Ein kluger Entscheid

Kommentar

Daniel Wirth
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Es ist klar: Wenn ein guter Rechnungsabschluss den anderen jagt, weckt das Begehrlichkeiten. Die SVP ist nicht mehr allein mit ihrer Forderung nach einer Senkung des Steuerfusses. Bisweilen erhielt die Volkspartei in der Stadt in dieser Beziehung lediglich Support von den Freisinnigen, doch jetzt sind auch die Christdemokraten und die Grünliberalen auf diesen Zug aufgesprungen. Die Debatte um den Voranschlag 2018 und den Steuerfuss fürs kommende Jahr wird spannend.

Gestern durfte das Stadtparlament eine Menge Geld verteilen: 12 Millionen Franken. Der Stadtrat wollte sieben Millionen für die Erneuerung des Kunstmuseums zurückstellen und fünf Millionen Franken zur Seite legen für die Neugestaltung des Bahnhofplatzes, die weit fortgeschritten ist. Das Stadtparlament folgte aber dem Antrag der Geschäftsprüfungskommission, diese Einlagen um jeweils 2,5 Millionen Franken zu straffen und stattdessen auch fünf Millionen Franken für den flächendeckenden Ausbau der Freiwilligen Schulhausangebote (FSA) zur ausserfamiliären Betreuung von Schulkindern freizumachen. Das war klug.

Denn der Steuerfuss ist nur ein Parameter, der die Attraktivität eines Wohn- und Arbeitsortes ausmacht. Ein wichtiger, gewiss. Es gibt aber auch zahlreiche andere. Ein gut ausgebautes Angebot an ausserfamiliärer Kinderbetreuung ist ein solcher. Für junge Paare mit Kindern ist das ein Grund bei der Wahl des Wohnortes, denn so können Vater und Mutter einer Arbeit nachgehen und wissen ihre Kinder gut betreut – am Mittagstisch und bei der Aufgabenhilfe.

Ein willkommener Nebeneffekt für die Stadt: Doppelverdiener sind nicht selten gute Steuerzahler. Die Rückstellung für den FSA-Ausbau war deshalb weit mehr als ein symbolischer Akt.

Daniel Wirth

daniel.wirth@tagblatt.ch