Ein Säntis, der aussieht wie Asche

Die Malerin Christina Waidelich arbeitet mit Kreide, Acrylfarben und getrockneten Samen. Inspiration findet sie in Grub, wo sie wohnt und oft stundenlang in die Hügel blickt. Ihre Werke stellt sie nun im Schloss Dottenwil in Wittenbach aus.

Nina Rudnicki
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Christina Waidelich vor ihren jüngsten Bildern, mit Acrylfarbe und Kreide bemalten Plastikblättern. (Bild: Urs Bucher)

Christina Waidelich vor ihren jüngsten Bildern, mit Acrylfarbe und Kreide bemalten Plastikblättern. (Bild: Urs Bucher)

WITTENBACH. Die 84 Bilder hängen an den Wänden der Kellergalerie des Schlosses Dottenwil in Wittenbach bereit. Die Gruber Malerin Christina Waidelich geht noch einmal durch die Ausstellungsräume, schaut sich ihre Kunstwerke an. Für die Vernissage morgen vormittag ist alles vorbereitet. Schichtwechsel lautete der Name der Ausstellung, die bis zum 11. Oktober dauert. «Schichtwechsel, weil das meine Arbeitstechnik beschreibt», sagt Waidelich.

Tempo, Wasser und Stürme

An einen Schichtwechsel erinnern die Bilder und Arbeiten aber auch, weil sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Bei den jüngsten Bildern etwa, die in diesem Frühjahr entstanden sind, handelt es sich um thematisierte Aktualitäten. «Sie zeigen Tempo, Wasser, Stürme, Bewegung. Und das, was verloren- geht», sagt die 63-Jährige. Gleich um die Ecke hängt ein Bild des Säntis in Aschetechnik. Und im Treppenhaus der Galerie sind Papierobjekte ausgestellt. «Dazu inspiriert hat mich die Architektur unserer Gegend, die sich durch seelenlose Neubauten rasant verändert», sagt Waidelich, die im ausserrhodischen Grub lebt. Es seien vor allem Hügel und Berge, die sie beeindrucken und ihre Kreativität anregen würden. «Manchmal stelle ich mir vor, wie ein grosses Meerschiff zwischen den Hügeln hindurchsegelt», sagt sie. Die Hügel sind es denn auch, die sich in vielen ihrer Bilder wiederfinden. Es gibt sie in allen Farben, abstrakt und manchmal eher an Ornamente in einer türkischen Moschee erinnernd.

Schon als Kind im Atelier

Der Sinn und das Talent für Formen und Farben liegt bei Christina Waidelich in der Familie. Sie selbst ist gelernte Grafikerin. Wie ihr Vater, bei dem sie schon als Kind mit einem Pinsel in der Hand im Atelier sass und stundenlang malte. «Gemalt und gezeichnet habe ich schon immer. Sei es als Kind in Heiden, wo ich aufgewachsen bin, oder später während meiner gestalterischen Ausbildung in Zürich», sagt sie.

Intensiver mit der Malerei auseinandergesetzt hat sich Waidelich, als sie Mutter zweier Kinder wurde. Als die Kinder dann alt genug waren, stand die Entscheidung an, ob sie via Weiterbildung versuchen sollte, wieder in den Grafikerberuf einzusteigen. Oder sich ganz der Malerei zu widmen. «Der Entscheid fiel mir leicht», sagt Waidelich. Mittlerweile hat sie ihre Werke an knapp 20 Ausstellungen gezeigt. Zudem führt sie seit 2006 ihr eigenes Atelier in Heiden.

Bilder ohne Namen

Die Bilder Waidelichs haben keine Namen. Auch eine Etikette mit einem kurzen Beschrieb neben den Bildern fehlt in der Galerie im Schloss Dottenwil. «Ich habe bewusst keine Titel gesetzt. Denn das Spannendste ist zu beobachten, was die Betrachter in den Bildern sehen», sagt sie. «Jeder soll dabei unvoreingenommen sein.»

Die vielen Farbschichten und Formen lassen denn auch viel Raum für die eigene Phantasie. Auch in der «Sinfonia del Giardina» entdeckt man immerzu Neues, je länger man in einen der drei alten Schmetterlingssammelkisten hineinschaut. Anstatt Insekten hat Waidelich allerdings getrocknete Samen und Blätter auf den kleinen Nadeln aufgespiesst.

«Inspiration finde ich sowohl wenn ich draussen unterwegs bin als auch in meinem Innern», sagt sie. Es gelinge ihr allerdings nicht immer, das Innere zu zeichnen. «Wie etwa das Schiff, das zwischen den Appenzeller Hügeln segelt. Das habe ich noch nie auf Papier gebracht», sagt sie. «Vielleicht, weil es dabei wie in vielen meiner Bilder um Fernweh geht. Nur auf noch abstraktere Weise.»