Ein Leben lang Marken sammeln

Heute findet eine Auktion der Philatelistischen Vereinigung St. Gallen statt. Deren Präsident Hanspeter Steinlin ist ein leidenschaftlicher Philatelist. In seinem Keller sammeln sich viele Alben, gefüllt mit Zehntausenden Briefmarken.

Perrine Woodtli
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Hanspeter Steinlin in seinem Briefmarkenzimmer. Hier lagert er seine Alben, die sich in den vergangenen Jahrzehnten angesammelt haben. (Bild: Michel Canonica)

Hanspeter Steinlin in seinem Briefmarkenzimmer. Hier lagert er seine Alben, die sich in den vergangenen Jahrzehnten angesammelt haben. (Bild: Michel Canonica)

Einst war es ein verbreitetes Hobby, das von jungen sowie älteren Menschen gepflegt wurde. Heute kennen es viele nur noch dank ihres Vaters oder Grossvaters. Briefmarkensammeln ist heute ein eher seltenes Hobby. Hanspeter Steinlin aus Rotmonten aber ist ein leidenschaftlicher Briefmarkensammler, ein Philatelist. Der 69-Jährige ist der Präsident der Philatelistischen Vereinigung St. Gallen. Diese veranstaltet heute abend eine Briefmarkenauktion.

Schuld ist der Grossvater

Angefangen hatte alles mit seinem Grossvater. Dieser schenkte Steinlin, der damals die Primarschule besuchte, Briefmarken. «Ich fing an, klassisch zu sammeln. Ich habe die Briefmarken aus Briefen rausgeschnitten. Meine Familie gab mir jeweils ihre Post», sagt Steinlin. Heute sammelt er systematischer und selektiver. Wie viele Briefmarken er nach über 60 Jahren Sammlerleidenschaft besitzt, weiss er nicht. Er habe um die 100 Alben. «Ich schätze, dass ich mehrere zehntausend Briefmarken besitze.» Die Alben lagert Steinlin in seinem Briefmarkenzimmer. Wichtig ist, dass die Briefmarken trocken und ohne Druck gelagert werden. In seinen Schätzen herumblättern tut er selten bis nie. Nur wenn er eine Briefmarke sucht. «Das kann dann zehn Alben lang dauern, bis ich diese gefunden habe.»

Grundausstattung braucht es

Wer Briefmarken sammeln will, braucht Pinzetten, Zähnungsschlüssel, Presse, Briefmarkenkataloge und ein anfangs leeres Album. «Mit der Pinzette kann man die Briefmarken fassen. Anfassen mit den Händen ist ein absolutes Tabu.» Mit dem Zähnungsschlüssel kann die genaue Grösse der Zähnung der Briefmarke erfasst werden. Mit der Presse wird gepresst. «Heute geht das schnell und die Marken werden gleich getrocknet. In 15 Minuten ist alles fertig», sagt Steinlin. Früher musste man die Briefmarken zwischen Löschpapier unter Bücher legen, um sie zu pressen. «Das dauerte jeweils Tage.» Und auch eine Lupe braucht ein Philatelist. Schliesslich gibt es auf so einer kleinen Briefmarke vieles zu entdecken.

Zwischen 17 und 95 Jahren

Seit 28 Jahren ist Steinlin in der Philatelistischen Vereinigung St. Gallen und seit zwei Jahren ist er der Präsident. Ein Teil der 180 Mitglieder trifft sich regelmässig in ihrem Vereinslokal, dem «Hirschen» in St. Fiden, um über Themen rund um die Briefmarke zu sprechen. Die Vereinigung sei ein «überalterter Verein», wie der St. Galler sagt. Das jüngste Mitglied ist 17 Jahre alt und wohl eine Ausnahme. Danach geht es rasant hinauf. «Der Grossteil ist zwischen 70 und 90 Jahre alt. Wir haben mehr Vereinsaustritte durch Todesfälle als Neueintritte.» Steinlin vermutet, dass Philatelie nicht mehr attraktiv ist, weil es heute zahlreiche andere Freizeitaktivitäten gibt. Zudem sei das Hobby nicht gratis. Wie viel Geld er schon investiert hat, sagt er nicht. Nur so viel: «Für die, die auf ältere Briefmarken spezialisiert sind, ist es ein teureres Hobby. Für die, die sich mit der Neuzeit befassen, ist es tragbar.» Bei älteren Briefmarken handelt es sich um solche von 1850 bis zum Ersten Weltkrieg.

Nicht nur junge Leute fehlen. Auch Frauen sind stark in der Minderheit. Unter den 180 Mitgliedern befinden sich bloss fünf Frauen. Woran das liegt, weiss Steinlin nicht. «Früher waren die Philatelistischen Vereine elitäre Clubs. Damals passten Frauen dort nicht rein. Heute ist das natürlich nicht mehr so.»

Mit Briefmarken Geld machen

Auch wenn es vielleicht anders wirken mag, glaubt Steinlin, dass es die Philatelie noch lange geben wird. In China, Asien und Japan gebe es beispielsweise immer mehr Briefmarkensammler. «Viele sehen darin eine Investition und handeln mit Marken wie mit Bildern.» Im Verein sei dies aber verpönt, schliesslich sammle man aus Leidenschaft. «Wenn Philatelisten sterben, kommen nicht viele neue hinterher. Daher wird das Hobby noch seltener ausgeübt werden», sagt Steinlin und ergänzt: «Ich glaube, die Art des Sammelns wird sich verändern. Aber das Briefmarkensammeln wird nie ganz verschwinden.»