Ein Dach für zwei Gemeinden

Berg SG will auch in Zukunft als Gemeinde autonom bleiben – aber nicht stillstehen. Das Dorf will den Weg in die Einheitsgemeinde gehen. Ambitiöses Ziel: Sie soll auf den 1. Januar 2013 eingeführt werden.

Marianne Bargagna
Drucken
Teilen
Ein politisches Dach für zwei Gemeinden? Im Berger Gemeindehaus (links) und im Schulhaus wird darüber diskutiert. (Bilder: Benjamin Manser)

Ein politisches Dach für zwei Gemeinden? Im Berger Gemeindehaus (links) und im Schulhaus wird darüber diskutiert. (Bilder: Benjamin Manser)

berg sg. Als Gemeinde eigenständig bleiben will die Mehrheit der Berger. Das geht aus einer Umfrage hervor, die vor drei Jahren durchgeführt wurde. Und das will auch der Gemeinderat. Eine Mehrheit möchte auch die Einheitsgemeinde. Das bedeutet, die Primarschulgemeinde auflösen und in die politische Gemeinde inkorporieren. Auch diesem Wunsch kann der Gemeinderat Positives abgewinnen. Denn: «Wir wollen nicht stillstehen», sagt Gemeindepräsident Paul Huber. Den Schritt in eine Einheitsgemeinde haben in der Region bereits Tübach, Goldach, Gaiserwald, Gossau, die Stadt St. Gallen, Rorschach und Rorschacherberg getan. Waldkirch wird ab 1. Januar eine Einheitsgemeinde sein. Und in Steinach werden, wie in Berg, erste Schritte unternommen.

«Eine spannende Sache»

Ein Jahr nach besagter Umfrage regte ein Berger an der Bürgerversammlung an, die Einführung einer Einheitsgemeinde zu prüfen. Der Gemeinderat hörte die Botschaft und machte sich zusammen mit dem Schulrat an die Arbeit. Ein Kernteam wurde gegründet. Ihm gehören neben dem Gemeindepräsidenten Ratsschreiber Bruno Huber, Schulrätin Karin Huber, Schulsekretärin Sandra Dörig und Schulkassier Felix Sennhauser an.

Für den Berger Gemeindepräsidenten ist klar: Wenn schon eine Einheitsgemeinde eingeführt werden soll, so sollte dies auf Beginn einer neuen Legislaturperiode geschehen. Und das wäre auf den 1. Januar 2013. So wüsste man auch, wie die Gesamterneuerungswahlen im Herbst 2012 angegangen werden müssten. «Wir geben Gas», sagt Paul Huber. Jeden Monat werde zu einer Sitzung einberufen und zusätzlich gebe es auch noch «Hausaufgaben». Es sei eine «spannende Sache, verantwortungsvoll und wegweisend».

An der Urne entscheiden

Begleitet werden die Berger auf ihrem Weg in eine mögliche Einheitsgemeinde von Guido Kriech, Inhaber der Firma KMU-Beratung. Er berät auch Steinach, wo man sich ebenfalls das Ziel gesetzt hat, auf 1. Januar 2013 die Einheitsgemeinde einzuführen. Doch bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Das weiss auch Paul Huber. Nach verschiedenen Sitzungen gehe es nun darum, eine Auslegeordnung zu machen, Vor- und Nachteile abzuwägen. Danach wird das Kernteam den Ball den Stimmberechtigten der Schulgemeinde zuspielen. Diese werden im Laufe des nächsten Jahres an der Urne entscheiden können, ob sie ihre Schulgemeinde auflösen und in eine Einheitsgemeinde überführen wollen. Selbstverständlich würden die Schulbürger vorgängig über das Projekt informiert, sagt Huber.

Weniger Behördemitglieder

Vorteile in einer Einheitsgemeinde macht Paul Huber vor allem im personellen Bereich aus. Würde die Administration der Schule auf der Gemeindeverwaltung erledigt, könnte sich die Schulbehörde auf die pädagogischen Aufgaben konzentrieren. Das ist das eine, das andere: Man bräuchte nicht mehr so viele Behördemitglieder. Huber könnte sich vorstellen, dass in einer Einheitsgemeinde anstelle eines Schulrates eine Schulkommission installiert werden könnte, die aus drei bis fünf Mitgliedern bestünde. Heute müssen in Berg jeweils je fünf Mitglieder des Gemeinderates und des Schulrates gewählt werden. Und natürlich die Mitglieder von zwei Geschäftsprüfungskommissionen. In einer Einheitsgemeinde würde eine GPK genügen.

Gäbe es auch finanzielle Vorteile? «Nein», sagt Huber, «ich glaube nicht, dass wir grosse Einsparungen generieren würden. Das wäre eine Illusion.»

Gelder vom Kanton

Trotzdem: Etwas Geld vom Kanton können die Berger schon erwarten, und zwar an die Kosten für die Arbeit, welche die Vorbereitung einer Einheitsgemeinde verursachen. Guido Kriech sagt, dass in einer kleineren Gemeinde ungefähr 40 000 Franken für die externe Beratung und die internen Zusatzleistungen genügen sollten. Vom Kanton könne an diese Kosten ein Beitrag in der Höhe von bis zu 50 Prozent erwartet werden.

Aktuelle Nachrichten