Ein Schloss voll guter Geister

Die Interessengemeinschaft Schloss Dottenwil wird 15jährig und lebt seit ihrer Gründung von der Freiwilligenarbeit. Das soll gefeiert werden – mit vielen kleinen Festen statt mit einem grossen.

Corinne Riedener
Drucken
Teilen
«Wir sind die Schlossgeister»: Paul Geiger (links) und Werner Hagmann, Co-Präsidenten der IG Schloss Dottenwil. (Bild: Ralph Ribi)

«Wir sind die Schlossgeister»: Paul Geiger (links) und Werner Hagmann, Co-Präsidenten der IG Schloss Dottenwil. (Bild: Ralph Ribi)

WITTENBACH. Der weisse Putz des Schlosses Dottenwil leuchtet am Freitagmorgen gleissend hell im Sonnenlicht. Unten am Hügel pflegt ein Mann die Reben, die langsam aus ihrem Winterschlaf erwachen. Er ist einer der Rebleute, die seit dem Jahr 2000 den Rebberg bewirtschaften und den Dottenwiler Hauswein keltern.

Präsidenten als Schlossgeister

«Die 25 Hobbywinzer sind Teil der IG Schloss Dottenwil», sagt Paul Geiger. «Neben den Rebleuten gehören auch die Museumsgesellschaft und unser Restaurationsbetrieb zur IG.» Zusammen mit Werner Hagmann bildet Geiger das Co-Präsidium. «Wir sind quasi die Schlossgeister», sagen sie lachend.

Dieses Jahr feiert die IG ihr 15-Jahr-Jubiläum. Verglichen mit der bewegten Vergangenheit des Herrschaftssitzes ist das ein Wimpernschlag in der Zeitgeschichte – wenn auch ein wesentlicher. 1543 von einem reichen St. Galler erbaut, gelangte das Schloss nach etlichen Besitzerwechseln und finanziellen Schwierigkeiten Ende des 19. Jahrhunderts in den Besitz der Gemeinde Wittenbach. Es wurde zum Bürgerheim und war lange Jahre Heimat von Alten, Behinderten, Armen oder «Querdenkern». Mit der Gründung der IG erhielt das Schloss einen neuen Stellenwert: War es im 16. Jahrhundert noch Residenz und Rückzugsort einzelner reicher und mächtiger Stadtbürger, ist es heute Ausflugsziel, Begegnungsort und Kulturraum für Jung und Alt.

Trotz (oder gerade wegen) all dieser Veränderungen soll die Geschichte des Schlosses bewahrt werden. «Wir sind Restaurations-, Kultur- und Museumsbetrieb zugleich», sagt Geiger. «Ohne die Unterstützung der Eigentümerin, also der Gemeinde, wäre das aber nur schwer möglich.» Sowohl der ehemalige Gemeindepräsident Albert Etter als auch der amtierende Präsident Fredi Widmer sind im IG-Vorstand.

Freiwilligenarbeit als Motor

Wichtigstes Kriterium, warum der Betrieb so gut funktioniere, sei aber die IG selbst: «Alle der etwa 350 Helfer arbeiten unentgeltlich», sagen die Präsidenten. «Sie sind die guten Geister. Unser Motor. Ohne dieses Konzept der Freiwilligenarbeit könnten wir den Betrieb kaum aufrechterhalten.»

Seit der Gründung der IG Schloss Dottenwil habe sich einiges verändert, sagt Hagmann. «Früher veranstalteten wir nur alle paar Wochen einen Event. Über die Jahre stieg sowohl die Anzahl der Anlässe als auch jene der Mitglieder.» Heute habe man über 400 IG-Mitglieder und fast jedes Wochenende einen speziellen Anlass im Schloss. Auf die kommenden Veranstaltungen freuen sich die beiden Präsidenten ganz besonders, denn die IG verzichtet auf ein grosses Jubiläumsfest. Stattdessen habe man «Leckerbissen aller Art» auf das ganze Jahr verteilt. «Neben kleineren Kulturveranstaltungen haben wir auch grössere Anlässe geplant», sagt Geiger. «Beispielsweise den Frühlingsmarkt Ende Mai oder das Schlossfest mit der Konkordia Wittenbach Mitte September.»

Nach dem Jubiläumsjahr wird die IG ihr Augenmerk vermehrt baulichen Projekten widmen: «Die Restaurierung und Umnutzung des Nebenhauses steht bald an», verrät Hagmann. «Was genau wir daraus machen wollen, ist noch nicht entschieden.» Was das Kulturelle anbelange, wolle man im bisherigen Rahmen bleiben. «Die IG setzt auf Qualität, nicht Quantität», so die beiden Schlossgeister. «Wachstum ist nicht alles. Für uns zählt die Kontinuität.»

Aktuelle Nachrichten