- und Parteipolitik

Wie seine Vorgänger wird auch Frank Albrecht einige Worte an seine Parlamentskollegen richten, wenn er am 7. Januar erstmals als neuer höchster Gossauer vor sie tritt. Seine Rede habe er zwar noch nicht geschrieben, sie dürfte jedoch seiner Art entsprechend eher ruhig und doch mit klarer Botschaft versehen sein.

Im Amt des Gossauer Parlamentspräsidenten möchte Albrecht weiter seinen Beitrag zur Mitgestaltung der Gemeinde leisten. Dass Anliegen der SVP nun bei Stichentscheiden eher angenommen werden, ist für ihn unwahrscheinlich. «Da man mit diesem Amt Präsident über das ganze Parlament wird, ist es wichtig, sich nicht nur parteipolitisch Gedanken zu machen.» So wolle er wie sein Vorgänger Fredi Mosberger (CVP) sachpolitisch entscheiden und dies wenn nötig auch mal entgegen dem Willen seiner Partei. Wichtige Geschäfte werde es genug geben: Unter anderem seien einige Fragen zum Wohnen im Alter, der Sportstättenplanung und dem Solardebakel offen.