Ein junger Stern erstrahlt

Die 18jährige Ronja Stern ist seit diesem Jahr Stammspielerin in der NLA-Mannschaft von St. Gallen-Appenzell. Trotz ihres Alters konnte sie die Lücke, welche die Weltklassespielerin Aprilia Yuswandari hinterlassen hatte, ausfüllen.

Raya Badraun
Drucken
Teilen
Ronja Sterns Wechsel von Absteiger Aarau zu Titelanwärter St. Gallen-Appenzell hat sich ausbezahlt. (Bild: Kurt Frischknecht)

Ronja Sterns Wechsel von Absteiger Aarau zu Titelanwärter St. Gallen-Appenzell hat sich ausbezahlt. (Bild: Kurt Frischknecht)

BADMINTON. Früher verschlang Ronja Stern Bücher regelrecht. 1000 Seiten las sie damals pro Woche. Heute hat die 18jährige Gymnasiastin kaum mehr Zeit dafür. Statt in Büchern zu blättern, steht die Badmintonspielerin stundenlang in der Halle. Ein- bis zweimal pro Tag macht sie Krafttraining, geht joggen oder trainiert mit jungen Spielern aus dem Kanton Aargau. Daneben reist sie dreimal pro Woche nach Bern, wo sie Einheiten mit den Nationalspielern absolviert. Dort lernte Stern auch ihre heutigen Mitspieler bei St. Gallen-Appenzell kennen. Die Heiniger-Brüder trainieren mit ihr, Céline Burkart und auch Dominik Bütikofer. Das Team sei fröhlich und offen, sagt Stern. Oft werde gelacht. Dennoch war es für sie keine leichte Entscheidung, als sie im vergangenen Sommer von St. Gallen-Appenzell eine Anfrage erhielt. Einerseits reizte sie die Herausforderung, Stammspielerin in der NLA zu werden. Andererseits stieg Argovia, wo Stern Ersatzspielerin war, in die NLB ab. «Ich bin keine, die in solchen Momenten davon läuft», sagt sie. «Ich wollte dem Team beim Wiederaufstieg helfen.» So ging Stern einen Kompromiss ein. Ein halbes Jahr wollte sie Argovia helfen, das andere bei St. Gallen-Appenzell Erfahrungen sammeln.

Auf verschiedenen Bühnen

Bisher ging ihr Plan auf. Im vergangenen Herbst entschied Stern in der NLB jedes Spiel für sich. Auch dank ihrer Punkte führt Argovia die Tabelle momentan mit elf Zählern Vorsprung an. Trotz der Dominanz wurde es der jungen Spielerin nicht langweilig. Denn gefordert wurde Stern auf anderen Bühnen. Im Frühling erreichte die Aargauerin an der Junioren-EM in Polen den fünften Rang. So erfolgreich war die Schweiz schon lange nicht mehr. Deshalb durfte Stern im Herbst an der Junioren-WM in Peru teilnehmen. In den von Asiaten dominierten Titelkämpfen verbuchte Stern dennoch einen kleinen Erfolg. Sowohl im Einzel als auch im Mixed überstand sie die ersten beiden Runden. «Es ist sehr motivierend zu sehen, wie gut die Gegnerinnen spielen», sagt Stern. «Irgendwann will ich auch dorthin.» Der nächste Schritt in diese Richtung hat sie in diesem Januar gemacht, als sie endgültig zu St. Gallen-Appenzell wechselte. Vor dem ersten Spiel sei sie sehr nervös gewesen, erinnert sich Stern. Der Grund dafür war vor allem ihre Vorgängerin Aprilia Yuswandari. Die indonesische Weltklassespielerin hatte im vergangenen Herbst alle Spiele deutlich für sich entschieden.

Erstes Spiel, erster Sieg

Sorgen hätte sich Stern jedoch nicht machen müssen. Bei ihrem ersten Auftritt gegen den Tabellenzweiten Uzwil gewann sie sowohl das Einzel als auch das Doppel. Vor allem Letzteres überraschte sie. Mit Burkart hatte sie davor nur einmal gespielt. «Damals im Training hatte es nicht besonders gut geklappt», sagt Stern und lacht. «Doch gegen Uzwil harmonierte es von Anfang an.» Auch im letzten Spiel gegen Yverdon hat sie beide Partien gewonnen. Bereits jetzt freut sich Stern auf ihr erstes Playoff, langfristig möchte sie die Top 100 erreichen. Zeit zum Lesen hat sie damit auch in den nächsten Jahren kaum.

Aktuelle Nachrichten