Ein Ja zur Initiative «Für eine Grüne Wirtschaft» ist kein Zwang, sondern ein Zeichen

Man kann nicht Elektroauto fahren und AKW abstellen – so die erste Reaktion auf die Elektromobilitätsförderung der Stadt St. Gallen. Doch: 1000 Elektroautos sparen 100 Millionen Liter Erdöl jährlich und benötigen höchstens sechs Millionen Kilowattstunden pro Jahr.

Heini Lüthi Stadtparlamentskandidat Glp Steigerstrasse 4, 9000 St. Gallen
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Bild: Heini Lüthi Stadtparlamentskandidat GLP Steigerstrasse 4, 9000 St. Gallen

Bild: Heini Lüthi Stadtparlamentskandidat GLP Steigerstrasse 4, 9000 St. Gallen

Man kann nicht Elektroauto fahren und AKW abstellen – so die erste Reaktion auf die Elektromobilitätsförderung der Stadt St. Gallen. Doch: 1000 Elektroautos sparen 100 Millionen Liter Erdöl jährlich und benötigen höchstens sechs Millionen Kilowattstunden pro Jahr. So viel Solarstrom wird bereits heute auf den Dächern der Stadt «geerntet». Als Genossenschaft Solar St. Gallen investieren wir gerne zur Vervielfachung dieser Solarstromproduktion. Ergänzend macht das BHKW-Engagement der Stadtwerke. Wärme-Kraftkoppelung – am besten mit Biomasse – erlaubt das Stromtanken, auch wenn die Sonne nicht scheint. Sollten die Autobatterien einst an Leistungsfähigkeit einbüssen, haben sie noch immer ausreichend Kapazität, um im stationären Einsatz den Solarstrom vom Tag in die Nacht zu verschieben – soweit das nötig wäre.

Eine Grüne Wirtschaft schafft Verlierer und Gewinner: Während die Rheintaler Firma Brusa als Elektroauto-Zulieferer aufblüht, bangen Dutzende Zündkerzen- und Abgasklappen-Hersteller um ihre Zukunft. «Schöpferische Zerstörung» nennt es der Ökonom Daron Acemoglu, wenn eine technische Neuerung die etablierte Geschäftspraxis bedroht. Dass sich bislang profitierende Kreise gegen Neuerungen wehren, ist ein altes Phänomen und durchaus nachvollziehbar. Eine Politik, die von einer wohlhabenden Elite geprägt wird, lässt schöpferische Zerstörung nicht zu; aber letztere treibt das Wachstum in einer für Chancen offenen Demokratie.

Für eine Grüne Wirtschaft, welche auf die Herausforderungen und Chancen der Zukunft ausgerichtet ist, braucht es keinen Zwang, derzeit aber fehlen dafür die ökonomischen Anreize. Diese würden nach Annahme der Initiative am 25. September ganz sicher geschaffen. Ein Ja ist kein Zwang, sondern ein Zeichen. Insofern ist auch eine «liberale» Argumentation gegen die nationale Energiestrategie 2050 alles andere als liberal. Sind Grünliberale die besseren Liberalen? Wenn «die Liberalen» mit den Referendumsplänen der SVP sympathisieren, würde ich dies klar mit Ja beantworten.