«Ein Leib und viele Glieder» als Themengottesdienst

Rorschach Unter Mitarbeit in der Kirche kann man vieles verstehen. Zum Beispiel aktiv an Projekten teilnehmen oder Mitmenschen im Namen der Kirchgemeinde betreuen.

Werner Nef
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Studierende der STH Basel gestalten den Gottesdienst. (Bild: zVg)

Studierende der STH Basel gestalten den Gottesdienst. (Bild: zVg)

Rorschach Unter Mitarbeit in der Kirche kann man vieles verstehen. Zum Beispiel aktiv an Projekten teilnehmen oder Mitmenschen im Namen der Kirchgemeinde betreuen. Der Themen-Sonntagsgottesdienst vom Wochenende in der reformierten Kirche Rorschach gestalteten Studenten der staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel auf besondere Art.

Vier Studenten stellten die Hochschule vor und betonten, dass bei ihnen die Bibel die Grundlage bildet. Darum finden sich unter ihnen Studierende aus diversen christlichen Randgruppen. Die jungen Leute stellten sich Fragen über ihre Motivation für ein theologisches Studium, oder sie machten sich Gedanken, wie sie nach ihrer Ausbildung in der Kirche wirken möchten. Sie liessen die Kirchenbesucher spüren, dass sie aus innerer Überzeugung und Begeisterung, aber auch von ganzem Herzen sich von Gott leiten lassen.

«Vielfältigkeit hält uns zusammen»

Die Predigt hielt Professor Dr. Harald Seubert. Er stellte sie unter das Motto «Ein Leib und viele Glieder» nach 1. Kor. 12. Das Thema fasste er so zusammen, dass ein Leib viele Glieder braucht, um seine Funktion auszuüben. Es würde nichts bringen, wenn ein Leib nur aus ein und demselben Glied besteht. So baute auch Jesus einen Leib, die Kirche auf, die viele Glieder braucht, um zu leben. Er erfüllte die Glieder seines Leibes mit Geist und Begeisterung. Jeder einzelne Mensch ist in den Augen Gottes ein wichtiges Glied, das notwendig seine Funktion erfüllen muss. Seubert geht so weit, dass wir auch Glieder der Kirche sind, wenn wir, wie es heute heisst, nichts mit ihr am Hut haben. Denn Gott liebt und braucht alle Menschen und ist für alle da. Gerade diese Vielfalt, weil jeder Mensch anders, ein Unikat ist, macht die Vielfältigkeit und Lebendigkeit der Kirche aus. Diese Vielfältigkeit spaltet uns nicht, sie hält uns zusammen, weil wir im füreinander da sind, um dieses Werk zu erfüllen.

Zu diesem sehr aufschlussreichen Gottesdienst lud die reformierte Kirche Rorschach auch die katholischen Kirchbürger ein. So demonstrierte sie, dass beide Konfessionen zusammengehören und gemeinsam den Leib der christlichen Kirche bilden. Wie heisst es so schön: «Alle Christen sind aus einem Stall». Nach dem Gottesdienst bot sich beim Kirchenkaffee eine einzigartige Gelegenheit, dem renommierten Theologieprofessor kritische Fragen zu stellen oder den Diskussionen am Tisch zu lauschen. Dabei vernahm man, wie andere Gemeindemitglieder denken. Wer aufmerksam diesen Gottesdienst verfolgte, durfte feststellen, wie vielfältig unsere Kirche ist, aber leider auch, wie oft sie von den «Gläubigen» missverstanden wird. Eines wurde klar. Der Leib Kirche kann nur stark sein und die überall lauernden Krisen meistern, wenn zahlreiche gesunde und kräftige Glieder sie tatkräftig stützen.