Ein Beruf mit Zukunft

Der Recyclist: Ein relativ unbekannter Beruf mit Zukunftspotenzial. Künftig möchte auch die Migros Ostschweiz Erfahrungen mit diesem Berufsbild sammeln. Etwas, das die Solenthaler Recycling AG aus Gossau seit Jahren tut.

Flavio Dal Din
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Eliano Dezlhof (links) sortiert gemeinsam mit einem weiteren Lernenden Aluminiumteile. Für ihn heisst der Traumberuf: Recyclist. (Bild: Urs Bucher)

Eliano Dezlhof (links) sortiert gemeinsam mit einem weiteren Lernenden Aluminiumteile. Für ihn heisst der Traumberuf: Recyclist. (Bild: Urs Bucher)

Die Dose ist leer getrunken, der Fernseher kaputt und der Baukran überholt. Doch deshalb sind sie alle noch lange kein Abfall. Denn Abfall ist heute ein Wertstoff, und einen solchen zu gewinnen, will gelernt sein. Genau das lernt ein Recyclist. Kürzlich hat auch die Migros Ostschweiz mitgeteilt, dass sie ab kommendem Sommer einen Recyclisten ausbilden wird. Doch was tut ein solcher überhaupt?

Möglichst sortenrein trennen

Ein Unternehmen, das die Antwort darauf kennt, ist die Solenthaler Recycling AG in Gossau. Denn seit die Ausbildung im Jahr 2002 geschaffen wurde, bildet das Gossauer Unternehmen Recyclisten aus. Heute absolvieren dort sechs Lernende diese Ausbildung. Rolf Brogle, Hauptverantwortlicher für die Ausbildung, erklärt: «Ein Recyclist lernt, verwertbare Stoffe wieder aufzuarbeiten und sie damit in den Rohstoffkreislauf zurückzugeben.» In drei Jahren lernt man die einzelnen Wertstoffe zu trennen, sie von Schadstoffen zu unterscheiden sowie die Anlagen, die bei der Sortierung helfen, zu bedienen und zu unterhalten, wie Brogle erklärt. «Das Ziel ist es, vermischte Wertstoffe möglichst sortenrein zu trennen.» Das sei nicht etwa nur tagtägliches Abfalltrennen, sondern vielmehr eine «anspruchsvolle und vielseitige Arbeit». Vor allem Erfahrung und ein gutes Auge seien wichtig. Dann zum Beispiel, wenn nur kleine Dinge wie das Gewicht einzelne Materialen voneinander unterscheiden.

Hohe Anforderungen

Doch obwohl es die Ausbildung seit mehr als zehn Jahren gibt, ist sie noch immer relativ unbekannt. «Damit haben wir auch zu kämpfen», sagt Brogle. Weil es sich beim Recyclisten um einen anspruchsvollen Beruf handle, seien die Anforderungen dementsprechend hoch. Daniel Färber, Berufsbildungsfachmann der Migros Ostschweiz, spricht von «sehr guten Realschülern oder Sekschülern», die man für diese Lehrstelle suche. Bei der Solenthaler Recycling hingegen kommen die meisten Lernenden aus der Realschule. Dass sich nur wenige Sekschüler für den Beruf interessieren, liegt laut Brogle auch daran, «dass die Sekschüler mehrheitlich eine kaufmännische Ausbildung einer handwerklichen bevorzugen». Deshalb arbeite man bei Solenthaler daran, das Berufsbild bekannter zu machen und zu zeigen, dass auch handwerkliche Berufe interessant sein können. Doch egal ob Sek oder Real, wichtig seien vor allem die mathematischen Kenntnisse. «Deshalb testen wir die jeweils bei den Schnupperlernenden», erzählt Brogle.

Arbeiten bei Hitze und Kälte

Nebst dem Schulischen ist vor allem die körperliche Belastbarkeit wichtig. «Der Recyclist muss sowohl bei eisiger Kälte als auch bei drückender Hitze eine körperliche Arbeit verrichten», erklärt Brogle. Daniel Färber von der Migros betont, dass Schwindelfreiheit eine weitere Voraussetzung sei: «Eine PET-Presse ist schnell einmal bis zu fünf Meter hoch, und wenn man diese hinaufsteigen muss, sollte man schwindelfrei sein.»

Sowohl bei der Migros Ostschweiz als auch bei Solenthaler Recycling wird dem Recyclisten grosses Zukunftspotenzial anerkennt. «Immer mehr Wertstoffe müssen immer mehr wiederverwertet werden», sagt Brogle. Darum hat sich auch die Migros Ostschweiz entschieden, ab kommendem Sommer erstmal einen solchen Ausbildungsplatz anzubieten. «Wir werden mit einem Lernenden beginnen, um so Erfahrungen zu sammeln», erklärt Färber. Wenn alles gut gehe, seien in der Zukunft auch mehr Ausbildungsplätze das Ziel.

«Mein Traumberuf»

Die guten Perspektiven des Berufsbilds haben auch Eliano Dezlhof dazu veranlasst, sich für eine Lehrstelle bei der Solenthaler Recycling AG zu bewerben. «Ein Freund hat mir erzählt, es sei ein Job mit grosser Zukunft», so Dezlhof. Obwohl der 17-Jährige im ersten Lehrjahr ist, steht für ihn fest: «Das ist mein Traumberuf.» Auf die Frage, warum dies so sei, antwortet er: «Man arbeitet draussen, die Aufgaben gefallen mir und jeder Tag bietet eine neue Herausforderung.»