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«Ein jämmerlicher Anblick»

Sie sind weiss oder grün, gefüllt mit Futter und erregen den Ärger manch eines Landschaftsschützers: Siloballen. Auch auf der Solitüde hat ein Bauer einige gelagert. Trotz einer Beschwerde sieht die Stadt derzeit keinen Anlass einzugreifen.
Malolo Kessler
Die Ballen des Anstosses beim ehemaligen Ausflugsrestaurant Solitüde. Das Haus selbst ist in einem schlechten Zustand. (Bild: Malolo Kessler)

Die Ballen des Anstosses beim ehemaligen Ausflugsrestaurant Solitüde. Das Haus selbst ist in einem schlechten Zustand. (Bild: Malolo Kessler)

Spinnweben hängen über der Eingangstüre. Einige Fensterscheiben sind zersplittert, die Fensterläden kaputt. Hellblaue und pinkfarbene Sprayereien zieren die verlotterten Schindeln des verlassenen Hauses. Seit 2007 steht das ehemalige Ausflugsrestaurant auf der Solitüde leer. Und mindestens genauso lange ist der Zustand der Liegenschaft nicht nur dem Quartierverein ein Dorn im Auge (Kasten). Nun erregt aber noch etwas den Ärger zumindest eines Riethüslers: Gut zwei Dutzend weisser Siloballen, die vor und hinter dem Gebäude aufeinandergestapelt daliegen.

Wie in einem Drittweltland?

«Für jedes Gartenhäuschen braucht man mittlerweile eine Baubewilligung», sagt der ehemalige Stadtarchivar Ernst Ziegler, der an der Oberhofstettenstrasse – mit Blick auf die Ballen – wohnt. Dass sich die Stadt, namentlich das Amt für Baubewilligungen, aber nicht an den «Mozzarellas» störe, verstehe er nicht. Das verlotterte Haus, «garniert» mit den Siloballen, biete einen «jämmerlichen Anblick», sagt Ziegler. «Eben erst haben mir deutsche Touristen gesagt, es sehe auf der Solitüde ja aus wie in einem Drittweltland.» Der Historiker wandte sich ans Amt für Baubewilligungen. Einerseits mit der Frage, ob man das Haus tatsächlich so verfallen lassen und «mit Mozzarellas verbarrikadieren» dürfe. Andererseits wollte er wissen, ob nicht mit zwei Ellen gemessen werde. Bauern dürften ja bekanntlich mehr als andere.

Konflikte im Thurgau

Siloballen waren unlängst auch im Kanton Thurgau ein Thema. Die Stiftung Schweizer Landschaftsschutz kritisierte, dass sich nirgendwo in der Schweiz so viele Ballen türmten wie im Thurgau. Sie prägten langsam, aber sicher das Landschaftsbild. Auch die Bevölkerung stört sich im Thurgau an den «Mozzarellas»: Es gebe immer wieder Reklamationen bei den Gemeinden, sagte Roland Kuttruff, Präsident des Verbands Thurgauer Gemeinden, im Frühling gegenüber dieser Zeitung.

«Nachteilig für Landschaftsbild»

In der Stadt St. Gallen sei Ziegler seinem Wissen nach der erste, der sich über Siloballen beschwere, sagt Ernst Michel, Leiter des städtischen Amts für Baubewilligungen. Nach dem Erhalt des Schreibens habe man auf der Solitüde einen Augenschein gemacht. «Grundsätzlich sind Siloballen für das Landschaftsbild tatsächlich sehr nachteilig», sagt Michel. «Aber sie sind nun einfach einmal Bestandteil der Landwirtschaft.»

Lager im Auge behalten

Bewilligungspflichtig werden Siloballen laut Baurecht erst, «sofern deren Lagerung längerfristig am gleichen Ort erfolgt». Wie lange «längerfristig» ist, definiert das Baurecht nicht. Auf der Solitüde gebe es aus baupolizeilicher Sicht vorerst keinen Anlass einzugreifen, sagt Michel. Die Ballen lägen so nahe am Betrieb, dass der Landschaftsraum nicht wesentlich beeinträchtigt werde. Trotzdem werde das Amt für Baubewilligungen das «Mozzarella-Lager» während der nächsten Monate im Auge behalten und gegebenenfalls aktiv werden.

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