Ein halbes Jahr beim Bäcker

GOSSAU. Anerkannte Flüchtlinge sollen durch das «Bäckereigehilfen-Projekt» eine Ausbildung erhalten. Seit rund zwei Wochen arbeitet Ibrahim Hashmir aus Afghanistan bei der Bäckerei Egli in Gossau.

Patrick Tobler
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Ibrahim Hashmir mit den Spitzbuben, die er gerade fertig gefüllt hat. (Bild: Patrick Tobler)

Ibrahim Hashmir mit den Spitzbuben, die er gerade fertig gefüllt hat. (Bild: Patrick Tobler)

Asylbewerber unterzubringen und in einen geregelten Arbeitsprozess einzuführen, ist eine Herausforderung. Bei der Bewältigung helfen soll dabei das «Bäckereigehilfen-Projekt». Bei diesem erhalten anerkannte Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen sowie Sozialhilfeempfänger die Möglichkeit, eine halbjährige Ausbildung zum Bäckereigehilfen zu absolvieren. In der Region gibt es zwei Bäckereien, die solche Ausbildungsplätze anbieten: Die Bäckerei Schwyter in St.Gallen und die Bäckerei-Konditorei Egli in Gossau.

Von Afghanistan nach Gossau

Ibrahim Hashmir heisst der Auszubildende, der momentan in der Bäckerei-Konditorei Egli angestellt ist. Hashmir kommt aus Afghanistan und arbeitet seit rund zwei Wochen in der Gossauer Bäckerei. Vier Tage in der Woche arbeitet er dort. Am fünften Arbeitstag besucht er Kurse im Berufszentrum in Wattwil, wo er alles lernt, was in einer Bäckerei wichtig ist. Auf die Frage, wie lange er schon in der Schweiz sei, antwortet er ohne zu überlegen: zwei Jahre und acht Monate. Er scheint die Zahl ganz genau zu kennen. Seine Deutschkenntnisse sind ziemlich gut, er spricht ruhig, wählt die Worte sorgfältig aus. Sein Heimatland Afghanistan habe er mit acht Jahren verlassen. Lange Zeit war er mit seiner Familie in Pakistan, bis er schliesslich in die Schweiz kam.

Traum vom Elektroingenieur

Gearbeitet hat der 23-Jährige bis anhin nur im Asylzentrum Thurhof in Oberbüren, wo er zeitweise untergebracht war. Sein Traum ist es, als Elektroingenieur zu arbeiten. Doch eine Lehrstelle zu finden, sei sehr schwierig. Trotzdem ist er glücklich, einen Platz gefunden zu haben, wo er, zumindest für ein halbes Jahr, arbeiten kann. Momentan pendelt er von seiner Wohnung in Oberuzwil nach Gossau. «Am Anfang war es hart, doch man gewöhnt sich schnell daran», sagt Hashmir. Arbeitsbeginn ist um 1 Uhr morgens, das braucht natürlich eine gewisse Eingewöhnungszeit.

Für beide Seiten ein Gewinn

Glücklich mit seinem neuen Angestellten ist auch der Eigentümer der Bäckerei, Robert Egli. «Er spricht schon gut Deutsch und ist immer anständig. Er weiss ausserdem, wie Sachen in die Hand genommen werden müssen. Das war bei anderen Lehrlingen nicht immer der Fall», sagt Egli. Bereits vor rund 20 Jahren habe er Asylbewerbern in seiner Bäckerei eine Anstellung gegeben. Damals sei das ganze Verfahren aber noch nicht so professionell gewesen. «Das Amt entscheidet über die Eignung einer Person und den exakten Tag, wann jemand anfangen kann zu arbeiten. Ohne Bewilligung geht gar nichts», sagt Egli. Das Projekt sei eine gute Sache für beide Seiten: Asylbewerber werden in den Arbeitsprozess integriert und die Arbeitgeber erhalten Unterstützung im Betrieb. Ob er nach Ibrahim Hashmir einen weiteren Asylbewerber anstellt, weiss er noch nicht. Wenn möglich, würde er gerne wieder jemanden anstellen.

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