Ein «Rebell» reiht sich ein

Der Swica-Neubau an der Teufener Strasse erregt in der Stadt die Gemüter. Kritiker bemängeln die Einbettung des weissen Hauses in die Reihe der historischen Häuser im Stickereiquartier. Der Architekt kontert, dass der Neubau sich gestalterisch bewusst nicht anzubiedern versuche.

Lea Müller
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Der strahlend weisse Neubau der Gesundheitsorganisation Swica sticht aus der Reihe der historischen Häuser an der Teufener Strasse deutlich heraus. (Bilder: Luca Linder)

Der strahlend weisse Neubau der Gesundheitsorganisation Swica sticht aus der Reihe der historischen Häuser an der Teufener Strasse deutlich heraus. (Bilder: Luca Linder)

Der Bruch ist nicht zu übersehen. Der Neubau der Gesundheitsorganisation Swica an der Teufener Strasse 5 steht zwar in Reih und Glied mit denkmalgeschützten Häusern aus der Zeit der St. Galler Stickereiblüte. Das strahlend weisse Haus ist für viele aber ein «Fremdkörper» im geschützten Ortsbild – und gibt damit zu reden in der Stadt.

Aus dem 21. Jahrhundert

Kritiker sprechen gar von einem «städtebaulichen Debakel». Der SP-Stadtparlamentarier Daniel Kehl etwa kritisierte in einer Einfachen Anfrage an den Stadtrat die architektonische Qualität des Neubaus und bemängelte, dass er nicht «in die wertvolle Bausubstanz» des Quartiers passe.

«Man darf und soll sehen, dass der Bau aus dem 21. Jahrhundert stammt», entgegnet Architekt Peter Trachsler des Zürcher Büros Spühler und Partner. Die Planer hätten sich bewusst für einen puristischen Bau entschieden, der sich gestalterisch nicht bei den Nachbarhäusern anbiedern wolle. «Einen historischen Baustil zu kopieren, wäre nicht ehrlich.»

Trachsler weist darauf hin, dass auch die ehemalige «Stadtgarage» an diesem Standort nicht ins Bild gepasst habe. Und dennoch hätten sich die Stadtbewohner an sie gewöhnt. «Wir erwarten nicht, dass das Haus von Anfang an allen gefällt», sagt der Architekt und vergleicht den Swica-Neubau mit einem guten Musikstück, das einem erst nach längerem und wiederholtem Hören im Ohr bleibe.

Drei Standorte zusammengelegt

Die rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Swica-Regionaldirektion St. Gallen haben ihren neuen Arbeitsplatz im «weissen Haus» vor etwa 100 Tagen bezogen. Sie arbeiteten zuvor an drei Standorten in der Stadt: am Oberen Graben, an der Wassergasse und an der Vadianstrasse.

Dass es in der Stadt kritische Stimmen zum neuen Geschäftshaus gibt, ist auch Swica-Generaldirektor Reto Dahinden nicht entgangen. «Wir selber finden den Neubau aber sehr gelungen», sagte er an der offiziellen Eröffnung gestern abend. Das Haus sei modern, aber trotzdem nicht unpersönlich. Andreas Raschle, Regionaldirektor St. Gallen, zeigte sich erfreut, dass nach knapp zwei Jahren Bauzeit alle Dienstleistungen in St. Gallen «unter einem Dach» angeboten werden können.

Im fünfstöckigen Minergie-Haus gibt es Raum für 140 bis 150 Arbeitsplätze. Im Erdgeschoss ist der Kundendienst untergebracht. Zum Gebäude gehören auch zwei Wohnungen im vierten und fünften Obergeschoss sowie eine Tiefgarage mit 55 Parkplätzen.

Im Erdgeschoss des Geschäftshauses ist der Kundendienst untergebracht. (Bild: Luca Linder (Luca Linder))

Im Erdgeschoss des Geschäftshauses ist der Kundendienst untergebracht. (Bild: Luca Linder (Luca Linder))

Blick in den Korridor: Auf drei Stockwerke sind die Büros von 120 Mitarbeitenden verteilt. (Bild: Luca Linder (Luca Linder))

Blick in den Korridor: Auf drei Stockwerke sind die Büros von 120 Mitarbeitenden verteilt. (Bild: Luca Linder (Luca Linder))