Ein öffentliches Wohnzimmer

Seit dem Wegzug der Erwachsenen hat sich in der Kinder- und Jugendbibliothek an der Katharinengasse einiges getan. Nebst Büchern laden eine Lounge, Konsolen und eine Spielburg zum Verweilen ein. Am Samstag ist Eröffnungsfest. Beim Rundgang fotografierte Benjamin Manser.

Kathrin Reimann
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In Büchern schmökern und die Welt um sich herum vergessen: Die Bibliothek an der Katharinengasse sieht sich als Zwischenbereich von privatem und öffentlichem Leben. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

In Büchern schmökern und die Welt um sich herum vergessen: Die Bibliothek an der Katharinengasse sieht sich als Zwischenbereich von privatem und öffentlichem Leben. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Die Bibliothek an der Katharinengasse 11 gehört seit kurzem ganz den Kindern und Jugendlichen. Das sieht man. Die Regale hängen tiefer, die Räume sind heller geworden, und durch den Wegzug der Erwachsenenmedien hat es viel mehr Platz.

Infiziert mit Bibliotheksvirus

Winzige Tische und Stühle animieren die Kinder, sich hinzusetzen und zu malen. Ein Krabbelteppich mit angrenzender Lounge für Eltern, ausgestattet mit Zeitschriften, Zeitungen und Getränken, ist für Gäste mit ganz kleinen Kindern gedacht. «Ein Angebot, das noch wenig genutzt wird», sagt Susanne Galliker, Leiterin Stadtbibliothek Katharinen. Sie vermutet, dass nur wenige Besucher das attraktive Angebot entdeckt haben. Von der Lounge aus haben Erwachsene Blick auf die neue Spiel- und Leseburg, die sich an die älteren Kinder richtet. «<Demnächst folgen ein Verkleidungsbereich, Wandtafeln und auch neue Kissen für die Erzählecke.» Das Angebot kommt bei den jungen Bibliotheksbesuchern an. Viele Neueinschreibungen habe es in letzter Zeit gegeben, und begeisterte Kinder würden oft Freunde mit dem Bibliotheksvirus infizieren und mitbringen.

«Unser Ziel ist es, zu einem dritten Ort zu werden», sagt Galliker. Dies sei ein Ort, an dem man gerne verweile und sich bewusst Zeit dafür nehme. Ein Zwischenbereich von privatem und öffentlichem Leben. Dies will die Bibliothek auch im Leben der Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden. «Im Alter von 12 oder 13 Jahren gibt es bei vielen einen Leseknick: Sie hören auf zu lesen.» Aus diesem Grund stehen im Jugendbereich neue Sitzgelegenheiten und Sofas, ein riesiger Fernseher mit einer Playstation lädt zum Gamen ein. Demnächst folgt noch eine Wii-Station. «Wir werden dann auch einige Game-Events durchführen. Unser Ziel ist es, die Vorteile vom gemeinsamen Gamen zu zeigen.» Auch Computerspiele können in der Bibliothek ausgeliehen werden. «Momentan sind fast alle weg – dieser Bereich läuft sehr gut», sagt Galliker. Um den jungen Besuchern, die der Bibliothek «nicht gerade die Hütte einrennen», noch mehr zu bieten, ist ausserdem ein Medienlabor geplant, wo mit Computern, Tablets, Foto- und Videokameras gearbeitet werden kann. «Dort sollen dann medienpädagogische Projekte und Kurse abgehalten werden und Trickfilme oder Fotostories entstehen.» Das Medienlabor soll spätestens nach den Sommerferien eröffnet werden.

Nicht nur junge Gäste kommen

Im unteren Stock entsteht derzeit eine Bibliothek mit Medien für Lehrkräfte. «Ein Bestand der Pädagogischen Hochschule St. Gallen wird hier demnächst öffentlich zugänglich sein», sagt Susanne Galliker. Ausserdem soll in der Bibliothek bald gratis WLAN zur Verfügung stehen.

Ebenfalls neu ist die Station zur Selbstrückgabe von Medien. Etwas, was es in der Bibliothek in der Hauptpost nicht gibt. «Für unsere Mitarbeiter ist dies zwar keine Entlastung, aber für Bibliothekskunden, die nur schnell etwas abgeben und dann weiterwollen, ist es optimal.» Sowieso sei die neue Situation für das Team eine Herausforderung. «Wir haben nur noch halb so viel Personal wie zuvor, aber die Öffnungszeiten sind praktisch gleich geblieben.» Die Bibliothek an der Katharinengasse schliesst neu eine halbe Stunde früher, um 18 Uhr, da der Abend in der Bibliothek für Kinder und Jugendliche nicht interessant sei. Und obwohl sich das Angebot der Bibliothek grundsätzlich an Junge und deren Eltern richtet, suchen auch ältere Menschen regelmässig die Räumlichkeiten an der Katharinengasse auf. «Wir werfen niemanden raus, beobachten aber, wer was macht.»

Fest mit Preisen und Poeten

Auch das Eröffnungsfest am Samstag ist auf junge Gäste zugeschnitten. Zwischen 11 und 15 Uhr werden Geschichten in verschiedenen Sprachen erzählt. Es steht ausserdem ein Medi- O-Mat bereit und es findet eine Bibliotheksrallye statt. Bei dieser gibt es Preise zu gewinnen. Ausserdem wird mit alten Büchern gebastelt. Ab 13 Uhr sind dann die beiden Poetry-Slammer Nici Knöpfli und Pierre Lippuner zu Gast, die mit den Besuchern Texte gestalten.

In der Kinder- und Jugendbibliothek sind Kissenschlachten erlaubt, bald sogar mit neuen Kissen. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

In der Kinder- und Jugendbibliothek sind Kissenschlachten erlaubt, bald sogar mit neuen Kissen. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Alles, was das Kinderherz begehrt, ist in diesen Regalen zu finden. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Alles, was das Kinderherz begehrt, ist in diesen Regalen zu finden. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))