Ein Kandidat im Röckchen und ein grünes Geheimnis

Namen & Notizen

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Dass die Stadtratsersatzwahl vom Herbst in dieser Rubrik Spuren hinterlassen würde, war zu erwarten. Dass die Partei, die am 24. September ihren Regierungssitz verteidigen will, es den Spöttern so einfach macht, ist aber eine Überraschung. Vielleicht ein Ablenkungsmanöver? Wurde etwas so augenfällig platziert, damit nicht tiefer gegraben wird? Egal: Die Internetseite der CVP-Kantonalpartei leidet bezüglich Boris Tschirky unter einer geografischen Verwirrung. Der Dorfhäuptling und CVP-Stadtratsersatzkandidat sitze für den Wahlkreis Wil im Kantonsrat, heisst es dort. Was bedeuten würde, dass sich die Fürstenländer unbemerkt Gaiserwald gekrallt hätten. Was gutinformierte Kreise aus der Kantonsverwaltung heftig in Abrede stellen: Gaiserwald gehört immer noch zum Wahlkreis St. Gallen, den Tschirky damit im Kantonsparlament vertritt. Auf eine falsche Spur geführt hat den CVP-Webmaster vielleicht ein Grossanlass, der alle zwei Jahre im Dorf stattfindet: Wenn die Schotten einfallen, verwandelt sich Gaiserwald in Appowila. Und Tschirky besitzt ja inzwischen sogar einen eigenen Kilt, wie das Bild beweist. (vre)

In der 1918 untergegangenen Donaumonarchie kannte man den Titel des Hofgeheimrats. Die städtischen Grünen wandeln derzeit offensichtlich auf den Spuren der Habsburger. Sie kennen neu die Funktion des Geheimkandidierenden. Obwohl der Parteivorstand weiss, wen er der Nominationsversammlung für den Sturm auf den CVP-Stadtratssitz vorschlagen will, bleibt der Name geheim. Erst am 24. Juni, wenn die Parteibasis nominiert, soll sie oder er enthüllt werden. Der Grund für die Zurückhaltung ist rätselhaft, dagegen machen kann man nichts, solange niemand plaudert. Zum Trost ein Bild von Pia Hollenstein. Die damalige Nationalrätin kandierte 1995 gegen Liana Ruckstuhl (FDP) für den Stadtrat. Die Grüne verlor die Exekutivwahl, wurde aber kurz danach glorios für eine zweite Amtszeit in Bern bestätigt. (vre)