Ein schmerzlich schöner Abschied

ANDWIL. Viktor Frommenwiler hat rund 30 Jahre als Hauswart im Schulhaus Ebnet in Andwil gewirkt. Nun räumt er sein Büro und bereitet sich auf den Ruhestand vor. Bei seinem Abschied gab's Lob vom Schulrat und Tränen bei Schülern.

Sebastian Schneider
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Viktor Frommenwiler geht nach knapp 30 Jahren als Hauswart der Schulgemeinde Andwil-Arnegg in den Ruhestand. (Bild: Hanspeter Schiess)

Viktor Frommenwiler geht nach knapp 30 Jahren als Hauswart der Schulgemeinde Andwil-Arnegg in den Ruhestand. (Bild: Hanspeter Schiess)

Viktor Frommenwiler geht durch die leeren und lautlosen Gänge des Schulhauses Ebnet. Keine Kinder sind da und keine Lehrer. Nur der Hauswart hat noch zu tun. Viktor Frommenwiler büschelt im Büro Papiere, verräumt Ordner, schliesst die grosse Reinigung ab. «Ich will den Arbeitsplatz sauber übergeben», sagt er. Nach 29 Jahren als Hauswart in Andwil ist nun bald Schluss. Der Schulbetrieb, die Kinder, die Lehrer: «Ich vermisse sie alle jetzt schon», sagt Frommenwiler.

Abschied mit Tränen

Mit 63 Jahren wird Frommenwiler ordentlich pensioniert. Dennoch spricht er von einem schwierigen Entscheid, jetzt in den Ruhestand zu treten. «Es fällt mir nicht leicht, einfach loszulassen.» Gerade der Abschied von den Kindern sei emotional gewesen. Frommenwilers Augen werden etwas feucht, seine Stimme etwas brüchig: «Ich wurde in sämtliche Klassen eingeladen.» Und jede einzelne Klasse habe für ihn eine Vorführung vorbereitet. Danach habe er jedem Kind die Hand geschüttelt und auf Wiedersehen gesagt. «Dabei sind beim einen oder anderen Kind auch Tränen geflossen», erinnert sich Frommenwiler.

Menschlich und kostenbewusst

Nicht nur die Kinder scheinen Frommenwiler geschätzt zu haben. Der Schulrat hebt im Abschiedsschreiben im Andwiler Mitteilungsblatt seine «menschliche Qualität und Grösse» hervor. Darauf angesprochen, schmunzelt Frommenwiler: «Ich wusste gar nicht, dass ich eine solche Grösse habe.» Natürlich sei er hocherfreut gewesen, dass er mit positiven Worten verabschiedet wurde. «Anscheinend habe ich meinen Job nicht schlecht gemacht.»

In den 29 Jahren wurde dem gelernten Schreiner immer mehr Verantwortung übertragen. Im Verlauf der Jahre wurde er zum Leiter Hausdienst und war Mitglied der Bau- sowie der Betriebskommission. Der Bau der Doppelturnhalle, die Renovation des Trakts A, der Umbau der Bühne: Bei all diesen Projekten hat Frommenwiler mitgedacht und mitentschieden. Haben Handwerker ihre Arbeit aufgenommen, schaute der dreifache Familienvater zum Rechten. Frommenwiler hat auch Offerten erstellt und gemäss Schulrat stets «kostenbewusst gehandelt» und das einheimische Gewerbe berücksichtigt.

Kinderlärm hallt nach

Im Lehrerzimmer, wo Frommenwiler seine Zeit als Hauswart Revue passieren lässt, ist es still. Lieber wäre ihm, wenn er Lärm zu Ohren bekäme. Lärm vom fröhlichen Treiben der Kinder auf dem Pausenplatz und in den Gängen des Schulhauses. «Vielleicht sollte ich als Erinnerung diese Geräusche aufzeichnen», sagt er. Und wenn er mehr Geld besässe, dann würde er gleich das Schulhaus kaufen, scherzt Frommenwiler.

Speck am Brettl und Sagex

Natürlich hat der siebenfache Grossvater andere Pläne für seine Pension. Mit seiner Frau, die in einem 50-Prozent-Pensum ebenfalls im Team gearbeitet hat, will er viel Zeit im Südtirol verbringen. Zudem könne er sich nun vermehrt dem Flugzeug-Modellbau widmen. Und auch die Enkelkinder werden in der Wohnung in Gossau, in die das Paar bald einzieht, zu Besuch sein. Doch zuerst, Ende Juli, übergibt Frommenwiler die Schlüssel seinem Nachfolger Marcel Egger. Danach werde er bei Schwierigkeiten noch auf Abruf bereitstehen. «Schliesslich laufe ich nicht einfach davon», sagt der Hauswart nachdenklich und mit einem Lächeln.

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