Ein Bushof im Untergrund?

Wahlkämpfer dürfen grossartige Träume und schrille Ideen haben. So profiliert man sich schliesslich. Am FDP-Podium «Poli-Tisch» zur Neugestaltung des Bahnhofplatzes haben sie teilweise dann aber schon etwas gar dick aufgetragen.

Reto Voneschen
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Bahnhofplatz St. Gallen: Fussgänger, Busse, Postautos und die Schienen der Trogenerbahn auf der wichtigsten ÖV-Drehscheibe der Ostschweiz. (Bild: Urs Jaudas)

Bahnhofplatz St. Gallen: Fussgänger, Busse, Postautos und die Schienen der Trogenerbahn auf der wichtigsten ÖV-Drehscheibe der Ostschweiz. (Bild: Urs Jaudas)

Auf Montagabend hatte die FDP-Stadtpartei zur neusten Auflage ihrer Diskussionsveranstaltung geladen. Thema: die Neugestaltung des Bahnhofplatzes. Baudirektorin Elisabeth Beéry vertrat auf dem Podium das vorliegende Umgestaltungsprojekt. Bei dessen Verteidigung gegen Kritik und Visionen von SVP-Stadtratskandidat Markus Straub, FDP-Stadtparlamentarier Marcel Rotach und CVP-Stadtratskandidatin Patrizia Adam lief sie zu Hochform auf.

Projekt liegt beim Stadtrat

Die ganze Debatte unter der Leitung von FDP-Stadtparlamentarierin Jennifer Deuel krankte etwas daran, dass es im Moment keine wirklichen Neuigkeiten zum Projekt gibt. Bekannt ist, dass der vieldiskutierte Leuchtkubus über der Ankunftshalle des Hauptbahnhofs überarbeitet worden ist. Bekannt ist auch, dass die SBB einlässlich geprüft haben, wie viel sie denn nun tatsächlich in Unterführungen und neue Ankunftshalle investieren wollen.

Das überarbeitete Projekt für den neuen Bahnhofplatz und der Entwurf für die Parlamentsvorlage liegen vor. Die Papiere und Pläne sind allerdings vom Stadtrat noch nicht diskutiert und beschlossen worden. Entsprechend konnte Stadträtin Beéry am Montagabend im Restaurant Dufour auch keinen Einblick darin geben. Sie stellte zwangsläufig die bekannten Grundzüge des 50-Millionen-Vorhabens nochmals vor.

An die aktuelle Entwicklung angepasst wurde der Zeitplan für die Reorganisation und Neugestaltung des Bahnhofplatzes. So soll der Stadtrat die Parlamentsvorlage um Ende August diskutieren. Danach soll sie im Herbst dem Stadtparlament zur Beratung zugehen. Sagt es Ja, soll die Volksabstimmung in der ersten Hälfte 2013 stattfinden. Und sagt auch das Volk Ja, könnten Detailprojektierung und Reorganisation des öffentlichen Verkehrs eingeleitet werden. Baubeginn wäre frühestens Anfang 2015. Eingeweiht werden könnte der neue Platz dann 2017.

Visitenkarte auffrischen

In der Debatte auf dem Podium und auch aus dem Publikum blieb am Montagabend unbestritten, dass eine Auffrischung des Bahnhofsplatzes nötig ist. Die wichtigste ÖV-Drehscheibe der Ostschweiz sei gleichzeitig die Visitenkarte der Stadt für Reisende. Ihre Gestaltung sei in die Jahre gekommen, sie sei unpraktisch und teils schmuddelig, hiess es. Mit dem vorliegenden Reorganisations- und Gestaltungsprojekt habe die Stadt ihre Pflicht erfüllt. Jetzt brauche es aber noch die Kür, nämlich weitergehende Überlegungen, wie man offene Fragen langfristig lösen könne, waren sich Markus Straub (SVP) und Marcel Rotach (FDP) einig.

Eine Vision für ein «Generationenprojekt» Bahnhofplatz entwickelte Markus Straub. Er plädierte für einen unterirdischen Bushof. Er mache den Platz komplett frei für andere Nutzungen. Auch die Zu- und Wegfahrten für den öV müsse man vom Brühltor bis hinter St. Leonhard unter den Boden verlegen.

Alternativen untersuchen

Marcel Rotach gab sich – unterstützt von Patrizia Adam – mit einer einfacheren Variante zufrieden: Er machte sich – unter anderem wegen der Verkehrssicherheit – vehement für die Verlängerung der Rathaus-Unterführung unter dem Bushof bis zum Kornhausplatz stark. Und äusserte gleichzeitig Skepsis zur Befreiung des Bahnhofplatzes vom Autoverkehr (die Auto-Vorfahrt wird hinter den Hauptbahnhof, in die Parkgarage der Fachhochschule, verlegt).

Patrizia Adam drehte im Laufe der Diskussion auch auf: Das vorliegende Projekt sei auf ein Grundkonzept festgelegt. Es fehlten die kreativen, über einen längeren Zeithorizont tragenden Alternativen. Etwa die Verlegung von Buslinien vom «übervölkerten» Bahnhofplatz an die Rosenbergstrasse, ein Tunnel für die Trogenerbahn vom Burggraben bis zum Gaiserbahnhof, ein Bus- oder Postautohof über den Bahngeleisen.

Visionen zu teuer?

Elisabeth Beéry liess diese Forderungen nicht gelten. Das vom Stadtrat erarbeitete und vom Parlament in Anwesenheit von Rotach und Adam mehrfach im Prinzip gutgeheissene Projekt entspreche den Erwartungen ans Wachstum des öV auf dem Bahnhofplatz bis etwa 2035. Darüber hinaus zu planen, mache wenig Sinn. Jedes Projekt müsse zudem finanzierbar sein und in der Volksabstimmung bestehen können. Und, auch das habe die Abstimmung über die Neugestaltung von Marktplatz/Bohl gezeigt, da gebe es eine Obergrenze, was das Volk zu akzeptieren bereit sei.

Visionen, wie sie Markus Straub habe, seien technisch vielleicht machbar. Aber: Sie seien bis 2035 nicht nötig und vor allem seien sie sehr, sehr teuer. Eine unterirdischer Bushof werde Hunderte Millionen kosten. Gegen die Verlängerung der Unterführung sprächen anderseits verschiedene technische Gründe sowie ihr schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Zudem, so wurde Beéry von einem Votanten aus dem Publikum unterstützt, seien Unterführungen sicherheitstechnisch problematisch.