Ein Ort, wo man Bienen spürt

Mit einem didaktischen Zentrum will der Bienenzüchterverein Gruppen und Schülern Wissen vermitteln. Dazu zählt auch die Arbeit mit echten Bienen. Ein Standort für das Projekt ist noch nicht gefunden.

Kathrin Reimann
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Otto Hugentobler im Botanischen Garten, wo er bereits eine Bienenausstellung zeigte. (Bild: Ralph Ribi)

Otto Hugentobler im Botanischen Garten, wo er bereits eine Bienenausstellung zeigte. (Bild: Ralph Ribi)

Bienen sind nicht nur ein wichtiger Bestandteil unseres Ökosystems, Bienen sind auch hochinteressante Wesen. Und dass diesbezüglich neben einem grossen Unwissen auch ein riesiger Wissensdurst in der Bevölkerung besteht, ist Otto Hugentobler seit seiner temporären Bienenausstellung im Botanischen Garten vor drei Jahren klar. «Zum 150jährigen Bestehen des Bienenzüchtervereins St. Gallen und Umgebung beleuchteten wir alle möglichen Aspekte zum Thema», sagt der Vereinspräsident. Der Andrang sei enorm gewesen. Er selbst habe über 40 Gruppen durch die Ausstellung geführt. «Von Kindern über Banker bis zu Rentnern.» Seither würden er und seine Vereinskollegen immer wieder Anfragen von Schulklassen und Gruppen für Vorträge über Bienen und Vorführen der Völker erhalten. «Das ist aber sehr aufwendig, deshalb kam in uns der Wunsch auf, eine permanente Ausstellung mit eigenen Lehrbienen auf die Beine zu stellen.» Denn genügend Materialien wie auch die Nachfrage seien durchaus da. «Im luzernischen Burgrain gibt es zwar einen Schau- und Lehrbienenstand, ich kenne allerdings niemanden, der jemals dort war», sagt Hugentobler. Dabei sei das Thema so wichtig, dass die Informationsschwelle gesenkt und das Angebot regionalisiert werden müssten.

Ein Tropfen auf den heissen Stein

Dieser Ansicht ist auch die St. Galler Kantonalbank, die das Projekt aus 338 Bewerbungen als eines von 37 Gewinnerprojekten ausgewählt hat. Bis zur Realisation-Deadline im Jahr 2018 wird das Bienenzentrum mit bis zu 100 000 Franken unterstützt. Was für den Bienenverein aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist. «Wir rechnen mit Kosten in der Höhe von einer halben Million Franken.» Der Bienenzüchterverein sei sich wegen der Brisanz des Themas – Bienen sind durch Parasiten und Spritzmittel bedroht, was wiederum einen wesentlichen Teil der Bestäubung unserer Pflanzen als Grundlage unserer Ernährung gefährdet – einig, dass man viel Geld sammeln müsse. «Ausserdem werde ich im nächsten Jahr pensioniert und verfüge dann über viel Zeit, mich dem Projekt zu widmen», sagt Hugentobler. Der Bienenzüchterverein – momentan besteht er aus 150 Mitgliedern aus dem Raum Gossau bis Rorschach – ist sich aber sicher, dass er bei dem Projekt auch auf die Hilfe von Stadt und umliegenden Gemeinden zählen könne. «Wir stellen uns auch vor, mit landwirtschaftlichen Betrieben oder Obstbauern zusammenzuarbeiten», sagt Hugentobler. In erster Linie muss nun ein passender Ort für das didaktische Zentrum gefunden werden. Ursprünglich war man von der Stadt St. Gallen ausgegangen. «Das wäre immer noch wünschenswert, wir haben aber mittlerweile 15 Gesuche an umliegende Gemeinden geschickt.» Besonders angetan hat es dem Präsidenten der Bienenzüchter aber der Bereich rund um den Botanischen Garten und das neue Naturmuseum. Bis zum Frühling will man dann definitiv über einen Standort verfügen, um weitere Planungsschritte zu tätigen. «Wichtig ist, dass wir mit dem öffentlichen Verkehr gut zu erreichen sind und Platz für einen Theorieraum für 20 Personen und Bienenhäuschen haben.»

In die Wabe legen und Waben schleudern

Daherkommen soll das Bienenzentrum sehr praktisch. «Wir wollen zwar mit professionellen Unterlagen und Objekten Zusammenhänge zwischen Bienen, Menschen, Tiere und Pflanzen aufzeigen und Wissenswertes aus der Welt der Bienen vermitteln», sagt Hugentobler. Daneben soll es aber einen interaktiven Teil geben. Dort können Menschen in eine summende Welt der Bienen eintauchen, die auf Menschengrösse angepasst wurde, so dass der Besucher in eine Wabe hineinliegen kann. Zudem soll man Einblick in die Häuser von echten Bienenvölkern erhalten, eine echte Königin sehen können oder sogar beim – wie Hugentobler sagt – grösstem Höhepunkt, dem Wabenschleudern dabei sein. «Diesen Programmpunkt haben wir bereits im Botanischen Garten angeboten und mit vielen Schaulustigen, darunter vor allem Kindern, den Honig aus den Waben herausgeholt», sagt Hugentobler. Der betont, dass man das Ganze ohne einen einzigen Bienenstich geschafft habe.