Ein Prachtsexemplar im lauschigen Park

Das Inventar der städtischen Naturobjekte wird derzeit überarbeitet. Dieses umfasst eine Vielzahl an seltenen, schönen, historisch und ökologisch wertvollen Bäumen. In einer Serie stellen wir entsprechende Gehölze vor. Heute eine Rosskastanie, die in einem kleinen Park bei der Goethestrasse steht.

Kathrin Reimann
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Bild: KATHRIN REIMANN

Bild: KATHRIN REIMANN

«Man sieht nur, was man weiss», lautet ein berühmtes Zitat von Goethe. Geht man mit Peter Heppelmann, seines Zeichens Leiter der Abteilung Natur und Landschaft beim Stadtplanungsamt, durch die Stadt, bewahrheitet sich diese Weisheit sehr. Denn sobald man das Augenmerk – unter fachmännischer Anleitung – auf die prachtvollen Bäume lenkt, die in der ganzen Stadt stehen, entdeckt man immer grössere, immer speziellere und vor allem: immer mehr.

Plaudern im Baumschatten

Auf dem Weg zum lauschigen Pärklein an der – es passt wie die Faust aufs Auge – Goethestrasse, sieht man schon von weitem eine prächtige Rosskastanie thronen. Saftig grün, mit einem gedrehten, moosigen Stamm und mit schweren Ästen, die tief über dem Boden hängen, kommt der majestätische Baum daher. Im Pärklein selbst laden drei Bänke zum Verweilen. Entweder im kühlen Schatten bei Sonnenschein oder im Trockenen, wenn es wieder einmal regnet. «Ich gehe oft hier vorbei und sehe manchmal herrliche Szenen, etwa Leute, die hier entspannen oder Gespräche führen», sagt Heppelmann. Der Baum, sagt der Experte, sei ein typisches Beispiel für ein prägendes und raumbildendes Element in einem Park. «Ausserdem ist es auf städtischem Grund für einen Baum heute kaum mehr möglich, sich so frei zu entwickeln und zu wachsen.» Klar, der eine oder der andere Ast muss gestutzt werden, schliesslich befindet sich die Rosskastanie in Strassennähe, und für die Sicherheit muss gesorgt sein. «Eine Augenweide ist dieser Baum insbesondere zur Blütezeit. Aber auch im Herbst ist er ein optisches Highlight», sagt Heppelmann. Seitdem im Umfeld der Rosskastanie geholzt wurde, käme diese viel besser zur Geltung, ergänzt Peter Schläpfer, Leiter Unterhalt der öffentlichen Anlagen. «Viel zu tun gibt uns der Baum nicht: Wir schauen, dass kein dürres Holz über den Bänken hängt, und werfen einen Kontrollblick auf den Baum, so oft wir dort sind.» Zudem lasse man Exemplare wie die Rosskastanie alle fünf Jahre von einem Experten kontrollieren.

Baum mit Perspektive

Gemäss Heppelmann hat der Baum an seinem Standort Perspektive, gut möglich, dass er auch in den nächsten 100 Jahren hier Schatten spendet und sich seine Krone weiterentwickelt und wächst. Derzeit hat sie einen Durchmesser von 20 Metern, während sich die Höhe auf 21 und der Stammumfang auf knapp 3,5 Meter belaufen. «Wie alt der Baum ist, das ist bei fast allen Bäumen in der Stadt schwierig zu sagen», sagt Heppelmann. Er geht davon aus, dass der Baum – wie viele im Rotmonten-Quartier – aus St. Gallens Blütezeit Ende 19. und Anfang 20. Jahrhundert stammt.