Ein Mahnmal verfehlter Politik

RORSCHACHERBERG. Von der Burenweid aus hat man einen unverstellten Blick auf den See. Für Kantonsrat Felix Gemperle soll das auch so bleiben. Darum brauche es eine griffige Siedlungspolitik, und zwar in der ganzen Region am See.

Marianne Bargagna
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In der Burenweid, hoch über dem See, trifft sich Kantonsrat Felix Gemperle zum Sommergespräch mit dem Tagblatt. (Bild: Marianne Bargagna)

In der Burenweid, hoch über dem See, trifft sich Kantonsrat Felix Gemperle zum Sommergespräch mit dem Tagblatt. (Bild: Marianne Bargagna)

RORSCHACHERBERG. Auf der Burenweid. Die Sonne brennt. SP-Kantonsrat Felix Gemperle hat diesen Ort für das Sommergespräch mit der Tagblatt-Redaktion gewählt. Er steht am Strassenrand. Macht eine ausladende Handbewegung. Zeigt auf das überbaute Gebiet entlang des Sees. Rorschacherberg, Rorschach, Goldach: Wo liegen die Grenzen zwischen diesen Gemeinden? Sie sind nicht auszumachen. Mit Blick auf dieses Siedlungsgebiet am See sagt Gemperle: «In der Siedlungsplanung müssen die Stadt Rorschach und die Gemeinden Rorschacherberg und Goldach zusammenarbeiten.» Solches grenzüberschreitendes Denken verlangt nicht nur Gemperle. Im Kontext mit der gegenwärtigen Revision des Raumplanungsgesetzes sagt auch der St. Galler Baudirektor Willi Haag, dass heute weniger in Gemeinde- als vielmehr in funktionalen Räumen geplant werden soll.

Ein Zeichen gesetzt

Zurück auf die Burenweid. Dort steht der Rohbau des Hauses von Michael Schönemann, dem Besitzer des Grundstückes. Wer hier einmal wohnen wird, dem wird nichts und niemand die Sicht auf den See, auf das andere Ufer versperren. Höchstens vielleicht einmal eine Nebelschwade. Felix Gemperles Kommentar: «Der Ausblick ist sensationell.» Die Tatsache aber, dass hier im Jahr 2003 Landwirtschaftsland zu Bauland gemacht wurde, entwickelte sich zu einem politischen Brennpunkt. Es formierte sich Widerstand. Und ein Initiativkomitee, dem auch Felix Gemperle angehört, verlangt nun die Rückzonung des Gebietes. Es handelt sich um drei Parzellen. Über die Initiative wird am 23. September abgestimmt. Für den SP-Kantonsrat Gemperle hat die Initiative eine Chance, angenommen zu werden. Was aber den Neubau nicht mehr aus der Welt schaffen könnte. Aber wenn am Haus dereinst etwas verändert werden sollte, dann werde der Kanton ein Wörtchen mitreden, sagt Felix Gemperle und fügt an: «Das reduziert den Wert dieses Objektes.»

Sollte die Initiative aber bachab geschickt werden, wäre er nicht frustriert, denn «ich habe noch nie so viele Reaktionen wie auf dieses Initiativbegehren bekommen. Und zwar ausschliesslich positive». Felix Gemperle ist überzeugt, dass die Initianten mit ihrem Vorgehen ein Zeichen gesetzt haben «gegen die Behördenwillkür und für den Landschaftsschutz».

Ein Mahnmal

Für Landschaftsschutz, gegen Zersiedelung: Dafür will sich Felix Gemperle einsetzen, auch in seiner engeren Heimat. «Wir müssen aufpassen, dass wir nicht jedem Siedlungsdruck nachgeben.» Es müsse darauf geachtet werden, dass Landschaftsschutzgebiete, wie die Burenweid eines ist, unbebaute, natürliche Landschaften bleiben. Für ihn ist der Neubau in der Burenweid «ein Symbol für eine Fehlentwicklung, ein Mahnmal einer völlig verfehlten Politik». Felix Gemperle sagt, dass die Siedlungsplanung heute noch zu isoliert betrieben werde. Er erwähnt neue Quartiere, die in jüngster Vergangenheit entstanden und ohne Anschluss an den öffentlichen Verkehr sind. Das generiere mehr Verkehr, auf den Strassen werde es also immer enger. Nicht nur in den drei Seegemeinden, sondern auch in der Stadt St. Gallen. Darum fordert Felix Gemperle auch in Sachen Verkehrsplanung eine vermehrte enge Zusammenarbeit der drei Gemeinden, denn nur so könne eine ganzheitliche Entwicklung der Region erreicht werden.

Region am See

Und damit kommt Felix Gemperle zu einem für ihn weiteren politischen Brennpunkt – die Region am See. Die freiwillige Zusammenarbeit in bestimmten Bereichen sei ja gut und schön, aber sie weise auch Demokratiedefizit auf. Denn bei Entscheidungen zum Beispiel in Zweckverbänden könne die Bevölkerung nicht mitreden. Darum könne diese Form der Zusammenarbeit nur eine Übergangslösung sein – hin zu einheitlichen Strukturen. Für Felix Gemperle ist klar: «Eine Stadt am See böte eine Chance für eine nachhaltige Entwicklung – in wirtschaftlicher, sozialer und bildungspolitischer Hinsicht.»