Ein Schloss fürs Fussvolk

Übrigens

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Man wähnt sich in einem Märchen. Hoch über dem Bodensee, zwischen tiefen Wäldern und Weihern thront das Schloss Sulzberg. Das im Volksmund genannte «Möttelischloss» ist nicht nur wegen der idyllischen Umgebung und seines Turms ein Blickfang. Die von Krieg und Witterung gezeichneten Mauern erzählen Geschichten aus einer längst vergangenen Zeit. Das Happy End blieb bisher aber aus. Seit Jahren sucht das Schloss in Untereggen einen neuen Besitzer – vergeblich.

An Verkaufsargumenten mangelt es nicht. 3,5 Hektar Land, fünf Wohnungen, Weinkeller, Swimmingpool. Der Schlossherr könnte im «Master-Apartment» auf über 600 Quadratmetern wahrlich fürstlich residieren. Dass dieses Bijou dennoch nicht leicht an den Mann zu bringen ist, dürfte nicht zuletzt am Kaufpreis liegen. Bei stolzen 9,5 Millionen Franken liegt die Preisvorstellung gemäss Immobilienseite. Geld, das dem einfachen Fussvolk fehlt. Die angrenzenden Gemeinden Goldach, Untereggen und Rorschacherberg aber könnten zusammenlegen. Allein letztere verfügt schliesslich über ein Eigenkapital von 11,2 Millionen Franken.

Was aus dem Schloss werden soll, entscheiden dann die Bürger. Hier schon mal ein paar Ideen: Die Bürgerversammlungen verlegt man von den tristen Mehrzweckhallen in die historischen Räume. Die Goldacher Rathausgalerie wird zur Schlossgalerie. Rorschacherberg kann seinen Schlösserrundweg um eine Station erweitern und im Garten des Möttelischlosses Picknicks für Wanderer veranstalten. Und Untereggen stellt mit seinem Gemeindepräsidenten Norbert Rüttimann den Schlossherren. Nicht nur, weil das Schloss in «seinem» Gebiet liegt – sondern auch als Wiedergutmachung für den tiefsten Lohn unter den Gemeindepräsidenten des Kantons. (lim)