Ein Café wie ein Wohnzimmer

ST.GALLEN. In der Hauptpost entsteht derzeit die neue, gemeinsame Bibliothek von Stadt und Kanton. Ihr schönster Ort ist aber nicht für Bücher reserviert. Mit dem «Café St-Gall» will die Bibliothek ein Platz zum Verweilen werden – mit 22 Zeitungen und 100 Zeitschriften im Angebot.

Janique Weder
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Ausleihen war gestern, heute sind Bibliotheken Treffpunkte: Das «Café St-Gall» in der neuen Bibliothek Hauptpost. (Bild: Urs Bucher)

Ausleihen war gestern, heute sind Bibliotheken Treffpunkte: Das «Café St-Gall» in der neuen Bibliothek Hauptpost. (Bild: Urs Bucher)

Weil Kaffee und Literatur spätestens seit den Wiener Kaffeehausliteraten zusammengehören. Und weil Bibliotheken schon längst nicht mehr nur zum Ausleihen genutzt werden. In der neuen Bibliothek Hauptpost entsteht mit dem «Café St-Gall» ein Treffpunkt, der Gemütlichkeit ausstrahlen und zum Verweilen einladen soll.

Pächter noch unbekannt

40 Leseplätze und eine Bar, in den Regalen und auf Gestellen 22 Zeitungen und knapp 100 Zeitschriften. So wird sich das «Café St-Gall» Ende Februar präsentieren, wenn die Bibliothek Hauptpost ihren Betrieb aufnimmt. Noch ist unklar, wer die Betreiber sein werden. Laut Katrin Meier vom kantonalen Amt für Kultur wird sich das spätestens Ende Januar entscheiden. So viel vorneweg: Das «Café St-Gall» biete nebst Getränken auch kleinere, kalte Speisen an.

Kritik in der Anfangsphase

Christa Oberholzer ist Leiterin der Stadtbibliothek und wird gemeinsam mit Kantonsbibliothekarin Sonia Abun-Nasr das Provisorium an der Hauptpost leiten. Oberholzer hat klare Vorstellungen davon, was das «Café St-Gall» sein soll: Treffpunkt und Veranstaltungsort. «Bibliotheken werden je länger, je mehr zum zweiten Wohnzimmer», sagt sie. Und wie es sich für ein Wohnzimmer gehört, wird es im Café nicht immer mucksmäuschenstill sein. Deshalb hätten in der Anfangsphase einige dem Café kritisch gegenübergestanden, sagt Oberholzer. Mittlerweile seien die Teams von der Stadt- und der Kantonsbibliothek jedoch vom Projekt überzeugt. «Es ist gut, dass das Café auf der Seite der Stadtbibliothek steht», sagt Oberholzer. So könne in der «Nordhalle», auf der Seite der Kantonsbibliothek, konzentriert gearbeitet werden. Etwa im Turmzimmer, das mit rotem Teppich, grossen Lesetischen und wandhohen Regalen an eine klassische Bibliothek erinnert.

Ein Abend für Wein und Buch

Das «Café St-Gall» im südöstlichen Teil des Gebäudes ist das Gegenstück. An seiner Stelle befand sich früher das Büro der Postdirektion. Daran erinnern Deckenstuckaturen, die beim Umbau wieder zum Vorschein gekommen sind. Eine überdimensionale Stickerei bringt zudem Farbe in die ansonsten karge Bibliothekslandschaft. Sie wurde von den St. Galler Architekten Barão-Hutter in Zusammenarbeit mit dem Textilunternehmen Jakob Schläpfer entworfen und könnte künftig als Kulisse für Veranstaltungen verschiedener Art dienen. «Lesungen oder Diskussionsrunden sind willkommen», sagt Christa Oberholzer. Sie denke dabei etwa an die Philosophische Gesellschaft, die bereits heute Leseabende in der Stadtbibliothek veranstaltet und für die das Café ein geeigneter Ort wäre. Angedacht ist laut Oberholzer ausserdem ein monatlich stattfindender «Wein und Buch»-Abend.

Zukunft mit klarem Profil

Im «Café St-Gall» herrscht kein Konsumationszwang. Umgekehrt braucht man keinen Bibliotheks-Pass, um etwas trinken zu gehen. Ein Kaffee für jedermann also. Mit einem Haken: Es liegt versteckt im ersten Stock. Hat das eine Zukunft? Gallus Hufenus, Betreiber des «Kaffeehaus», sagt dazu: «Mit einem klaren Profil ist das möglich.» Die Kombination von Kaffee und Literatur sei beliebt, und wenn die Qualität des Kaffees stimme, würden die Leute das wertschätzen. Zwar werde das «Café St-Gall» kaum Zufallspublikum haben. «Doch eine Bibliothek ist ja auch kein Ort, wo man zufällig hingeht.»