Ein Hauch von altem Glanz

RORSCHACH. Eine lange Geschichte steckt im Haus Schnell beim Rorschacher Hafen. Diese soll nun weitergeschrieben werden: Das Lokal öffnet seine Türen vorerst für Privatanlässe und Kulturveranstaltungen. Michael von der Heide macht den Auftakt.

Marco Kamber
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Das Café Schnell war einst ein Treffpunkt in der Hafenstadt. Jetzt soll die Tradition weitergeführt werden. (Bild: Postkarte aus Privatarchiv Marco Kamber)

Das Café Schnell war einst ein Treffpunkt in der Hafenstadt. Jetzt soll die Tradition weitergeführt werden. (Bild: Postkarte aus Privatarchiv Marco Kamber)

RORSCHACH. «Aha! Sie kommen aus Rorschach? Gibt es das <Café Schnell> noch?», fragte ein älterer Mann den Journalisten vor anderthalb Jahren an einem Treffen in der Nordwestschweiz. Der Herr arbeitete in den Achtzigerjahren in Kalifornien, als Gestalter für den Computer-Riesen Apple. Heute unterrichtet er Design-Studenten in Basel. Dort lebt er auch – «doch ins <Schnell> fuhr ich jedes Jahr einmal», erzählte er. Mit dem Zug und immer alleine. «Die schönste Beiz überhaupt!», schwärmt er. Bis im Frühling dieses Jahres gab es das Café Schnell noch. Doch das wollte man dem Basler Designer und Liebhaber des «alten» Schnells irgendwie nicht erzählen. Der Charme früherer Ären, als es als gutes, vornehmes Lokal bekannt war, in dem täglich eine mehrsprachige Zeitungsauswahl zur Verfügung stand, war verflogen. Die letzten Besitzer gaben sich zwar alle Mühe, doch die Besucher blieben nach dem anfänglichen Höhenflug schon bald aus.

Sporadisch offen

Martin Schildknecht und Marco Fritsche, die jetzigen Hausbesitzer, kennen das Potenzial, das im Haus an der Seestrasse steckt: «Es hat eine Tradition und ist an bester Seelage. In einer Grossstadt wäre es schon lange ein angesagter Treffpunkt», sagt Schildknecht. Er zeigt verschiedenste Postkarten-Aufnahmen aus alten Zeiten. Das Jugendstil-Gebäude wurde in den ersten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts vom bekannten Rorschacher Architekten Gaudy errichtet. In den oberen Geschossen befinden sich heute Wohnungen und ein Architekturbüro. Das Café im Erdgeschoss erinnert mit seiner lichten Architektur an die grossen Stadtcafés, wie man sie etwa in Jugendstilstädten wie Wien vorfindet. «Wir wollen wieder Leben in den schönen Raum bringen – ihn wieder für die Öffentlichkeit zugänglich machen», sagen die Eigentümer. Man wolle das Restaurant jedoch nicht voreilig einem festen Pächter überlassen, sondern setze auf punktuelle Veranstaltungen und die Vermietung der Räume für private Anlässe.

Schweizer Popgrösse

Kürzlich fand im Café Schnell das vom Kulturhistorischen Verein organisierte «Dingfest» statt. Veranstaltungen wie diese sind Fritsche und Schildknecht willkommen: «Man kann das Lokal für private, aber auch öffentliche Anlässe mieten.» Dazu zählen etwa Geburtstage, Seminare, Konzerte und Lesungen.

Auch das «Schnell-Team», welches die Hauseigentümer und Leute aus ihrem Umfeld bilden, wird von Zeit zu Zeit kulturelle Veranstaltungen durchführen. Diese Reihe feiert am 26. November ihre Premiere: Mit Michael von der Heide konnte ein Musiker von grösserer Bekanntheit engagiert werden. «Wir hoffen, mit diesem Anlass wieder etwas <Glanz> ins Café bringen zu können», sagen die Organisatoren. Sofern weitere Veranstaltungen regelmässig stattfinden, könnte das Café Schnell als neues Kulturlokal im derzeit kulturell etwas brachliegenden Rorschach wahrgenommen werden.

«Das kann sein», meinen die Initianten, präzisieren aber: «Wir sehen uns weder als Veranstaltergruppe, noch sind wir Hafenbuffet- oder Mariaberg-Nachfolger». Hinter dem Vorhaben stecke vielmehr eine Liebe zum Haus Schnell, zur Region am See, ein nicht allzu grosses finanzielles Risiko sowie die pure Freude am Gastgebersein.

www.cafeschnell.ch