Ein Provisorium für die Kunst

Der Umbau des Kunstmuseums verzögert sich und dürfte kaum vor 2021 starten. Aber schon Ende 2016 werden Räume frei, da das Naturmuseum auszieht. Das Kunstmuseum stellt sich deshalb auf eine längere Übergangslösung ein.

Roger Berhalter
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Kunst vom Dach- bis zum Untergeschoss: Ab Ende 2016 zieht das Naturmuseum aus dem Kunklerbau im Stadtpark aus, danach gehört das Gebäude ganz dem Kunstmuseum. (Bild: Urs Jaudas)

Kunst vom Dach- bis zum Untergeschoss: Ab Ende 2016 zieht das Naturmuseum aus dem Kunklerbau im Stadtpark aus, danach gehört das Gebäude ganz dem Kunstmuseum. (Bild: Urs Jaudas)

Das Historische und Völkerkundemuseum ist schon saniert, das neue Naturmuseum im Neudorf ist bald fertig gebaut. Danach steht der Umbau des Kunstmuseums an, gemäss der Strategie «Drei Museen – drei Häuser». Noch teilt sich die Kunst den Kunklerbau im Stadtpark mit dem Naturmuseum. Doch wenn dieses ab Ende 2016 auszieht, werden Räume frei. Allerdings wird es danach noch Jahre dauern, bis das Kunstmuseum tatsächlich umgebaut wird. Der Architekturwettbewerb ist zwar schon entschieden, und es gibt auch erste Visualisierungen des neuen Museums. Ebenso eine erste Kostenschätzung: 18,2 Millionen soll der Umbau kosten.

Erst ab 2019 traktandiert

Doch die Bauarbeiten dürften kaum vor 2021 starten, denn das Projekt verzögert sich um zwei weitere Jahre. Gemäss der aktuellen Investitionsplanung der Stadt ist der Umbau nicht mehr ab 2017, sondern ab 2019 traktandiert. Erst dann wird das Projekt konkreter, und gebaut wird voraussichtlich im Zeitfenster 2021 bis 2025. Das Stadtparlament hat bis jetzt keinen Projektierungskredit genehmigt. «Auf Vorrat zu projektieren, ergibt wenig Sinn», sagt Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner. Man wolle den Umbau des Kunstmuseums «möglichst zeitnah» planen – also noch nicht jetzt, sondern frühestens in drei Jahren.

Das letzte der Häuser

Konrad Bitterli, Kurator und stellvertretender Direktor des Kunstmuseums, zeigt sich wenig überrascht über die Verzögerung: «Damit haben wir gerechnet. Wir wussten, es würde ein langer Weg werden.» Dass das Kunstmuseum von den drei grossen städtischen Museen als letztes dran sei, das sei zwar die «unangenehme Seite» der Strategie «Drei Museen – drei Häuser», sagt Bitterli. «In erster Linie freuen wir uns aber auf die tolle Museumslandschaft, die wir dereinst haben werden.»

Höchstens kleinere Umbauten

Bis dahin stellt sich das Kunstmuseum auf eine längere Übergangslösung ein. Konrad Bitterli spricht von einem «Provisorium» im Untergeschoss, wo heute noch das Naturmuseum seine Exponate zeigt. Dort Kunst auszustellen, sei «suboptimal»: «Es herrscht eine Kellerstimmung, und die Räume sind nicht offen, sondern durch die Architektur verstellt.»

Das wird bis zum Umbau auch so bleiben, weshalb man nun spezifische Projekte für diese Räume entwickle. «Es geht darum, sie für die Präsentation von Kunst nutzbar zu machen», sagt Bitterli. Mehr als kleinere Umbauten lägen aber nicht drin. Stadtbaumeister Rechsteiner stellt in Aussicht, dass die Stadt «im Rahmen der laufenden Rechnung Hand bieten» könne.

Der erste konkrete Schritt zum neuen Kunstmuseum erfolgt ausser Haus beziehungsweise im Kirchhoferhaus vis-à-vis. Dort sind laut Konrad Bitterli Ateliers und Werkstätten für die Kunstvermittlung vorgesehen. Derzeit sei noch eine Pinselrenovation im Gang, und voraussichtlich im kommenden Februar würden die Räume öffentlich zugänglich.

Für das Kirchhoferhaus ist später ebenfalls eine umfassende Sanierung geplant. 11,4 Millionen Franken sind gemäss städtischer Investitionsplanung dafür vorgesehen. Allerdings ist das Projekt noch weit entfernt – noch weiter als der Umbau des Kunstmuseums. Die Sanierung des Kirchhoferhauses wird erst danach in Angriff genommen.

Die eigene Sammlung zeigen

Im neuen, umgebauten Kunstmuseum soll sich das Publikum vor allem die Sammlung des Hauses mit Werken vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart häufiger ansehen können. Bitterli verweist auf das «St. Galler Altmeisterwunder», die vielbeachtete Ausstellung, die im November zu Ende gegangen ist. «Da haben wir das ganze Obergeschoss mit nur einem Aspekt unserer Sammlung bespielt.» In Zukunft – wenn Platz vorhanden ist – sei noch viel mehr möglich.

Das Kirchhoferhaus an der Ecke Museums- und Blumenaustrasse. (Bild: Roger Berhalter)

Das Kirchhoferhaus an der Ecke Museums- und Blumenaustrasse. (Bild: Roger Berhalter)

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