Ein Buch mit versteckten Seiten

RORSCHACH. Mark Riklin und Selina Ingold haben gestern abend an der Vernissage ihr Buch «Stadt als Bühne» präsentiert. Wie schon das von ihnen initiierte gleichnamige FHS-Projekt sprengt auch das Buch den Rahmen des Alltäglichen.

Corina Tobler
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Objekt der Begierde: Das in drei Farben erhältliche Buch liefert Mark Riklin (ganz hinten), Selina Ingold (in Schwarz) und den Gästen an der Vernissage einiges an Gesprächsstoff. (Bild: Corina Tobler)

Objekt der Begierde: Das in drei Farben erhältliche Buch liefert Mark Riklin (ganz hinten), Selina Ingold (in Schwarz) und den Gästen an der Vernissage einiges an Gesprächsstoff. (Bild: Corina Tobler)

Es sei ein Versprechen auf Abwechslung, beschrieb Sebastian Wörwag, Rektor der FHS St. Gallen, das Buch «Stadt als Bühne – Szenische Eingriffe in einen Stadtkörper» an der Vernissage im Kettenhaus den zahlreich erschienenen Gästen.

Wörwag hat sich von Anfang an hinter das Projekt gestellt, das die Dozenten Mark Riklin und Selina Ingold im Rahmen des Moduls «Öffentlichkeitsarbeit» an der FHS ins Leben riefen. Fünf Jahre lang haben daraufhin über 500 Studierende Rorschach immer wieder zur Bühne werden lassen.

«Es sind künstliche und echte Stadtfiguren wie der Schatzsucher entstanden; das Projekt wurde zum Sinnbild für Kommunikation. Das Experiment, Öffentlichkeitsarbeit in der Öffentlichkeit und nicht im Schulzimmer zu unterrichten, ist gelungen», zeigte er sich überzeugt.

Unkonventionelle Bindung

Die Idee, ein Buch zum Projekt zu verfassen, entstand erst vor einem Jahr. «Am 1.

Juli 2009 fand die erste Sitzung mit Verleger Richard Lehner statt», erinnerten sich die Herausgeber Riklin und Ingold. Geplant waren 128 konventionelle Seiten, geworden sind es mehr als doppelt so viele unkonventionelle in einer ersten Auflage von 2000 Stück. Unkonventionell ist das Buch nicht nur wegen des Inhalts, sondern auch wegen der Bindung.

«Es ist ein Mix aus hiesiger und japanischer Buchbindung, bei der eine Seite aus zwei Papierschichten besteht.» Im Fall dieses Buches ist aber der Rand dieser zwei Schichten perforiert. Wer nicht davor zurückschreckt, an sein neu gekauftes Buch Hand beziehungsweise Brieföffner anzulegen, kann nicht nur zwischen den Zeilen, sondern auch zwischen den Seiten lesen.

Dieses System steht auch für die Idee, verschiedene Perspektiven auf den Buchinhalt – ein grosses Anliegen der Herausgeber.

Schatzsuche für den Leser

«Das Buch soll nicht nur das Projekt dokumentieren, sondern darüber hinaus gehen. Es soll Vermächtnis und Denkanstoss für Rorschach sein», betonte Riklin.

Oder wie es Sebastian Wörwag ausdrückte: «Der Leser selbst kann bei diesem Buch aktiv werden – das Lesen der versteckten Seiten gleicht einer Schatzsuche.»

Das Buch kann für 36 Fr. bei der Buchhandlung zum Kornhaus gekauft oder beim Schwanverlag bestellt werden.