Ein Duo mit viel Hall

Dominik Kesseli und Michael Gallusser sind von der Band Stahlberger bekannt. Jetzt nennen sich die St. Galler Lord Kesseli and the Drums und spielen Lieder, die ganze Kirchenschiffe füllen.

Roger Berhalter
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Videodreh in der Grabenhalle mit Ministranten: Dominik Kesseli (in Weiss) und Michael Gallusser. (Bild: pd)

Videodreh in der Grabenhalle mit Ministranten: Dominik Kesseli (in Weiss) und Michael Gallusser. (Bild: pd)

Auf den ersten Blick wirkt das Projekt Lord Kesseli and the Drums leicht grössenwahnsinnig. Da bezeichnet sich einer auf englisch als Gott, stellt sich wie ein Messias im weissen Gewand auf die Bühne, dreht ein Video mit Ministranten und beginnt sein Album mit den Worten «Im Namen des Vaters».

Zwei von Stahlberger

Doch Lord Kesseli and the Drums ist keine abgehobene Sekte, sondern das sind zwei St. Galler Musiker mit Bodenhaftung. Dominik Kesseli und Michael Gallusser zählen zu den umtriebigsten Musikern der regionalen Szene. Wobei man sie besser unter anderen Namen kennt: Kesseli trommelte für das Electro-Pop-Duo Kaltehand und Natasha Waters, und er ist die eine Hälfte des Duos A Crashed Blackbird Called Rosehip. Gallusser betreibt in Lachen seit Jahren das Tonstudio QFLM und steht im Palace regelmässig am Mischpult. Vor allem aber kennt man die beiden von der Band des Liedermachers Manuel Stahlberger, mit dem sie in den vergangenen Monaten ausgiebig auf Tour waren.

Jetzt ist aber Zeit für etwas Neues. Kesseli und Gallusser haben endlich die Zeit gefunden, gemeinsam Songs aufzunehmen. «Lord Kesseli and the Drums» heisst die EP mit sechs Liedern, die sie morgen Samstag im Palace taufen.

Es klingt wie im St. Petersdom

Die Lieder von «Gott» Kesseli und Drummer Gallusser sind gross geworden. Das bezieht sich vor allem auf das Klangbild: Den Stimmen und Gitarren und Synthesizern haben die beiden im Studio so viel Hall beigemischt, dass die Lieder ganze Kirchenschiffe zu füllen vermögen. «St. Petersdom» hiess denn auch passend die Konfiguration auf dem Hallgerät, die Gallusser bei den Aufnahmen am häufigsten einstellte.

«Zuerst wollten wir Stadionrock machen, aber wir hatten keine Lust auf die typischen Posen der Rockbands», sagt Gallusser und lacht. Trotzdem klingen in den Liedern immer noch viele verzerrte Rockgitarren an. Kesseli singt und zupft die Saiten, Gallusser trommelt, und es gelingt ihnen, elektronische Sounds und den Live-Klang einer Band zusammenzubringen. Mit Gitarre und Schlagzeug treiben sie die Songs voran und steuern die Lautstärke. Dazu legen sie komplexe Synthesizer-Schichten übereinander, und über allem schwebt die Stimme von Kesseli.

«Wir haben lange am Klangbild getüftelt», sagt Gallusser. «Schliesslich haben wir die Lieder so produziert, wie man es eigentlich nicht machen sollte.» Unter anderem eben mit viel zu viel Hall.

Die Engel singen mit

Die Songs von Lord Kesseli and the Drums entwickeln einen Sog, dem man sich schwer entziehen kann. Als Hörer wähnt man sich im Himmel oder in den Weiten des Alls; der Clip zur ersten Single «Fade» zeigt denn auch einen einsamen Astronauten. Es wimmelt auch von Anspielungen auf die katholische Kirche. Zu Beginn des Albums spricht ein Pfarrer, am Schluss erklingt ein Kirchenmusik-Klavier, und Kesselis Stimme ist so abgemischt, als würden Engel mitsingen. «Ich habe in meiner Jugend in Kirchenchören gesungen», sagt Kesseli. «Das hat mich geprägt, Choräle finde ich immer noch schön.» Vor diesem sakralen Hintergrund inszeniert sich das Duo gekonnt und irritierend. Das gilt auch für den neuen Videoclip, den Kesseli und Gallusser in der Grabenhalle gedreht haben – samt Ministranten und «St. Petersdom»-Hall.

Plattentaufe: Morgen Samstag, 22 Uhr, Palace (mit Lou Ees, Emilie Zoé und DJ Bitte nicht nach Hause schicken)