Ein Besuch im Plattenladen

Es riecht heimelig. Man fühlt sich auf den paar Quadratmetern ein wenig wie in Grossmutters Estrich, wo es immer etwas Neues aus alten Zeiten zu entdecken gibt. Der «Seventies-Shop» an der Rorschacher Mariabergstrasse 11 ist eine Fundgrube für Musik aus vergangenen Zeiten.

Drucken
Teilen
Rund 3000 Schallplatten hat Ralph Güntzel in seinem Geschäft. (Bild: Marco Kamber)

Rund 3000 Schallplatten hat Ralph Güntzel in seinem Geschäft. (Bild: Marco Kamber)

Es riecht heimelig. Man fühlt sich auf den paar Quadratmetern ein wenig wie in Grossmutters Estrich, wo es immer etwas Neues aus alten Zeiten zu entdecken gibt. Der «Seventies-Shop» an der Rorschacher Mariabergstrasse 11 ist eine Fundgrube für Musik aus vergangenen Zeiten.

Aus Leidenschaft wird Geschäft

«Es gibt hier aber nicht nur musikalische Relikte aus den wilden 70er-Jahren, sondern auch weitaus Älteres und Neueres», sagt Inhaber Ralph Güntzel und zieht aus der Rubrik «Soul» eine Schallplatte heraus: «Hier zum Beispiel Marvin Gaye aus den Sechzigern».

Privat hört der Berliner nicht mehr so oft Musik. «Es ist schade, seit ich vor fünf Jahren den Laden übernommen habe, hat sich mein Zugang zur Musik verändert.» Wenn er heute seine Eltern in Berlin besucht, zieht es ihn zwar auch in die Musikgeschäfte der deutschen Hauptstadt. «Ich bin aber nicht als leidenschaftlicher Sammler dort», sagt der 46-Jährige.

Im Vordergrund steht das Geschäft: «Würde sich die Platte bei mir verkaufen?» Eine berechtigte Frage, wenn man etwa bedenkt, dass die eine von den «Chameleons» ein langjähriger Ladenhüter ist.

Auch in Australien gefragt

Typischer Kunde des «Seventies-Shop» ist, wer eine Schallplatte von Pink Floyd, Elvis, Moody Blues oder Jimi Hendrix kauft, von denen er «in alten Zeiten» einmal Fan war. Von diesen Verkäufen wird Güntzel aber nicht reich. Im Gegenteil: «Ich bin froh, wenn ich mich über Wasser halten kann.

» So laufe es heute bei allen Plattenläden. Daher verkauft er auch vieles über das Internet. «Jeden Tag manage ich am PC meine Auktionen.» Auf E-Bay hat er seinen Online-Shop. «Ich habe schon Platten nach Chile, Australien oder oftmals auch nach Asien und Amerika verschickt.» Das seien dann aber Raritäten, die auf dem Markt bis zu 300 Franken kosten. Diese online zu verkaufen macht Sinn.

«Einer, der eine bestimmte Sonderpressung von Led Zeppelin sucht, kommt sicher nicht auf die Idee, nach Rorschach zu fahren.»

Trotz der Schwierigkeiten soll es Güntzels Laden in Rorschach noch lange geben. «Einer muss die Leute im Download-Zeitalter ja noch daran erinnern, wie wertvoll die Musik eigentlich ist.»

Marco Kamber

Aktuelle Nachrichten