Ein Kamel in der Hauptrolle

In der vollbesetzten evangelisch-reformierten Kirche überzeugten am Sonntagabend Kinder mit Andrew Bonds ungewohntem Weihnachtsmusical.

Peter Beerli
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GOLDACH. Seit Jahren führen Goldacher Kinder im Primarschulalter in der evangelisch-reformierten Kirche ein Weihnachtsmusical auf. Mit «So ein Kamel» wurde auch dieses Mal ein nur im ersten Moment «verrückt» anmutendes, dann aber voll überzeugendes Stück gewählt.

Kaum etwas aus der alten Erzählung fehlt bei Andrew Bond. Doch traditionelle Figuren spielen eine Statistenrolle. Dafür schenkt der Autor Tieren, die in der biblischen Geschichte nebenbei oder gar nicht erwähnt sind, besondere Bedeutung: Dem Esel und einem Kamel. Der gewöhnlich als störrisch verschrieene Esel benimmt sich hier manierlich. Er bejaht Josefs Fragen artig, erklärt sich bereit, das heilige Paar eine Woche lang zu begleiten und dabei die ihr Baby erwartende Maria zu tragen.

«Das ist doch alles Blabla»

Als störrisch erweist sich dagegen des König Balthasars Kamel. Es lässt sich kaum aus dem Schlaf wecken, leistet den Treibern Widerstand. Was bringt es, mitten in der Nacht einem Stern zu folgen, der selbst nicht wandern kann, ihm durch die staubige Wüste und über hohe Berge nachzureisen? Das ist doch eine Katastrophe. Doch die drei Weisen ziehen weiter, machen beim Königspalast nur kurzen Halt und landen bei einer alten Bruchbude. Erst dort treffen sich der alles wunderbar findende Esel und das widerspenstige Kamel. Als das «Höckertier» den Stern vom Himmel auf den Heiland strahlen sieht, erkennt auch dieses an: Da wurde nicht bloss ein Königskind, sondern ein Himmelskind geboren.

Die Botschaft blieb erhalten

Die in Kesswil lebende Musikerin Judith Keller hatte Andrew Bonds «So ein Kamel» für rund zwei Dutzend Goldacher Mädchen und Buben gestaltet und mit diesen seit Oktober geprobt. Am Sonntagabend sind die Kinder musizierend, singend und spielend vor einem Publikum aufgetreten, das noch nie so zahlreich war wie dieses Jahr. Judith Keller und allen beteiligten Kindern gelang es, diesem Stück mit seinen heiteren, immer sympathisch gespielten Rollen die tiefsinnige Weihnachtsbotschaft zu erhalten. Mit Riesenapplaus bestätigte das Publikum am Schluss Pfarrerin Margrit Lüschers Lob an Kinder und Leitung: «Das war super!»

Judith Keller wurde bei den Vorbereitungen, bei der Realisierung und beim gemeinsamen Imbiss vom Mesmer und vielen Helferinnen unterstützt, die auch für die wunderschöne orientalische Kulisse und die Bekleidung der Kinder zuständig waren Zur besonderen Herausforderung wurde die Gestaltung des von zwei Kindern gemeinsam dargestellten Kamels für die seit Jahren mitbeteiligten Schneiderinnen Nelly Graf und Gerlinde Lutz dar, welche der Aufgabe gerecht wurden.

Für Schule im Kongo

Auf Wunsch des an der Schule Kimpese aufgewachsenen Autors Andrew Bond kommt der Überschuss der Kollekte dieser Ausbildungsstätte im Kongo zu.