Ein Buch für die Stadtoase

Pflanzen, die sich als Steine tarnen. Gurken, die ihren Samen verspritzen und Kräuter, die heilen: Das Buch «Der Botanische Garten St. Gallen» erzählt, was dort alles gedeiht. Und wie die Oase am Stadtrand entstanden ist.

Malolo Kessler
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Auch ein Ort der Erholung: Der Botanische Garten St. Gallen. (Archivbild: Michel Canonica)

Auch ein Ort der Erholung: Der Botanische Garten St. Gallen. (Archivbild: Michel Canonica)

Es ist eine eigene Welt. Eine, in der es blüht und wächst, spriesst und wuchert, das ganze Jahr. Eine Oase am Stadtrand. Vor kurzem ist über diese Oase, den Botanischen Garten, ein Buch erschienen. Auf rund 160 Seiten und in sieben Kapiteln schildert Gartenleiter Hanspeter Schumacher die Entstehung des Botanischen Gartens und stellt verschiedene Abteilungen und Pflanzen vor.

Von einer Königin und Birken

Etwa die Königin der Nacht, die bekannteste Art der kletternden Kakteen, deren riesige Blüten nur während einer einzigen Nacht geöffnet sind und die hauptsächlich von Fledermäusen bestäubt wird. Oder die Niedrige Birke, die in der Schweiz nur an einem Ort in Abtwil wild wächst. Schumacher erklärt aber beispielsweise auch, wie sich Pflanzen verbreiten: Wie die Spritzgurke etwa ihren Samen «wie aus einer geschüttelten Champagnerflasche» verspritzt und damit im Botanischen Garten schon manch einen Besucher erschreckt hat.

«Kenne fast jeden Satz»

Ein gutes Jahr hat Schumacher am Führer gearbeitet, zig Stunden investiert. Alle Texte, abgesehen vom Vorwort von Stadträtin Patrizia Adam, stammen von ihm, auch die allermeisten Bilder. «Es war eine intensive Arbeit. Mittlerweile kenne ich fast jeden Satz», sagt der Leiter des Botanischen Gartens. «Aber ich wollte keinen Schnellschuss.»

Schumacher bezeichnet das Buch mit dem Untertitel «Ort der Erholung, Bildung und Begegnung» als «weiteren Mosaikstein» für den Botanischen Garten. «Wer als Institution etwas auf sich gibt, sollte eine solche Publikation haben», sagt er. Das letzte Buch über den Garten ist im Jahr 1991 erschienen, war weniger umfangreich und ist mittlerweile vergriffen. Und völlig veraltet: «In den letzten Jahren hat sich einiges getan hier, wir haben so viel erneuert. Nun war die Zeit reif für ein neues Buch.» Dieses solle nun mindestens zehn Jahre «halten»: «Und das nächste kann dann mein Nachfolger schreiben», sagt Schumacher, seit über 25 Jahren Leiter des Botanischen Gartens.

Kein Ersatz für Besuch

Erschienen ist das Porträt des Gartens im Appenzeller Verlag mit einer Auflage von 1000 Exemplaren. Angst, dass die Publikation irgendwo verstauben könnte, habe er nicht, sagt Schumacher. «Es ist zwar ein spezielles Buch, man muss sich für die Botanik interessieren. Aber wir haben ein treues Publikum.» Ausserdem hofft er, dass es auch Lehrpersonen gibt, die es als Arbeitsinstrument einsetzen. «Schliesslich ersetzt das Buch aber einen Besuch, das Herumlaufen und Herumschauen im Garten, natürlich nicht.»

Hanspeter Schumacher: «Der Botanische Garten St. Gallen», 38 Franken, erhältlich unter www.appenzellerverlag.ch

Hanspeter Schumacher Leiter Botanischer Garten und Buchautor (Bild: Urs Jaudas)

Hanspeter Schumacher Leiter Botanischer Garten und Buchautor (Bild: Urs Jaudas)

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