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Ein Päckli Munition für alle

Irgendwie ist's heimelig im Säli. Auch wenn das katholische Pfarreizentrum in Züberwangen spartanisch eingerichtet ist. Schweizer und St. Galler Fahne zieren die Wand, 40 Männer, die meisten fortgeschritteneren Alters und etwa 10 Frauen sitzen an den Tischen.
Männer fast unter sich: Die Nationalräte Reimann, Müller, Büchler, Diskussionsleiter Messmer und Nationalrat Chopard (von rechts). (Bild: Benjamin Manser)

Männer fast unter sich: Die Nationalräte Reimann, Müller, Büchler, Diskussionsleiter Messmer und Nationalrat Chopard (von rechts). (Bild: Benjamin Manser)

Irgendwie ist's heimelig im Säli. Auch wenn das katholische Pfarreizentrum in Züberwangen spartanisch eingerichtet ist. Schweizer und St. Galler Fahne zieren die Wand, 40 Männer, die meisten fortgeschritteneren Alters und etwa 10 Frauen sitzen an den Tischen. Es wird Bier und saurer Most getrunken. Die Atmosphäre ist gelassen, viele sind nach dem langen Arbeitstag etwas müde, es fehlt nur der Stumpenrauch.

Ein Angriff auf die Armee

Vorne auf dem Podium sitzen sechs Politiker, darunter fünf Nationalräte. Für das kleine Züberwangen und die örtliche SVP, die den Anlass organisiert, wahrlich ein nobles Aufgebot. Nur Sozialdemokrat Donat Ledergerber politisiert auf kantonaler Ebene. Dafür ist er Major im Militär. Und versucht, diesen Joker sogleich auszuspielen. «Das Obligatorische spielt militärisch keine Rolle mehr.» Schweigen im Saal. Bis auf einen Mann in Armeeuniform. «Diese Behauptung stimmt nicht», murmelt er.

Gelächter im Saal. Der unbekannte Uniformierte ist Oberst und damit höher gradiert als der Major. «Der muss es ja besser wissen», ruft einer mit spöttischem Unterton.

Die Waffen-Initiative sei ein Angriff auf die Armee, sagt CVP-Nationalrat Jakob Büchler (SG). Major Ledergerber versucht zu kontern: «Es geht um die Waffen zu Hause im Schrank und nicht um die Abschaffung der Armee.» Ungläubiges Schweigen.

Auf verlorenem Posten

FDP-Nationalrat Walter Müller (SG) spricht von einer «brandgefährlichen» Initiative. Der Umgang mit einer Waffe setze Vertrauen, Verlässlichkeit und Disziplin voraus. «Wer dem Bürger die Waffe wegnehmen will, rüttelt an diesen bürgerlichen Tugenden». Bravo-Rufe, Applaus brandet auf.

Jetzt ist der Saal erwacht. Die Initiativ-Befürworter sind auf verlorenem Posten.

«Diese Vorlage trägt dazu bei, dass es weniger Suizide gibt», versucht es die Wiler Nationalrätin und Ärztin Yvonne Gilli. Vergeblich. Dafür redet sich Lukas Reimann (SVP/SG) in Fahrt: «Bei entwaffneten Bürgern haben Einbrecher künftig leichtes Spiel». Das Argument leuchtet hier ein. Niemand fragt, woher denn heute die Munition zur Abwehr von Einbrechern kommen soll. Die Armee gibt ja keine mehr ab. Die Meinungen sind gemacht.

Der Parteipräsident überreicht den Teilnehmern ein Geschenk. «Ein Päckli Munition für alle», ruft ein Zuhörer zum Gaudi der anderen. Stefan Schmid

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