Ein Leben für die Gemeinschaft

Kurz vor Weihnachten mussten die Angehörigen Abschied nehmen von Elisabeth Güntensperger. Sie war durch und durch Wittenbacherin mit Herzblut.

Theres Wenzinger
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Elisabeth Güntensperger, 17. Juni 1939 – 2. Dez. 2012 (Bild: pd)

Elisabeth Güntensperger, 17. Juni 1939 – 2. Dez. 2012 (Bild: pd)

WITTENBACH. Sie war das älteste von fünf Kindern und übernahm in der Familie schon früh gerne Verantwortung. Was sie schon als Kind wusste: Sie wollte Handarbeitslehrerin werden – was sie auch in die Tat umsetzte. Nach Anstellungen im Toggenburg und Oberuzwil kehrte Elisabeth Güntensperger gegen Ende der 1970er-Jahre nach Wittenbach zurück, wo sie bis zu ihrer Pensionierung arbeitete. Während mehr als zwei Jahrzehnten brachte sie unzähligen Kindern – auch den Buben – das Handarbeiten bei.

Von der Schule an die Orgel

Aber nicht nur dies. Die Musik war Teil ihres Lebens, Elisabeth Güntensperger spielte mehrere Instrumente, und so kam es, dass sie schon in jungen Jahren ihren Vater an der Orgel vertreten konnte. Neben ihrer Arbeit als Handarbeitslehrerin war sie über 40 Jahre Organistin in Wittenbach, später auch im Kantonsspital. Das erforderte viel Flexibilität und gute Organisation, kam es doch früher hie und da vor, dass Elisabeth Güntensperger während der Schule zu einer Beerdigung an die Orgel musste. Auch war sie jahrelang Mitglied im Kirchenchor. Mit einer Kollegin zusammen begleitete sie viele Klassenlager, zur Freude der Kinder, die jeweils vom feinen Essen schwärmten.

Überall eine helfende Hand

Der Funkensonntag, eine Tradition in Wittenbach, fehlte nie in Elisabeth Güntenspergers Kalender. Da galt es alles vorzubereiten, die Kinder einzukleiden, Wienerli und Getränk bereitzuhalten. Sie versah viele freiwillige Jobs, half mit im Schloss Dottenwil, beim «Frohen Alter», begleitete das Frauenchörli am Klavier, wenn dieses im Kappelhof oder Blindenheim sang, ging im Spital «Betten schieben». Dank ihrer unkomplizierten Art wurde sie überall angefragt, wo gerade jemand gebraucht wurde.

Kein Hadern mit dem Schicksal

Elisabeth Güntensperger war Teil einer grossen Familie, auch wenn sie selbst keine hatte. Geschwister, Verwandte, Freunde, Schüler, sie alle gehörten dazu. Und diese Beziehungen pflegte sie sorgfältig. Dieses aktive und erfüllte Leben erfuhr vor fünf Jahren eine jähe Zäsur, als die Wittenbacherin an Krebs erkrankte. Doch sich darüber zu beklagen war ihre Sache nicht. Trotz mehrerer Chemotherapien verlor sie nie ihren Humor. Sobald sich ihr Gesundheitszustand jeweils etwas gebessert hatte, nahm sie – bis vor wenigen Monaten – wieder ihre gewohnten Aktivitäten auf. Im Wissen, dass die Zeit gekommen war.