«Ein selbstständiger Ein- und Ausstieg muss möglich sein»

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Für Personen im Rollstuhl ist der Einstieg in Busse über die ausklappbare Rampe oft mühsam. Zudem sind sie dabei auf fremde Hilfe angewiesen. (Bild: KEY/Gaetan Bally)

Für Personen im Rollstuhl ist der Einstieg in Busse über die ausklappbare Rampe oft mühsam. Zudem sind sie dabei auf fremde Hilfe angewiesen. (Bild: KEY/Gaetan Bally)

Hindernis «Ich bin wahnsinnig froh, dass ich nicht auf den öffentlichen Verkehr angewiesen bin», sagt Claudia Hüttenmoser. Die Goldacherin sitzt im Rollstuhl. Als Sportlerin – Hüttenmoser ist eine der besten Rollstuhl-Curlerinnen der Schweiz – hat sie weniger Mühe als andere, mit dem Rollstuhl einfachere Hindernisse zu überwinden. Dennoch spricht sie bei der Höhe der Busperrons in der Stadt St. Gallen von einem «Schildbürgerstreich». «Sobald sie nur ein paar Zentimeter zu tief sind, sind Ein- und Ausstieg ohne fremde Hilfe für viele Betroffene nicht möglich.» Das gelte nicht nur für Personen im Rollstuhl, sondern auch für ältere Menschen mit Rollatoren.

Als Rollstuhl-Curlingspielerin kommt Claudia Hüttenmoser in der Welt herum. Die Schweiz hinke beim Bau stufenloser Haltestellen für den öffentlichen Verkehr anderen Industriestaaten deutlich hinterher, sagt sie. In vielen europäischen, amerikanischen oder asiatischen Städten sei das eine Selbstverständlichkeit. Hüttenmoser spricht sich für eine «pragmatische» Umsetzung aus. Es reiche, wenn Perrons nur im Bereich der zweiten Fahrzeugtüre, die unter anderem für Rollstühle vorgesehen ist, erhöht seien. «Ein autonomer Einstieg muss möglich sein.» Ausklappbare Rampen seien keine Lösung. Man sei immer auf die Hilfe des Fahrpersonals angewiesen, und sobald die Busse voll seien, werde das Aus- und Einklappen der Rampe auch für die anderen Fahrgäste mühsam.

Mangelnde Sensibilisierung auch in anderen Situationen

Die mangelnde Sensibilisierung für Personen mit Gehbehinderungen zeige sich auch in anderen Situationen. So seien beispielsweise die neuen Pflästerungen der Neugasse und der Hinterlauben schlicht ungenügend. Die Pflastersteine seien uneben, und statt einem Streifen in der Mitte der Gasse für Rollstühle oder Personen mit einer Gehbehinderung gebe es zwei Streifen an den Rändern. «Sie sind aber oft durch Tafeln der Geschäfte, Tische oder sonstige Hindernisse verstellt.» Claudia Hüttenmoser fordert, die Betroffenen beziehungsweise die Behindertenverbände bei der Planung stärker einzubeziehen. «Oft lässt sich mit einfachen Massnahmen eine grosse Wirkung erzielen.» So seien etwa die normalen Toiletten in der Curlinghalle im Lerchenfeld für viele Rollstuhlfahrer benützbar, da man vorgeschlagen habe, Türen einzubauen, die sich nach aussen statt nach innen öffnen. (dag)