Ein Dach für den Winter

Im November wird das Winterquartier für Stadtsanktgaller Fahrende im Schiltacker eröffnet. Damit steigt die Zahl solcher Unterkünfte im Kanton St. Gallen auf drei, schweizweit auf 15.

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Der Schiltacker von der Passage unter dem Sitterviadukt der Stadtautobahn aus gesehen. Im Vordergrund das Winterquartier für die Fahrenden. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der Schiltacker von der Passage unter dem Sitterviadukt der Stadtautobahn aus gesehen. Im Vordergrund das Winterquartier für die Fahrenden. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das Projekt im Schiltacker wurde ursprünglich von der Stadt zusammen mit den Betroffenen ausgearbeitet. Umgesetzt wird es jetzt von einer Stiftung. In den fünf einstöckigen Doppelhäusern mit insgesamt zehn Wohnungen erhalten Familien, die an der halbnomadischen Lebensweise festhalten wollen, eine Wohnung für den Winter.

Für Fahrende aus St. Gallen

Bauherrin des Winterquartiers am Hang über dem parallel hochgezogenen Neubau der Hundesporthalle ist die Stiftung «Plätze für Fahrende, St. Gallen». Vermietet würden die Wohnungen ausschliesslich an fahrende Familien, die einen Bezug zur Stadt St. Gallen hätten, sagte Urs Glaus, Geschäftsführer der Stiftung, gestern gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Die Familien könnten künftig ausserhalb der Fahrzeit, vor allem im Winter, auf dem Schiltacker im Sittertobel in ihrer Gemeinschaft und gemäss ihrer Lebensweise wohnen. Die Kosten für das Neubauvorhaben betragen rund drei Millionen Franken. Finanziert wird der Standplatz hauptsächlich über Darlehen – darunter solche von Stadt und Bund – sowie durch Hypothekarkredite. Verzinst und amortisiert werden die Gelder über die Mieten. Stadt und Kanton leisten je einen Beitrag von zehn Prozent an die Baukosten des Projekts.

Platz für die Hälfte

Die Forderungen der Schweizer Fahrenden bezüglich Standplätzen sind seit Jahren dieselben: Sie möchten mehr davon für den Winter, aber auch mehr Durchgangsplätze, auf denen sie im Sommer haltmachen können. Solche Plätze seien für die Jenischen lebensnotwendig, um ihre Familie zu ernähren.

Die Zahl der Winterstandplätze steigt mit jenem in der Stadt St. Gallen auf 15. Das reiche längst nicht für alle Schweizer Fahrenden, sagt Glaus. Schweizweit seien mindestens 40 solcher Standplätze für die kalte Jahreszeit notwendig.

Rund 2500 bis 3000 Fahrende halten heute in der Schweiz noch an der halbnomadischen Lebensweise fest. Rund 1500 davon leben auf einem Standplatz, die übrigen verbringen den Winter in Wohnungen in ihrer Wohnsitzgemeinde, heisst es im dritten Staatenbericht der Schweiz aus dem Jahr 2012.

Verzögerung durch Einsprachen

Die Zahl der Durchgangsplätze, auf denen die Fahrenden sich in den Sommermonaten aufhalten, ist in den letzten Jahren in der Schweiz von 51 auf 43 zurückgegangen. Laut einem Gutachten der Stiftung «Zukunft für Schweizer Fahrende» aus dem Jahr 2010 wären schweizweit 82 Durchgangsplätze nötig, um die Nachfrage danach abzudecken.

Der Bundesrat hielt in seinem Bericht zudem fest, die Fahrenden würden häufig immer noch nicht als vollwertiger Bestandteil der Schweizer Bevölkerung wahrgenommen. Sie litten daher auch unter Vorurteilen. So auch im Kanton St. Gallen, wo in Thal und Gossau Durchgangsplätze geplant sind. Obwohl vom Kanton bereits Geld gesprochen wurde, blockieren Einsprachen die Umsetzung der Projekte.

Der Gossauer Platz ist direkt an der Grenze zur Stadt St. Gallen geplant. Seine Erschliessung soll zudem vollumfänglich über ihr Gebiet durch das Quartier Winkeln erfolgen. Diese Planung hat bei Teilen der betroffenen Bevölkerung harsche Kritik und entsprechend dann auch Einsprachen ausgelöst.

Jenische, Roma und Sinti

Ein grosser Teil der Schweizer Fahrenden gehört zur Gemeinschaft der Jenischen. Die ausländischen Fahrenden, die im Sommer durch die Schweiz reisen, sind dagegen in aller Regel Roma oder Sinti. Sie stammen mehrheitlich aus Ländern wie Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien. (sda)