Ein Garten für Demente

ST.GALLEN. Das Alters- und Pflegeheim Lindenhof baut seine Demenzabteilung aus und kommt damit einer grossen Nachfrage nach. Kernstück der Erweiterung ist ein Demenzgarten.

Kathrin Reimann
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Im Alters- und Pflegeheim Lindenhof entstehen nächstes Jahr eine weitere Demenzstation sowie ein spezieller Garten. (Bild: pd)

Im Alters- und Pflegeheim Lindenhof entstehen nächstes Jahr eine weitere Demenzstation sowie ein spezieller Garten. (Bild: pd)

8 Prozent der über 65-jährigen Menschen und mehr als 30 Prozent der über 90-Jährigen sind von Alzheimer oder einer anderen Demenzform betroffen. Laut der Schweizerischen Alzheimervereinigung werden im Jahr 2030 in der Schweiz bereits 200 000 Menschen mit Demenz leben. Ein Teil davon auch in der Stadt St. Gallen, wo es bisher nur wenige Einrichtungen für Betroffene gibt.

Nachfrage nach Plätzen ist gross

Aufgrund dieses Mankos hat das Alters- und Pflegeheim Lindenhof ein Baugesuch zum Ausbau seiner Demenzabteilung eingereicht. Dieses ist nun, nachdem es sich wegen einer Einsprache um ein Jahr verzögert hatte, bewilligt worden. Im nächsten Sommer kann mit dem Umbau begonnen werden, im November 2015 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. «Das Erdgeschoss, welches normale Alterswohnungen beherbergt, wird auch auf die Bedürfnisse von Dementen ausgerichtet», sagt Klaus Schmuki von der Lindenhof-Trägerschaft. Damit wollen sie der grossen Nachfrage nach Plätzen für Demenzkranke nachkommen.

Infrastruktur und Personal

Auch in der Lindenhof-Tagesstätte – wo Angehörige ihre «Patienten» für eine begrenzte Zeit zur Pflege abgeben können – habe es vorwiegend Demente. «Diese brauchen nicht nur eine spezielle Infrastruktur, auch das Personal muss entsprechend geschult sein.» Um den speziellen Bedürfnissen Demenzkranker nachzukommen, wird im «Lindenhof» ein Demenzgarten gebaut, es ist das erste Projekt dieser Art in der Stadt. «Viele Demenzkranke brauchen Bewegung und sind ständig unterwegs», so Schmuki. In dem Garten könnten sie sich frei bewegen und würden mittels Farben und Gerüchen geführt werden, könnten sich alleine zurechtfinden, und da es ein geschlossener Bereich sein wird, auch nicht davonlaufen. Für Innenarchitektin Susi Frischknecht von P&S Frischknecht steht das Anregen der Demenzkranken im Vordergrund: «Sie sollen immer etwas zu beobachten haben, sei es das Leben rundherum oder Vögel, Wasser, Wind und blühende Pflanzen.» Zudem soll der Garten übersichtlich sein, ein Sicherheitsgefühl geben, die Möglichkeit, auch selber im Garten zu arbeiten bieten und zudem das ganze Jahr zugänglich sein. «Dem Projekt ging eine grössere Recherche voraus», erklärt Susi Frischknecht. Um Orientierungspunkte zu schaffen, sind zudem Fahnen, eine Wetterstation und Bäume in den Garten integriert.

Auch im erweiterten Demenzbereich im Parterre wird der Bau so angelegt, dass sich die Dementen frei bewegen können. «Zudem haben wir Stationen, wo sie essen und Dinge anfassen können – auch wichtige Bedürfnisse Demenzkranker», sagt Klaus Schmuki. Ausserdem werde es im neuen Bereich nur noch Doppel- und keine Einzelzimmer mehr geben. «Einerseits sind die Patienten nur zum Schlafen in ihren Zimmern, andererseits fühlen sie sich wohler, wenn noch jemand da ist.» Auch wenn das für Angehörige oft problematisch und schwer zu verstehen sei.

Gesuch für Beitrag ist pendent

Der Umbau, der im Sommer 2015 beginnt, dauert voraussichtlich drei bis vier Monate. Die Kosten belaufen sich dabei gemäss Schmuki auf rund 1,7 Millionen Franken. Ein Gesuch für einen Baubeitrag ist derzeit beim Stadtrat pendent. «Ich gehe aber davon aus, dass wir einen Baubeitrag bekommen», sagt Schmuki.

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