Ein Manager für die Kirche

ST.GALLEN. Die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Tablat hat einen neuen Präsidenten. Johannes von Heyl ist eigens für dieses Amt umgezogen. Er will etwas Ruhe in die Gemeinde bringen.

Elisabeth Reisp
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Johannes von Heyl will die Evangelische Kirchgemeinde Tablat in ruhigere Gefilde lenken. (Bild: pd)

Johannes von Heyl will die Evangelische Kirchgemeinde Tablat in ruhigere Gefilde lenken. (Bild: pd)

Johannes von Heyl ist in einem evangelischen Haushalt im deutschen Worms am Rhein aufgewachsen. Schon sein Vater wie auch sein Grossvater hatten sich in der Kirchgemeinde engagiert. «Ich fühle mich verpflichtet, dies ebenfalls zu tun», sagt er aus einer unaufgeregten Selbstverständlichkeit heraus. Für ihn ist die Kirche ein fester Bestandteil seines Alltags. Fast jeden Sonntag besucht er einen Gottesdienst. «Ausser es herrscht perfektes Wanderwetter.» Dann zieht es von Heyl für eine Wanderung in den Alpstein.

Manager für die harten Fälle

Am Mittwochabend hat ihn die Kirchgemeinde von Evangelisch-Tablat ins Amt des Präsidenten gewählt (siehe Zweittext). Seine Wahl galt als unumstritten, er war der einzige Kandidat. Entsprechend zuversichtlich war von Heyl, gewählt zu werden. Dafür ist er eigens vom thurgauischen Roggwil nach Wittenbach gezogen. «Ich habe diese Kandidatur ernst genommen und wollte daher auch alle Bedingungen erfüllen.» Nach 25 Jahren in Roggwil haben er und seine Frau eine Wohnung in Wittenbach gemietet.

In der Ostschweiz lebt der neue Kirchgemeindepräsident – mit Unterbrüchen – seit über 40 Jahren. An der HSG hatte er seinerzeit das Betriebswirtschaftsstudium mit Doktorat abgeschlossen. Der 1951 geborene von Heyl ist seit 2001 selbständig als Unternehmer und Berater. Er bezeichnet sich als «Interimsmanager». «Ich springe immer dort ein, wo eine Firma Führungsunterstützung braucht, speziell in Finanzfragen.» Der Vater von drei erwachsenen Kindern war bereits in Roggwil elf Jahre Mitglied der Kirchenvorsteherschaft und fünf Jahre in der Synode Thurgau.

Straffer führen als bisher

Die Tradition in seiner Familie, sich in der Kirche zu engagieren, sei nur einer der Gründe für seine Kandidatur in der Kirchgemeinde Tablat gewesen. Dadurch, dass seine Frau in Wittenbach seit Jahren arbeitet, sei ein Bezug zur hiesigen Kirche und auch ein Netz vorhanden. Er habe aus der Beobachterperspektive einiges mitbekommen und in verschiedenen Gesprächen sei der Entschluss gereift, sich dieser Wahl zu stellen. Als Betriebswirtschafter mit langjähriger Führungserfahrung, könne er vielleicht etwas straffer führen, als es bisher geschehen sei. Er habe mit den Pfarrern der Gemeinde das Gespräch gesucht, um herauszufinden, wo sie der Schuh drückt. «In der Kirchgemeinde rumort es ziemlich», sagt von Heyl. Es hätten zu viele gegensätzliche Kräfte gewirkt mit unterschiedlichen Ideen. Wittenbach sei eine sehr aktive Gemeinde, die im Wachstum begriffen sei. Die Pfarrstelle entsprechend auszudehnen, sei aber nicht bewilligt worden, was zum Rücktritt des Gemeindepfarrers geführt habe. Auch die Schliessung von Kirchgemeindehäusern oder die Tatsache, dass nicht mehr in jeder Kirche jeden Sonntag ein Gottesdienst stattfindet, bereite teilweise Mühe, sagt von Heyl.

Für das Evangelium

Von Heyl beschönigt nichts, dramatisiert aber auch nicht. Ruhig und freundlich erzählt er von den Herausforderungen, die es nun als Präsident zu meistern gelte. «Wir müssen in die Zukunft schauen und gemeinsam die Verkündung des Evangeliums sicherstellen.»