Ein Hoch auf die Freiwilligen

«Das einzig Beständige ist der stete Wandel», heisst es. 2015 hat sich auch in der Region St. Gallen einiges verändert. Beizen und Poststellen schlossen, Vereine lösten sich auf, aber die Dörfer bleiben lebendig. Den Freiwilligen sei Dank.

Corinne Allenspach
Drucken
Teilen
Würdiger Abschluss für die Landjugend: 111 Fahrer nehmen Mitte September am zwölften und letzten Engelburger Einachserfest teil. (Bild: Urs Bucher)

Würdiger Abschluss für die Landjugend: 111 Fahrer nehmen Mitte September am zwölften und letzten Engelburger Einachserfest teil. (Bild: Urs Bucher)

Eigentlich ist es paradox. Seit Jahren werden in der Region St. Gallen Wohnungen gebaut wie wild. Gleichzeitig verschwinden immer mehr Plätze und Institutionen, die ein Dorf lebendig machen. In Mörschwil etwa wurde die «Krone» im Weiler Riederen abgerissen. Wo einst täglich die Postkutschen auf dem Weg in die Stadt haltmachten und noch bis Sommer zahlreiche Berufsleute für ihren Znüni oder Zmittag einkehrten, entsteht jetzt ein Mehrfamilienhaus.

Wohnen statt wirten

Auch in Muolen sind mitten im Dorfkern 25 Wohnungen geplant, das «Rössli» würde dann abgerissen. Nicht abgerissen, dafür nach 129jähriger Ära seit Sommer definitiv geschlossen, ist das Restaurant Rössli in Wittenbach. Das zugehörige Hotel wird als Garni weitergeführt.

Aber nicht nur Beizen verschwanden, auch Vereine mit zu wenig Mitgliedern wie der Kirchenchor und der Männerchor Mörschwil oder das Eggersrieter Fasnachtskomitee. Zudem geht's Dorfläden und Poststellen an den Kragen. Der Dorfladen in Berg SG ist seit einigen Monaten zu – und bleibt es vermutlich auch. In Eggersriet konnte eine neue Lösung gefunden werden mit dem Volg. Weniger Erfolg hatten die Engelburger bei der Rettung ihrer Post. Anfang Juni überreichten sie den Verantwortlichen der Schweizerischen Post fast 900 Unterschriften: für den Erhalt der Poststelle am Dorfplatz und gegen eine Agenturlösung im Spar. Gebracht hat's wenig. Die Post schliesst Ende Jahr im Zentrum. Ähnlich könnte es bald den Mörschwilern ergehen, schreibt doch der Gemeinderat im aktuellen Mitteilungsblatt, die Schweizerische Post sehe Gesprächsbedarf. Thema: «Eine Standortbestimmung zur aktuellen Postversorgung.»

Im Stillen oder öffentlich

Und trotzdem: Die Region lebt. Es wird gefeiert, es werden Pläne geschmiedet und Ideen umgesetzt. Was ein Dorf wirklich lebendig macht, ist die Arbeit unzähliger Freiwilliger. Sei es im Stillen in Form von Nachbarschaftshilfe, Sterbebegleitung oder Flüchtlingsbetreuung. Oder nach aussen sichtbar wie im Schloss Dottenwil in Wittenbach, das längst weitherum bekannt ist als Ort der Begegnung und Kultur. Oder in Abtwil, wo der Verkehrsverein heuer bereits zum 24. Mal den Jahrmarkt organisierte oder der Verein Appowila die vierten Appowila Highland Games. In Engelburg lockte die Landjugend Gossau mit ihrem Einachserfest seit 2004 jedes Jahr Tausende Zuschauer an. Die diesjährige Ausgabe war zugleich auch die letzte. Die Liste könnte schier endlos weitergeführt werden: mit dem Drei-Tages-Fest «Häggenschwil nach Noten», dem zweiten Wittenbacher Dorffest, den Adventsfenstern in vielen Dörfern, den Fasnachtsanlässen und Viehschauen, den Engagements der Kirche, der Musik- und Sportvereine, Pfadi, Jubla und und und.

Ein Fest als Höhepunkt

Mörschwil hat 2015 zum Jahr der Freiwilligenarbeit erkoren. Organisiert vom Guckdoch-Team, das aus dem Zukunftskafi entstand, wurden mehrere Freiwillige im Mitteilungsblatt porträtiert. Höhepunkt war Ende Oktober das erste Freiwilligenfest mit 200 Gästen, Essen, Zauberer und dem Stimmenkünstler Martin O. Es braucht nicht jedesmal ein grosses Fest, damit sich Freiwillige wertgeschätzt fühlen. Oft reicht schon ein aufrichtiges Danke. Darum an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön all jenen, die die Region mit ihrem Einsatz stets aufs Neue bereichern und lebenswert machen.

Ende Oktober findet in Mörschwil erstmals ein Fest für die Freiwilligen statt, organisiert vom Guckdoch-Team. 200 Gäste lassen sich im Adlersaal von Stargast Martin O. begeistern. (Bild: Ralph Ribi)

Ende Oktober findet in Mörschwil erstmals ein Fest für die Freiwilligen statt, organisiert vom Guckdoch-Team. 200 Gäste lassen sich im Adlersaal von Stargast Martin O. begeistern. (Bild: Ralph Ribi)

Im Mai beteiligen sich gegen 30 Vereine am Wittenbacher Dorffest. Am Stand der Feuerwehr können gross und klein Wasser spritzen. (Bild: Benjamin Manser)

Im Mai beteiligen sich gegen 30 Vereine am Wittenbacher Dorffest. Am Stand der Feuerwehr können gross und klein Wasser spritzen. (Bild: Benjamin Manser)

Unter dem Titel «Häggenschwil nach Noten» wird Ende Mai drei Tage lang gefeiert. Unter anderem am Fürstenländer Kreismusiktag. (Bild: Peer Füglistaller)

Unter dem Titel «Häggenschwil nach Noten» wird Ende Mai drei Tage lang gefeiert. Unter anderem am Fürstenländer Kreismusiktag. (Bild: Peer Füglistaller)

Trotz nasskalten Wetters wollen Anfang September rund 14 500 Schottlandfans die vierten Appowila Highland Games live erleben. (Bild: Peter Käser)

Trotz nasskalten Wetters wollen Anfang September rund 14 500 Schottlandfans die vierten Appowila Highland Games live erleben. (Bild: Peter Käser)

Aktuelle Nachrichten