Ein offener Brief an den Stadtpräsidenten

«Der Islam hat hier nichts verloren», Ausgabe vom 15. September

Fatma Karakoc, Lejla Medii Dauti, Nexhla Medii und Keziban Canan Weberstrasse 13 9404 Rorschacherberg
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Sehr geehrter Herr Müller

Als wir Ihr Interview lasen, war der erste Gedanke: «Was haben wir in Rorschach lebende Muslime Ihnen wohl angetan, dass Sie uns und den Islam dermassen zur Zielscheibe nehmen und uns schlussendlich zu unerwünschten Mitbürgern machen?» Wir sind hier gut integriert, gehen unserer Arbeit nach, zahlen Steuern und setzen uns für ein gutes Zusammenleben ein. Wir helfen unseren Landsleuten und setzen uns in verschiedenen Gruppen für die Integration ein. Wir erwarten für unser Engagement weder Anerkennung, noch Würdigung. Sie ist unser einziges Ziel –selbstverständlich ein Muss für die hier lebenden Migranten und Muslime.

Abgesehen von Ihrer Haltung zum Islam, verstehen wir nicht, ob Ihre Reaktion allen mehrheitlich friedlichen Muslimen, oder den nicht einmal mit einem Prozentsatz vertretenen Radikalen gilt, oder ob Sie bewusst diese Unterschiede vermischen und alle in den gleichen Topf werfen. Von uns wird immer wieder verlangt, Rede und Antwort zu stehen für etwas, das wir zutiefst ablehnen. Das empfinden wir als Belastung, welche uns bis ins Herz trifft. Wir verabscheuen und verurteilen jegliche Art von Terror. Er ist menschenverachtend und hat keine Religion.

Wenn das wirklich Ihre Überzeugung ist, Muslime hätten in der Schweiz nichts zu suchen, dann macht das uns Angst. Wir beginnen uns im Dialog zurückzuhalten. Manche fürchten sich sogar, sich als Muslime zu deklarieren, geschweige denn den Islam im Alltag zu prakti­zieren.

Rorschach ist eine der schönsten Städte im Kanton St. Gallen. Wir sind hier aufgewachsen und haben unseren Platz in der Gesellschaft gefunden. Wir schätzen die Schweiz, das Land der Demokratie, Menschenrechte und Glaubens- und Gewissensfreiheit, in welches Menschen immigrieren in der Hoffnung auf ein menschenwürdigeres Leben. Um diesen Menschen die Integration zu erleichtern, braucht es die Bereitschaft und Offenheit von beiden Seiten.

Trotz unserer Enttäuschungen werden wir nicht aufgeben, uns weiterhin in Rorschach und für Rorschach, für ein friedliches Zusammenleben zu engagieren. Dank der Unterstützung derer, die daran glauben und mit uns zusammenarbeiten.

Fatma Karakoc, Lejla Medii Dauti, Nexhla Medii und Keziban Canan Weberstrasse 13 9404 Rorschacherberg