Ein Café, um sich zu erinnern

GOSSAU. Heute findet in Gossau erstmals ein Trauercafé statt. Das Angebot bietet nicht nur Raum, um zu trauern, sondern auch, um sich an fröhliche Momente mit dem Menschen zu erinnern, der fehlt.

Nina Rudnicki
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Ideengeber des Trauercafés in Gossau: Pfarreileiter Sepp Koller im Friedegg-Treff. (Bild: Urs Bucher)

Ideengeber des Trauercafés in Gossau: Pfarreileiter Sepp Koller im Friedegg-Treff. (Bild: Urs Bucher)

Ein paar Kerzen, Kaffee, Tee und Gebäck: Zum erstenmal treffen sich heute abend Angehörige von Verstorbenen im neuen Trauercafé in Gossau. «Im Mittelpunkt wird das stehen, was die Teilnehmenden thematisieren», sagt die Gossauer Pfarrerin Friederike Gretzky. Zusammen mit ihrem katholischen Kollegen Sepp Koller, dem Verein Friedegg-Treff und dem Palliative-Forum Tannenberg Gossau organisiert sie das Trauercafé im Friedegg-Treff. Einmal im Monat soll es den Angehörigen einen Raum bieten, wo sie sich austauschen und diskutieren können.

Ort der Begegnung

Die Idee dazu hatte Sepp Koller, der sich nebst seiner Tätigkeit als Pfarreileiter auch im Vorstand des Friedegg-Treffs engagiert. «Während einer Weiterbildung in der Psychiatrischen Klinik Wil zum Thema systemische Trauerbegleitung haben wir uns auch mit Trauercafés beschäftigt», sagt Koller. Als Mitglied der Kerngruppe vom Palliative-Forum Tannenberg Gossau habe er zudem Kontakt mit Menschen, die selber in solchen Cafés tätig sind. Und weil es an vielen Orten rund um Gossau – etwa in St. Gallen, Wittenbach, Herisau oder Flawil – bereits solche Treffpunkte gibt, fand Sepp Koller, dass es Zeit war, auch in Gossau ein Trauercafé zu eröffnen. «Der Friedegg-Treff soll ein Haus der Begegnung sein, das für alle Menschen geöffnet ist. Es ist also der passende Ort dafür, unsere Idee umzusetzen», sagt der Pfarreileiter.

Das Trauercafé ist ökumenisch ausgerichtet. Weil Trauer nicht an eine Konfession oder Religion gebunden sei, sagt Koller. Eingeladen sind alle erwachsenen Personen, unabhängig von Glaube und Alter. Allerdings wird das Thema Tod und Trauer aus der christlichen Perspektive betrachtet, wo auch die Glaubensfrage «Leben nach dem Tod» mitspielt.

Momente der Stille

Während des Abends wird es zunächst einen offenen Austausch geben. Die Teilnehmer können sich mit Getränken versorgen, sich einen Platz an einem der Tische im Friedegg-Treff suchen und miteinander ins Gespräch kommen. Danach folgt eine Vorstellungsrunde. «Man kann seine Situation schildern und beschreiben, wie es einem geht oder was sich seit dem Todesfall alles verändert hat», sagt Gretzky. «Anschliessend werden wir in einem <Blitzlicht> beschreiben, wie es uns nach dem Austausch geht.» Zum Abschluss habe dann jeder während einiger Momente der Stille die Gelegenheit, sich noch einmal an den Menschen zu erinnern, der fehlt.

An allen Abenden gibt es auch die Möglichkeit, einen Termin für ein privates Gespräch mit einem der beiden Seelsorger abzumachen.

Neue Lebenssituation

Das Trauercafé eignet sich für Personen, deren Angehörige vor nicht weniger als acht Wochen gestorben sind. Nach oben ist hingegen keine Grenze gesetzt. «Menschen gehen unterschiedlich mit dem Tod um», sagt Gretzky. «Einige Menschen lassen sich schneller auf die neue Lebenssituation ein. Andere trauern ihr Leben lang und schaffen es nicht, die Lücke neu zu füllen, die der Verstorbene hinterlassen hat.» Für das Zusammentreffen im Trauercafé gilt die Regel der Verschwiegenheit. Was sich die Teilnehmer erzählen, soll unter ihnen bleiben. Auch gehe es nicht darum, andere Sichtweisen zu bewerten, sagt Gretzky. Für die einen sei es sehr schmerzhaft, über ihren Verlust zu reden. Andere empfänden dies hingegen gerade als Befreiung. «Und nicht zuletzt darf nebst dem Trauern auch gelacht werden», sagt Gretzky. Denn zu den schönen Erinnerungen an die Verstorbenen gehören oftmals jene Momente, in denen man gemeinsam ausgelassen und fröhlich war. «Auch das wollen wir im Trauercafé miteinander teilen.»

Trauercafé, jeweils 19.30 bis 21 Uhr im Friedegg-Treff, Friedeggstrasse 7, Gossau. Daten: 26.1., 17.2., 17.3., 19.4., 19.5., 14.6.

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