Ein Bundesrat auf Besuch

Bundesrat Johann Schneider-Ammann besuchte gestern St. Gallen. Er liess sich ein neues Programm zur Rekrutierung von Fachkräften erklären. Vor allem Ältere sollen davon profitieren.

David Gadze
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Bundesrat Johann Schneider-Ammann im Gespräch mit VBSG-Chauffeur René Grob, der vom Pilotprojekt der VBSG und des Kantons profitiert hat. (Bild: Ralph Ribi)

Bundesrat Johann Schneider-Ammann im Gespräch mit VBSG-Chauffeur René Grob, der vom Pilotprojekt der VBSG und des Kantons profitiert hat. (Bild: Ralph Ribi)

Hoher Besuch aus Bern in St. Gallen: Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat sich gestern in der Werkhalle der Verkehrsbetriebe St. Gallen das kantonale Ausbildungsprogramm für Fachkräfte «Qualiwork» vorstellen lassen. Dieses wirkt dem Fachkräftemangel in verschiedenen Branchen entgegen. Es basiert auf einem Pilotprojekt, welches das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St. Gallen und die VBSG zusammen entwickelt haben.

Probleme entschärfen

Die Ostschweiz sei aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Industriedichte überproportional vom Mangel an Fachkräften betroffen, sagte eingangs Regierungspräsident Benedikt Würth, Vorsteher des kantonalen Volkswirtschaftsdepartements. «Es braucht Massnahmen, um diese Probleme zu entschärfen.»

Verschiedene Faktoren hätten den Markt für Fachkräfte in der Schweiz austrocknen lassen, sagte VBSG-Unternehmensleiter Ralf Eigenmann. Das Rekrutieren von neuem Fahrpersonal werde je länger, desto schwieriger. Zusammen mit dem Kanton haben die VBSG deshalb ein Pilotprojekt lanciert und ein neues Konzept erarbeitet: Der Arbeitgeber definiert ein Anforderungsprofil für zu besetzende Stellen. Aufgrund dieser Angaben rekrutiert das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) potenzielle Kandidaten. Dabei berücksichtigt es vor allem Stellensuchende über 50 Jahre, für die der Wiedereinstieg in die Arbeitswelt oft schwierig ist. Die Fachkompetenzen werden dann im Betrieb vermittelt.

Auch andere Branchen

Den VBSG sei es in diesem Jahr so gelungen, fünf Personen zu Chauffeuren auszubilden und vier von ihnen einzustellen, sagte Eigenmann. Das Verfahren sei inzwischen institutionalisiert, weitere fünf Chauffeure würden bereits ausgebildet.

Dieses Modell werde nun übernommen und mit dem Projekt «Qualiwork» auch auf andere Branchen ausgedehnt, sagte Benedikt Würth. Dadurch liessen sich unter den rund 10 000 Stellensuchenden Fachkräfte im Arbeitsmarkt reintegrieren.

Solche Projekte sehr wertvoll

Der zweite Teil des Besuchs von Bundesrat Schneider-Ammann führte zur Steinemann Technology AG nach Winkeln. Dort stellte der Verein Familienplattform Ostschweiz Massnahmen vor, mit denen er die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördert.

Der Wirtschaftsminister zeigte sich angetan von den Projekten. Es sei schön, wenn das Fachkräftepotenzial im Inland genutzt werde und besonders über 50-Jährige durch solche Projekte unterstützt werden.