Ein Pärklein für die Komponisten

ST.GALLEN. Das Huberpärkli an der Dufourstrasse erlebt eine gewichtige Erneuerung. Morgen Samstag wird dort die Büste des Komponisten Paul Huber eingeweiht. Somit ist der Ort nun zwei St. Galler Musikern mit dem Namen Huber geweiht.

Brigitte Schmid-Gugler
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Der Flawiler Bildhauer Wolfgang Steiger setzt gemeinsam mit seinem Assistenten die Büste von Paul Huber an ihren Platz im Huberpärkli. (Bild: Benjamin Manser)

Der Flawiler Bildhauer Wolfgang Steiger setzt gemeinsam mit seinem Assistenten die Büste von Paul Huber an ihren Platz im Huberpärkli. (Bild: Benjamin Manser)

Ein stiller Ort, die Grünfläche mit der bisher nur im Volksmund gebräuchlichen Bezeichnung Huberpärkli. Das wird sich nun ändern. Eine kürzlich angebrachte Hinweistafel erinnert an die beiden St. Galler Musiker Ferdinand Fürchtegott Huber und an den über einhundert Jahre später geborenen Paul Huber. Unter dem Eindruck der idyllischen Szenerie – der Blick zwischen den Bäumen hindurch geht zum Alpstein – kommt einem das Liedchen wie von selbst über die Lippen: «Lueget vo Bärge u Tal». Komponiert wurde das «Heimwehlied», wie es die Historikerin Regula Schmid in einem Aufsatz mit dem Titel «Das Lied als Erinnerungsort» bezeichnet, vom St. Galler Komponisten und Musiklehrer Ferdinand Fürchtegott Huber. Das mehrfach von Schweizer Liedermachern interpretierte Lied mit den dem Alphorn abgelauschten Dreiklangsprüngen basiert auf einem Gedicht von Josef Anton Henne. Der Begriff «Erinnerungsort» passt hier gut, wo, umgeben von einer prächtigen Heimbuche, Magnolien, Hänge-Eschen, Scheinzypresse und Thuja, der plätschernde Huberbrunnen steht, gewidmet dem 1791 in St. Gallen in eine kinderreiche Familie hineingeborenen Ferdinand Fürchtegott. Er kam als Achtjähriger zu einer Pflegefamilie nach Deutschland und erhielt dort den Zugang zum Musikunterricht.

Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wurde er Musiklehrer am Gymnasium in St. Gallen, lehrte einige Jahre in Bern und wirkte schliesslich ab 1855 am Lehrerseminar der Katholischen Kantonsschule. In seinem Nachlass finden sich unter anderem Antwortschreiben des berühmten, 18 Jahre jüngeren Musikerkollegen Felix Mendelssohn Bartholdy, die dieser an «Ferdinand Huber, berühmter Tonkünstler in St. Gallen» sandte.

Historisches Quartier

Als der Huberbrunnen im Jahr 1906 zusammen mit einer «öffentlichen Anlage» eingeweiht worden war, stand an dessen Rückseite gegen Norden hin noch der steinerne Eingangsbogen zur Villa Rosenhof, erbaut von Julius Kunkler im Jahr 1904. Die Villa, heute bekannt als «Villa Wahnsinn», kam während des Zweiten Weltkriegs zu trauriger Berühmtheit, als sich dort die Deutsche Botschaft befand. Auf der Höhe des abgebrochenen steinernen Tores steht heute das Gebäude der Neuen Stadtschulen, vormals die Neuapostolische Kirche, die in unmittelbarer Nachbarschaft zum «Belvedere» stand, dem sicherlich markantesten Bau am Rosenberg. 1889/1890 als Concerthaus erstellt, weil in St. Gallen eine Tonhalle fehlte, befindet sich heute in dem Backsteinbau mit dem historischen Saal und den Fresken die Kirche der Christkatholiken.

Parallelen in den Lebenswegen

Die Trennungslinie zum Pärkli bildet die Telltreppe, und in deren unmittelbaren Nähe steht seit wenigen Tagen die Büste von Paul Huber. Gabriel Huber, der in St. Gallen als Apotheker tätige Sohn des vor 14 Jahren verstorbenen Komponisten, sagt, die Paul-Huber-Gesellschaft habe bei der Kommission für Strassennamen schon länger den Antrag eingereicht, eine Strasse nach dem St. Galler Komponisten zu benennen, dessen Lebensweg Parallelen aufweist zu seinem älteren Musikerkollegen: Paul Huber wuchs ebenfalls bei Pflegeeltern auf; diese ermöglichten ihm ein Musikstudium. Der Vorschlag, das Pärkli offiziell beiden Musikern zu widmen, kam der Gesellschaft sehr entgegen. Morgen wird die Bronze-Büste, geschaffen von Johann Ulrich Steiger, eingeweiht. Dessen Sohn, der Künstler Wolfgang Steiger, schuf die Replik aufgrund des noch vorhandenen Gipsmodells. Die Büste steht auf einem Sockel aus Nagelfluh. Er ist – sinnigerweise – Teil eines Findlings aus Kirchberg.

Gabriel Huber Sohn des St. Galler Komponisten Paul Huber (Bild: Benjamin Manser)

Gabriel Huber Sohn des St. Galler Komponisten Paul Huber (Bild: Benjamin Manser)

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