Ein Quartier fühlt sich übergangen

Die Stadt will Abschnitte der Langgasse für separate Bus- und Velospuren umgestalten. Dafür sollen Parkplätze verlegt oder gar aufgehoben werden. Im Quartier löst das Ärger aus.

David Gadze
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Die Stadt möchte einige Parkplätze an der Langgasse aufheben oder auf Trottoirs verschieben. Das löst Kritik aus. (Bild: Samuel Schalch)

Die Stadt möchte einige Parkplätze an der Langgasse aufheben oder auf Trottoirs verschieben. Das löst Kritik aus. (Bild: Samuel Schalch)

Im Heiligkreuz rumort es. Oder genauer gesagt auf der ganzen Achse vom Heiligkreuz bis zum Platztor. Grund dafür sind Pläne der Stadt zur Umgestaltung einiger Abschnitte des Strassenraums. Das Quartier fühlt sich dabei von der Stadt übergangen. Am Montagabend lud der Quartierverein Nordost-Heiligkreuz die Bevölkerung ins Hotel Radisson Blue ein. Dort sollte sie direkt von Vertretern der Bauverwaltung zu hören bekommen, was bezüglich Umgestaltung und Verkehrsorganisation geplant ist.

Parkplätze verlegen oder aufheben

Was war passiert? Im Juni hatte das Tiefbauamt dem Vorstand des Quartiervereins sowie den betroffenen Grundeigentümern seine Ideen für die Umgestaltung dreier Abschnitte der Langgasse vorgestellt. Diese Veranstaltungen hätten Bewohner, Grundeigentümer und insbesondere das Gewerbe aufgeschreckt und verunsichert, heisst es in der Einladung. Ausserdem gelangten noch nicht ausgereifte Pläne des Tiefbauamts zum Quartierverein, der durch verschiedene darin enthaltene Details wie das Fällen des Mammutbaums vor dem «Radisson Blue» aufgeschreckt wurde. Hauptgrund für die Aufregung ist aber vor allem, dass das Tiefbauamt Parkplätze in den betroffenen Abschnitten der Langgasse aufheben beziehungsweise aufs Trottoir und damit auf die angrenzenden privaten Grundstücke verlegen möchte, um mehr Platz für die Strassengestaltung zu schaffen. Diesen braucht es unter anderem für separate Bus- und Velospuren.

Von einem «massiven Eingriff ins Quartier» sprach Markus Morger, Vizepräsident des Quartiervereins Nordost-Heiligkreuz. Und Architekt Mathias Inhelder, der die Vision des Quartiers für die Strassengestaltung vorstellte, bezeichnete den Verkehr und die Parkierungsmöglichkeiten als «überlebenswichtig» für das Gewerbe im Quartier.

Situation für Busse und Velos verbessern

Christian Hasler, Leiter Verkehr beim Tiefbauamt der Stadt, versuchte danach, die Bedenken des Quartiervereins und der Anwohner zu zerstreuen. Es gehe um die Frage, wie der Verkehrsfluss kurzfristig und ohne allzu grosse Eingriffe verbessert werden könne. Gestützt auf den Richtplan und das Mobilitätskonzept habe man deshalb mit Grundeigentümern bereits Massnahmen diskutiert, um die Situation für den öffentlichen Verkehr und die Velofahrer zu verbessern. Das Betriebskonzept enthalte bloss erste Ideen, ein Gestaltungskonzept liege noch gar nicht vor.

Hasler erläuterte auch die Gründe für die Umgestaltung. Der Bus stehe häufig im Stau, deshalb brauche es Busspuren oder Fahrbahnhaltestellen. Velospuren gebe es zwischen dem Platztor und dem Heiligkreuz praktisch gar keine, im städtischen Richtplan, der für die Behörden verbindlich sei, seien sie jedoch vorgesehen.

Bausekretär Matthias Fuchs betonte, dass die Betroffenen bei der Umsetzung der Projekte auf jeden Fall einbezogen würden.

Stadt will Chancen beim Schopf packen

Die anschliessende Diskussion zeigte, dass trotz der Beteuerungen von Hasler und Fuchs bei der Quartierbevölkerung noch zahlreiche Unsicherheiten vorhanden sind. Nebst Fragen zur Notwendigkeit von Velospuren auf einer Hauptachse oder zu den Auswirkungen des Uni-Campus im Platztor auf die Strassenraumgestaltung wurden auch solche zur Gefahr von Zwangsenteignungen oder zum Abreissen ganzer Häuserzeilen gestellt. Hasler bekräftigte, dass das Betriebskonzept auf einen Zeithorizont von rund 15 Jahren ausgelegt sei. Bei Neubauten entlang der St. Jakob-Strasse und der Langgasse wolle die Stadt aber schon vorher mit Grundeigentümern nach Lösungen für die Strassenraumgestaltung suchen. «Wenn sich solche Chancen ergeben, wollen wir versuchen, einige Dinge schneller zu realisieren.» Die Befürchtung, dass so schleichend die ganze Achse neu gestaltet werde, wies Hasler zurück.