Ein Bekenntnis zur Bibliothek

Zwei Neuigkeiten prägten das Stadtkultur-Gespräch vom Montagabend: Die Bibliotheks-Initiative hat die nötigen Unterschriften zusammen. Und der Stadtrat will mit dem Kanton reden, um der Bibliothek eine zweite Chance zu geben.

Andreas Stock
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Podiumsdiskussion mit Richi Küttel, Robert Barth, Ralph Hug, Katrin Meier, Jörg Mühlemann und Thomas Scheitlin (von links). (Bild: Urs Bucher)

Podiumsdiskussion mit Richi Küttel, Robert Barth, Ralph Hug, Katrin Meier, Jörg Mühlemann und Thomas Scheitlin (von links). (Bild: Urs Bucher)

«Dem Stadtrat liegt das Thema am Herzen», sagte Stadtpräsident Thomas Scheitlin zur Begrüssung beim Stadtkultur-Gespräch am Montagabend in der Jugendbeiz Talhof. Und wohl zum Erstaunen der meisten Anwesenden – die diesmal mehrheitlich dem Literatur- und Bibliotheksumfeld zuzuordnen waren – blieb es nicht bei dieser zwar netten aber oftmals inhaltsleeren Floskel. Denn der Stadtpräsident liess während des folgenden Podiumsgesprächs an diesem Abend keinen Zweifel, dass der Stadtrat alles daran setzen will, um dem Projekt einer vereinten Bibliothek in der Hauptpost eine zweite Chance zu geben.

Er rief die Regierung des Kantons dazu auf, sich gemeinsam zu einem «Bibliotheksgipfel» zu treffen: «Es gibt nur eine vernünftige Strategie. Wir haben ein gutes Projekt. Und die Frage, auf die wir zusammen und partnerschaftlich eine Antwort finden müssen, ist: Wie können wir es finanzpolitisch lösen? Wenn beide das wollen, schaffen wir es auch», sagte Thomas Scheitlin bestimmt.

«Fair und partnerschaftlich»

So deutlich das Bekenntnis des Stadtpräsidenten zum einst ausgearbeiteten Bibliotheksprojekt, so dezidiert war freilich auch seine Haltung gegenüber einem bereits jetzt festgesetzten Verteilschlüssel, wie er in der Bibliotheks-Initiative mit 25 Prozent formuliert ist: «Die Frage ist doch, 25 Prozent von wie viel?», argumentierte Scheitlin. Zuerst müsse man doch wissen, was die Leistung sei, wie viel es überhaupt kosten würde. «Und wir wollen zusammen mit dem Kanton entscheiden können, was es kosten soll – das wäre fair und partnerschaftlich», betonte Scheitlin. Denn der Stadtrat sei sehr wohl bereit, sich substanziell zu beteiligen.

Als Leiterin des Amts für Kultur des Kantons war Katrin Meier freilich nicht in einer Rolle auf dem Podium, in der sie auf die stadträtliche Einladung an die Regierung hätte eingehen können. Sie erklärte, dass ihre Aufgabe derzeit darin bestehe, sich auf die Kantonsbibliothek zu konzentrieren und Lösungen für den Standort und die Raumprobleme der Vadiana zu finden.

Initiative hat etwas ausgelöst

Katrin Meier und Thomas Scheitlin äusserten sich positiv darüber, dass mit der Bibliotheks-Initiative das Thema wieder «auf den Radar gekommen sei», wie Scheitlin es formulierte. Ralph Hug, Mitinitiant der Initiative, konnte erfreut melden, dass man die notwendigen Unterschriften zusammen habe. Man werde aber noch weiter sammeln; das Echo auf die Initiative sei sehr gross und durchwegs positiv.

Hug sagte dann, was manchen ebenfalls durch den Kopf gegangen sein dürfte: Vielleicht habe diese Initiative nach dem Vakuum und der Resignation, die ob des Crashs des Bibliothek-Projekts entstanden sei, ja mitgeholfen, die Diskussion über die Bibliothekszukunft wieder zu lancieren und einen erneuten Prozess anzustossen. Und damit hätte die Bibliotheks-Initiative schon viel erreicht.

Den Knoten zerschlagen

Robert Barth, der für die Stadt eine Analyse der städtischen Bibliothekslandschaft erstellt hat (siehe unten), stimmte schliesslich mit in die Aufbruchstimmung ein, die an diesem Abend zumindest auf dem von Richi Küttel moderierten Podium teils zu spüren war: Er verglich das Bibliotheksprojekt mit dem Grounding der Swissair, die als Swiss zu neuer Stärke gefunden habe. Man müsse nun den «Gordischen Knoten» auseinander schlagen, sagte Barth. «Es kann nicht sein, dass man die Bibliotheken absägt».

Jörg Mühlemann, Leiter der Stadtbibliothek Winterthur, berichtete von der im Vergleich komfortablen Situation in Winterthur. Er breitete eine eigentliche Erfolgsgeschichte aus und führte damit eindrücklich vor Augen, wohin auch die Zukunft der Bibliotheken in St. Gallen führen sollte.

«Ich würde mir wünschen, dass wir uns wieder gemeinsam auf den Weg machen», formulierte Thomas Scheitlin seinen Wunsch am Ende des Podiumsgesprächs.