Ein Mann und seine Visionen

Der Künstler Pietro Angelozzi ist am 22. März im 90. Lebensjahr gestorben. Das Museum im Lagerhaus in St. Gallen ehrt sein Schaffen mit einer Ausstellung.

Daniel Wirth
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Pietro Angelozzi, 9.11.1925–22.3.2015 (Bild: pd)

Pietro Angelozzi, 9.11.1925–22.3.2015 (Bild: pd)

GOSSAU. Die Ausstellung «Ego Documents», die vom 10. November dieses Jahres bis März 2016 im Museum im Lagerhaus in St. Gallen gezeigt wird, war so geplant, dass die Vernissage kurz nach Pietro Angelozzis 90. Geburtstag hätte stattfinden sollen. Die Eröffnung von «Ego Documents» wird Pietro Angelozzi aber nicht mehr erleben. Er starb am 22. März im Betagtenheim Schwalbe, nachdem er die Sterbesakramente empfangen hatte.

In Italien gross geworden

Geboren wurde Pietro Angelozzi 1925 in Rotello in Mittelitalien. Seine Mutter starb, als Pietro elf Monate alt war. Sein Vater heiratete danach noch zweimal, doch keine seiner Stiefmütter wollte sich des kleinen Pietro richtig annehmen, wie Bruno Langenauer, der den Künstler gut kannte, schreibt. So verbrachte Angelozzi die meiste Zeit seiner frühen Kindheit bei seinem Grossvater auf einem Bauernhof. Als er bei der zweiten Hochzeit seines Vaters seine erste kurze Hose bekam, war er vier Jahre alt. Dieses Ereignis vermerkte er als ersten Eintrag in seinem «Bericht über die Visionen des 20. Jahrhunderts». Es folgten sieben weitere Visionen. In seinem Bericht schrieb Angelozzi: «Es war zwischen Himmel und Erde, zwischen dem wahren Gott und den Engeln. Ich bin Zeuge dieser Ereignisse, Zeuge davon, was ich gehört und gesehen habe. Ich erhielt Befehl einer Inspiration, die mir sagte: Stehe auf und gehe. Sprich, rede davon zu allen und erzähle, was du gesehen und gehört hast.» Ein Teil dieses Weitergebens sei in Angelozzis Bildern ersichtlich, schreibt Bruno Langenauer. Der Aussenseiterkünstler aus Italien, der 1963 in die Schweiz eingewandert war und Jahrzehnte in der Migros-Betriebszentrale arbeitete und an der Multstrasse in Gossau wohnte, habe viel lieber gemalt als geschrieben. Er habe es als einen göttlichen Auftrag empfunden, seine Visionen der Welt mitzuteilen.

1963 eingewandert

Um keinen Preis der Welt hätte Angelozzi eines seiner Bilder verkauft. Aus einer göttlichen Gabe ziehe man keinen Profit, soll er immer gesagt haben. Angelozzi durfte viele Ausstellungen bestreiten: mehrmals im Museum im Lagerhaus in St. Gallen, im Kunstmuseum des Kantons Thurgau oder in Langenthal. Seine letzte eigene Ausstellung hatte Pietro Angelozzi im Dezember 2012 in der Galerie Tolle in Rehetobel.

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