Ein schüchternes Tier im Fokus

Dieses Jahr widmet sich das Naturmuseum mit einer Sonderausstellung dem scheuen Waldbewohner Reh. Weitere Ausstellungen laden zur Reise auf die Galápagos-Inseln oder zeigen die faszinierende Bilderwelt der Alpen.

Kathrin Reimann
Drucken
Teilen
Toni Bürgin und Rita Dätwyler bei der Präsentation des Jahresprogramms vom Kunstmuseum. (Bild: Hanspeter Schiess)

Toni Bürgin und Rita Dätwyler bei der Präsentation des Jahresprogramms vom Kunstmuseum. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Schauspielerin Audrey Hepburn hielt sich ein Rehkitz als Haustier. Ein ziemlich ungewöhnliches Unterfangen, sind Rehe doch scheue Tiere, die meist tief im Wald leben und die Nähe der Menschen eher meiden. «Das Reh scheint man zwar zu kennen, es hat aber viele unbekannte Facetten, die wir in der Sonderausstellung zeigen», sagte Toni Bürgin, Direktor des Naturmuseums St. Gallen, der gestern das Jahresprogramm vorstellte. Die Sonderausstellung «Das Reh – durch Anpassung zum Erfolg» wird vom 1. Mai bis zum 13. September verschiedene Präparate, Modelle sowie aussergewöhnliche Film- und Fotoaufnahmen zeigen. «Mit unserem reichhaltigen Programm wollen wir auch Missverständnisse klären», sagt Bürgin. Wie etwa der durch den Disney-Film «Bambi» verbreitete Irrglaube, dass ein Reh die weibliche Form des Hirschs sei. Zudem werden in verschiedenen Vorträgen unterschiedliche Aspekte zum Thema Reh, wie etwa Jagd, Vorkommen in der Kunst, der Lebensraum Wald oder die Schwierigkeit von Rehen in Gefangenschaft, behandelt.

Von den Alpen auf die Insel

Passend dazu werden vom 25. September bis zum 25. Oktober Hans Oettlis Fotografien vom St. Galler Wildtierleben gezeigt. Anschliessend geht es vom heimischen Wald auf die weitentfernten Galápagos-Inseln in Ecuador. Die Sonderausstellung «Experimentierfeld der Evolution» nimmt sich des heiligen Grals eines jeden Biologen an und lockt mit Reiseführer zum Erforschen der Inseln. Toni Bürgin war selbst schon dort und berichtet von Tieren ohne Scheu und diebischen Spottdrosseln. «Doch der Tourismus ist ein Spannungsfeld; einerseits ist er die grösste Einnahmequelle, zugleich die grösste Bedrohung für das Ökosystem und die Tierwelt.» Die Inselgruppe im Pazifik kann vom 7. November 2015 bis zum 28. Februar 2016 von St. Gallen aus entdeckt werden.

Wer die Alpen den Inseln vorzieht, kann in der ersten neuen Ausstellung die faszinierende Bilderwelt der Alpen bewundern. «Kunstwerk Alpen» widmet sich vom 7. Februar bis zum 10. Mai dem Gebirgszug aus der Vogelperspektive. «Wobei die Alpen ja kein Kunst-, sondern ein reines Naturprodukt sind», sagt Bürgin. Der Fotograf und Geologe Bernhard Edmaier erfasse mit seinen Bildern aber einen Grenzbereich von Kunst und Natur.

Die jährlich wiederkehrende Ausstellung «Allerlei rund ums Ei» ist auch dieses Jahr ein Teil des Programms. «Dabei werden wir auch wieder Osterhasen herstellen.» Falls die Vogelgrippe bis dahin kein Thema mehr sei, würden zudem lebende Küken im Museum sein.

20 verschiedene Tier-und Naturfilme werden dann am diesjährigen Tierfilmfestival vom 14. und 15. Februar gezeigt. Die Themen reichen dabei von Murmeltieren über Artenvielfalt bis hin zu veganem Leben, welches zur bis zum 1. März verlängerten Ausstellung «Erdbeeren im Winter» verlinkt ist.

Ein turbulentes letztes Jahr

«Mit diesem reichen Programm hoffen wir, wieder mehr Menschen ins Museum zu locken», sagt Bürgin. Letztes Jahr seien nämlich 20 Prozent weniger Besucher ins Naturmuseum gekommen als ein Jahr davor. «Nichtsdestotrotz war 2014 ein bewegtes Jahr für uns, insbesondere durch den Spatenstich für den Museumsneubau sowie die Flucht des Tierpräparators Lorenzo Vinciguerra.» Dieser werde seine Arbeit im Museum demnächst wieder aufnehmen. Auch in Sachen Neubau sei man auf gutem Wege; wenn alles nach Plan laufe, werde man das Gebäude im Osten der Stadt im Oktober 2016 beziehen können.